Schönenwerd
Bei Wohnüberbauung geht nichts – Gemeinde verärgert über Schandfleck

Im ehemaligen Kopp-Areal in Schönenwerd sind 21 Wohneinheiten geplant – aber es geht nicht vorwärts. Noch konnten keine Investoren gefunden werden. In der Gemeinde ärgert man sich über den «Schandfleck».

Verena Fallegger
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Dieser Schandfleck könnte - sobald ein Investor gefunden wird - beseitigt werden.

Dieser Schandfleck könnte - sobald ein Investor gefunden wird - beseitigt werden.

Verena Fallegger

Schönenwerd ist nicht Bern, Luzern oder gar Zürich. Hier gibt es keinen See- oder Alpenblick. Und dennoch ist Schönenwerd eine ziemlich zentral gelegene und wohnliche Gemeinde mit einer spannenden Geschichte im Nacken. Diese erwähnten Städte können mit dem öV oder mit dem Auto innert kurzer Zeit erreicht werden. Das Naherholungsgebiet am Dorfrand und in der Jurakette für Biker, Jogger und Wanderer bietet viele Möglichkeiten. Das macht die Lage spannend. Im Jahr 2010 hat die Firma Estimo AG ein interessantes Baugesuch eingereicht, welches Loft-Wohnungen für eine neue Form von Wohngefühl anbietet. Soweit, so gut.

Der «Hugi» nachempfunden

Und nun zur Geschichte: Im März 2012 hiess es, dass aus der ehemaligen Fabrik an der Baumstrasse in Schönenwerd 21 Wohneinheiten entstehen sollen. Aus der Büromöbelfabrik auf dem Kopp-Areal plante die Firma Estimo AG, (heute Estimo Atelier AG), Zürich, 17 Loft-Wohnungen; in einem kleineren Neubau sollten vier weitere Loft-Wohnungen entstehen. Die alte Bausubstanz sollte genutzt werden, in etwa so wie bei der «Hugi» in Dulliken.

Am Tag der offenen Tür im März 2012 wurden Interessierte bewirtet und tolle Pläne gezeigt. Aber dabei blieb es auch. Heute ist die ausgehöhlte Fabrik ein Schandfleck im «Feld». Beschmierte und besprayte Mauern im Innern sind auch von aussen zu sehen. Fenster stehen offen oder sind zu Bruch gegangen. Die alten Vorhänge hängen müde aus den Fenstern. Dort, wo einst ein Einfamilienhaus gestanden hat, wächst das Unkraut in die Höhe. Die alten Unterstände des Holzdepots wurden entfernt, aber alles ist überwuchert. Holzstapel liegen zum Verarbeiten bereit und warten geduldig, ihrem Zweck zugeführt zu werden. Grosse Steinblöcke «zieren» die Fläche hinter den Absperrgittern, welche zeitweise offen gestanden haben. Auf den Hinweis, dass das Areal von zwei Seiten zugänglich ist, meinte Josef K. Bühler Senior, dies sei die Angelegenheit des Generalunternehmers «Baudienste» in Sursee. Neuerdings sind sie verschlossen, die Gitter, und mit einem Plakat «Baustelle betreten verboten» behängt.

Wird hier wirklich etwas entstehen, oder bleibt die Ruine bestehen? Gemeindepräsident Peter Hodel sagte im März 2012: «Das Projekt entspricht den neusten raumplanerischen Tendenzen für eine sinnvolle Raumnutzung.» Dieser Meinung ist er heute immer noch. Aber im Moment weiss auch er nicht, wie es weiter geht oder was der Bauherr Büeler & Partner AG, Urdorf, für Pläne hat. Bei einer Umstrukturierung der Firma Estimo AG mit Sandro Büeler als Geschäftsführer steht nun die Firma Büeler & Partner AG; Josef K. Büeler ist der neue Ansprechpartner.

Geldgeber nicht einfach zu finden

Wer sind Büeler & Partner? Der Homepage ist zu entnehmen, dass die Firma seit 1997 Immobilienprojekte entwickelt und realisiert, die den Zeitgeist widerspiegeln. Sie ist in Uster beheimatet. Die Wünsche des Kunden sind besonders wichtig, ein kompetentes Beratungsteam sowie ein eigenes Architektenteam für Bau und Innenausbau stellen sicher, dass diese kreativ und professionell umgesetzt wird.

Und in Schönenwerd? Ist das «Kopp-Projekt» in Vergessenheit geraten? Ist die Lage nicht mehr attraktiv genug? Diese Fragen sollen Josef K. Büeler gestellt werden. Vergessen habe man das Projekt nicht, sagte Büeler am Telefon. «Wir suchen einen Endinvestor oder eine Anlagestiftung. Das Ganze als Paket zu verkaufen, ist heute nicht einfach. Die Banken und Geldgeber stellen Auflagen.» Von den geplanten Loft-Wohnungen kommen nur noch wenige in Frage, dafür seien Mietwohnungen ins Auge gefasst worden. Diese werden wie geplant im bestehenden Gebäude entstehen. Die Baubewilligung sei erfolgt und der Rückbau am Areal sei ja gemacht worden. «Der Schandfleck, wie Sie ihn nennen, wird schon beseitigt werden. Wann genau kann ich nicht sagen», meint Josef K Büeler.

Anpassungen vorgenommen

Im Jahr 2010 hat die Baukommission das Umbauprojekt in der Wohnzone W2 bewilligt. Aufgrund einer Projektoptimierung hat die Estimo AG im Jahr 2011 noch gewisse Anpassungen vorgenommen. Zusammen mit dem Kanton wurden die Anpassungen via Gestaltungsplan geregelt, da das vorliegende Projekt eine gute städtebauliche Lösung für den spezifischen Ort darstellt. Der Kanton hat im selben Jahr grünes Licht gegeben, und es konnte zur öffentlichen Auflage getreten werden.

Bauverwalter Andreas Filosi ist selbst nicht glücklich, dass der Umbau, respektive das Projekt nicht voran geht. Anlässlich der Nachfrage, weshalb das Projekt nicht umgesetzt wird, hat man dem Bauverwalter mitgeteilt, dass die Generalunternehmung die Ausführungsplanung für den Neubau praktisch abgeschlossen habe und man startklar sei. Man beginne jedoch erst, wenn der entsprechende Investor gefunden worden ist.

«Bereicherung für Schönenwerd»

Die Idee dieser Gebäudenutzung mitsamt den Loft-Wohnungen wäre eine Bereicherung für Schönenwerd, sagt Filosi. «Es sind keine 08.15-Wohnungen, sondern es würde eine originelle Durchmischung von Althergebrachtem und Neuem geben. Eine neue Form von Wohngefühl, was in der Einwohnergemeinde Schönenwerd nur vereinzelt vorhanden ist». Baupräsident Max Hofer ist ebenfalls dieser Meinung und unterstreicht, dass das Projekt super sei, wenn es denn beendet würde.

So werden die Bewohnerinnen und Bewohner sich noch eine ganze Weile gedulden müssen, bis endlich eine Änderung auf dem Areal zu sehen ist. Es ist zu wünschen, dass sich Geldgeber finden, die Vertrauen zu der kleinen Niederämter Gemeinde haben und auch sehen, wie zentral dieser Ort im Grunde genommen liegt, ob jetzt nun mit oder ohne Alpen- oder Seeblick.

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