Imoberdorf AG
Bei Oensinger Maschinenbaufirma laufen die Taktmaschinen wieder rund

Das vor 75 Jahren gegründete Maschinenbauunternehmen Imoberdorf AG aus Oensingen hat die Nachwehen der Währungskrise überwunden. Der Auftragsbestand liegt auf Rekordniveau.

Franz Schaible
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Firmenchef Toni Imoberdorf von der gleichnamigen Imoberdorf AG vor einer für Korea bestimmten Anlage.

Firmenchef Toni Imoberdorf von der gleichnamigen Imoberdorf AG vor einer für Korea bestimmten Anlage.

Bruno Kissling

Weniger ist mehr: Das ist sozusagen der «rote Faden», der sich durch die gesamte Unternehmung zieht – der Maschinenbauerin Imoberdorf AG in Oensingen. Vom Produkt selbst, der Produktion bis hin zu den Absatzmärkten. Geschäftsleiter und Inhaber Anton Imoberdorf schreitet zügig durch die grosse Montagehalle und erklärt die Funktionsweise der gebauten Maschinenanlagen.

«Wir produzieren Präzisionswerkzeugmaschinen zur spannabhebenden Herstellung von Teilen in hohen Stückzahlen.» Im Fachjargon spricht man von Rundtaktmaschinen. Auf einem Drehtisch im Zentrum der vollautomatisierten Anlage werden die zu bearbeitenden Teile eingespannt. Der Tisch dreht sich im Takt von einer rundum angeordneten Bearbeitungsstation zur anderen; dort werden die Teile von Werkzeugen gebohrt, gerieben, gefräst oder geschliffen. Auf den Anlagen könnten bis zu 16 verschiedene Bearbeitungseinheiten zum Einsatz kommen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Anstatt, dass die Teile mehrere einzelne Bearbeitungsanlagen durchlaufen müssen, können sie auf einer einzigen Rundtaktmaschine fixfertig bearbeitet werden.

Kürzere Produktionszeiten

Mit dieser Technologie verkürzen sich die Herstellzeiten massiv. Einzelne Teile könnten sechs bis zehn Mal schneller gefertigt werden als mit mehreren Bearbeitungszentren, so Imboberdorf. Gleichzeitig seien die Rundtaktmaschinen drei bis fünf Mal teurer. «Unter dem Strich rentiert sich bei hohen Stückzahlen aber die höhere Investition fast immer.»

Imoberdorf AG

Das Fundament für die heutige Imoberdorf AG legte Josef Imoberdorf 1943. Er gründete in Grenchen eine Einzelfirma als Teilefertiger für die Uhrenindustrie. Die erste Rundtaktmaschine baute der Firmengründer bereits 1958.

Mit dem Umzug 1971 in den Neubau am heutigen Standort in Oensingen kam es zum grossen Schnitt. Die Lohnfertigung wurde aufgegeben und man konzentrierte sich auf den Maschinenbau.

Von 1971 bis 2000 führte sein Sohn Markus Imoberdorf in zweiter Generation den Betrieb. Seit damals wirkt der 54-jährige Anton Imoberdorf als Firmenchef in dritter Generation und er übernahm 2005 auch die Aktienmehrheit. Der gelernte Mechaniker mit Ingenieur-Abschluss am Technikum Biel und Betriebswirtschaftsausbildung in Zürich ist bereits seit 1989 im Familienunternehmen. (FS)

Die Anlagen sind tatsächlich hochpreisig, sie kosten je nach Konfiguration zwischen einer und vier Millionen Franken. Die Firma fertigt ausschliesslich kundenspezifische Anlagen, die mit Standardkomponenten individuell zusammengestellt werden. Der Patron spricht von einem «Baukastensystem». Die Oensinger verkaufen denn auch jährlich «nur» 8 bis 12 Maschinenanlagen.

Eigentlich sei das Unternehmen fast zu klein. Aber der Wettbewerb im Bereich der kleineren und günstigeren Rundtaktmaschinen sei international sehr stark, deshalb konzentriere man sich auf Grossanlagen, auf welchen sehr komplexe Teile gefertigt werden können. «In diesem Bereich sind wir nur einige Schweizer Produzenten und global ist die Konkurrenzlage ebenfalls überschaubar», so Imoberdorf.

Mit den Maschinen «Made in Oensingen» können Teile mit einer Genauigkeit von plus/minus 3 tausendstel Millimeter gefertigt werden. Zum Vergleich: Das menschliche Haar misst 20 tausendstel Millimeter. Dazu braucht es qualifiziertes Personal. «Die Hälfte der 55 Mitarbeitenden», so der Firmenchef, «sind Ingenieure und hochqualifizierte Facharbeiter. Und wir investieren viel in die Aus- und Weiterbildung.» Dazu gehört auch die berufliche Grundausbildung. Firmenphilosophie sei es, dass immer zehn Prozent des Personalbestandes Lernende sind.

Schritt nach China denkbar

Die wichtigsten Kundengruppen sind die Automobilindustrie (Umsatzanteil 60 Prozent), die Medtechbranche (20 Prozent) und die Schliesstechnik (10 Prozent). Der Exportanteil liegt bei 90 Prozent, wichtigster Einzelmarkt ist Deutschland. Insgesamt verteilen sich die Verkäufe auf Europa mit zwei Dritteln und Asien mit einem Drittel. «Als Kleinbetrieb können wir nicht überall aktiv sein», meint der 54-jährige Unternehmer, der die Firma seit 2000 leitet. Die Konzentration auf «Weniger» habe er schon von seinem Vater gelernt, sagt er lachend. Um als «Kleiner» im Konzert der «Grossen» bestehen zu können, müsse die Qualität und die Lieferbereitschaft stimmen.

«Wir haben die ganze Fachkompetenz im Haus, von der Planung, der Konstruktion über die Hard- und Softwareentwicklung bis hin zum mechanischen Know-how.» 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet man mit renommierten Stammkunden wie Daimler oder Bosch. «Das spricht für uns.»

Wie die gesamte Branche hat auch die Imoberdorf AG unter dem starken Franken gelitten. Die Nachwehen des Währungsschocks hätten bis 2017 angehalten, «ein schwieriges Geschäftsjahr». Es galt, die Kosten zu senken. «Wir haben die Beschaffungsseite umgekrempelt», blickt der Firmenchef zurück. Der Anteil der eingekauften Teile aus der Schweiz ist zulasten des Euroraums von 70 auf aktuell 30 Prozent gesunken. «Nur so war es möglich, die Kosten auf das Niveau von 2015 zu senken.»

Jetzt aber sieht die Firma zuversichtlich in die Zukunft. «Der Auftragsbestand hat Anfang 2018 in Folge der guten globalen Konjunkturentwicklung ein absolutes Rekordniveau erreicht.» Der Umsatz soll bis in fünf Jahren um ein Drittel wachsen und die Zahl der Beschäftigten bei 70 liegen. Unabhängig davon umtreibt Anton Imoberdorf auch eine Vision. Der Aufbau einer Produktionsstätte in China, als Ergänzung und nicht Ersatz zum hiesigen Standort. Er möchte dort Anlagen für den dortigen Markt bauen. Denn Imoberdorf glaubt, dass «diese Region zum grössten Zukunftsmarkt wachsen wird».

Stehen Banken auf Kreditbremse?

Ein solcher Schritt will sehr gut durchdacht sein. Das weiss auch Imoberdorf. Und er will keine finanziellen Abenteuer eingehen. Schon sein Grossvater und sein Vater hätten das Credo der Unabhängigkeit hochgehalten. «Wir geben nur so viel aus, wie wir zuvor eingenommen haben.» Bislang sei es gelungen, alle Expansionen und Investitionen, ohne namhafte Bankkredite, aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Wäre es angesichts der Tiefstzinsphase nicht «günstiger» mit Bankkrediten zu arbeiten? «Nein», sagt Imoberdorf dezidiert. Die tiefen Zinsen gelten wohl für Wohnbauhypotheken, nicht aber für Firmenkredite. Zudem stünden die Banken auf der Kreditbremse. «Die Geldbeschaffung bei Banken zu annehmbaren Konditionen ist für ein KMU fast unmöglich», ärgert er sich und sinniert: «Ausländische Investoren haben offensichtlich mehr Interesse an Schweizer Firmen als inländische Geldgeber.»