Zehn Ferienpass-Kinder aus Neuendorf machten am Dienstag einen Abstecher ins Aaregäu, um in der Bäckerei-Konditorei Erni aus Zopf- und Brotteig Tierfiguren zu backen. Empfangen wurden die fünf Mädchen und Knaben von Bäckermeister Urs Erni, der sie in die Backstube führte. Als Erstes entledigten sich die Kinder der unnötigen Kleidungsstücke, denn der extra für den Ferienpass angeschaltete Ofen sorgte für ungewohnt hohe Temperaturen. «Bevor wir anfangen, müssen alle die Hände waschen und eine Schürze anziehen», meinte Erni zum Pflichtprogramm vor der Kür. Diese begann mit einem rund 2 Kliogramm schweren Zopfteig, den Erni mit einer speziellen Maschine in 100 Gramm grosse Teiglinge unterteilte.

Die erste Aufgabe bestand darin, daraus eine Schildkröte zu fertigen. Dafür musste ein Drittel des Teigs abgetrennt und mit dem kleineren Teil der Kopf und die Beine geformt werden. Mit geschickten Händen zeigte der Bäcker, dass dies ganz einfach ist, wenn man weiss wie. Die Kinder brauchten denn auch nicht lange, bis sie brauchbare Resultate vorweisen konnten. Und wer Mühe hatte, bekam fachkundige Unterstützung von Urs Erni oder von Kursbegleiterin Isabel Studer. Die zweifache Mutter war kurzfristig für eine Kollegin eingesprungen und hatte sichtlich Freude an ihrer Aufgabe, die Kinder zu betreuen und gleichzeitig auch selbst als Bäckerin tätig zu sein.

Lehrlinge fangen später an

Die Ferienpass-Delegation aus Neuendorf erfuhr ferner, dass Bäcker Frühaufsteher sind. Arbeitsbeginn ist während der Woche um 2 Uhr in der Früh. «Die Lehrlinge fangen zwischen 3 und 3.30 Uhr morgens an, Feierabend ist etwa um 10.30 Uhr», bemerkt Erni. Obwohl dieser Beruf auch körperlich viel abverlangt, hat der Wolfwiler Bäckereibetrieb keine Nachwuchssorgen. «In den letzen Jahren konnte ich aus den Bewerberinnen und Bewerbern aussuchen», sagte der 50-jährige Bäcker. Zwei Bäckerei-Konditorinnen, eine im ersten sowie eine im dritten Lehrjahr, werden derzeit im Betrieb ausgebildet. Insgesamt beschäftigt die Bäckerei Erni, die auch in Gunzgen eine Filiale unterhält, sieben Personen. Fünf davon sind jeweils im Einsatz, wie Erni erwähnt. «Natürlich gibt es bei uns die 5-Tage-Woche», so der 50-Jährige.

In der Zwischenzeit hatten die Kinder unter fachkundiger Leitung neben der erwähnten Schildkröte auch noch einen Hasen, eine Maus, ein Krokodil, einen Igel und eine Häuschen-Schnecke aus Teig geformt. Nun wurde das Getier noch ausdekoriert. Als Augen dienten Rosinen, der Igel bekam mit einer Schere herausgepickte Stacheln und die Schildkröte ein Karomuster als Panzer. Dann ging es in den 230 Grad Celsius heissen Ofen und nach gefühlt enorm langen 18 Minuten holte Urs Erni die auf runden Blechen platzierten Tierfiguren mit der langen Schaufel wieder heraus. Dann kam das Beste: Die Kinder durften die gebackenen Tierfiguren einpacken und mit nach Hause nehmen. «Nicht vor dem Mittagessen futtern», bekamen die Kinder auf den Weg, bevor sie wieder von freiwillig fahrenden Müttern mit Autos abgeholt wurden.

Freiwillige Fahrerinnen helfen

«Dieses Jahr haben wird mit 60 Anmeldungen rekordverdächtig viele Mütter, die für den Ferienpass als Fahrerinnen unterwegs sein werden», erklärt Jasmina Freiburghaus vom Ferienpass-Team. Sie sorgen dafür, dass die 118 angemeldeten Kinder an die jeweiligen Orte transportiert und danach auch wieder abgeholt werden. Praktisch gleich gross geblieben ist bei der 18. Auflage des Ferienpasses die Anzahl der Aktivitäten. Deren 49 sind es dieses Jahr, verteilt auf insgesamt 55 Kurse. Die sei darauf zurückzuführen, dass einige Kurse wegen der grossen Nachfrage doppelt geführt werden mussten. Dies gilt auch für das Tierfiguren-Backen in der Bäckerei Erni in Wolfwil, wo am kommenden Freitag eine zweite Auflage mit wiederum 10 Kindern auf dem Programm steht. Dieser Kurs belegt in der Rangliste allerdings «nur» Patz 5. Im Ranking der beliebtesten Aktivitäten folgt auf dem 4. Platz das Fertigen von Badekugeln mit 21 Anmeldungen, dann das Kleinkaliberschiessen auf Platz 3 mit 29 Anmeldungen. Dieser auf der Schiessanlage in Niederbuchsiten durchgeführte Kurs wird auch oft von Mädchen gebucht, wie Jasmina Freiburghaus erwähnt.

Blindenhundschule neuer «Leader»

Eine Überraschung gab es im Bezug auf den diesjährigen Spitzenreiter bei den Kursen. In den letzten Jahren war dies stets der Speckstein-Kurs in Niederbipp. Mit 33 angemeldeten Kindern erzielt dieser Kurs zwar immer noch einen Spitzenwert. Noch zwei Anmeldungen mehr konnte der neue Kurs, ein Besuch in der Schweizerischen Schule für Blindenführhunde Allschwil BL, auf sich vereinigen. «Dass sich 35 Kinder für diesen Kurs eingeschrieben haben, hat uns schon überrascht», sagt Jasmina Freiburghaus vom Ferienpass-Team. Diesem gehören auch Karin Fiore, Daniela Zwikirsch, Claudia Oppliger, Sandra Fluri und Marketa Vrapca an.

Die Frauen wollen auch nächstes Jahr wieder einen Ferienpass auf die Beine stellen. «Nach dem Ferienpass ist vor dem Ferienpass», meint Jasmina Freiburghaus mit einem Augenzwinkern. Dass das Ferienpass-Team ein gutes Händchen hat, zeigt die diesjährige Auflage einmal mehr. Viele Kinder buchten acht bis zehn Kurse, bei einem einmaligen Unkostenbeitrag von 20 Franken. Zehn erlaubte Kurse wollte eigentlich auch Michael Hänni besuchen.Er musste aber mit deren neun begnügen. Der Kurs im Kantonsspital Olten war überbelegt. «Schade», meint der 10-jährige Knabe, «vielleicht klappts nächstes Jahr.»