Es war fast zu erwarten, dass gegen die geplante Sanierung der Industriestrasse vom Migros-Kreisel in Neuendorf in Richtung des Gäuparks Einsprachen eingehen werden.

Nun hat sich, neben diversen Anstössern auch die «Organisation Strasse Solothurn als Vertreterin des motorisierten Strassenverkehrs» zu Wort gemeldet und der Sanierung eine erste Abfuhr erteilt. Deren Vorsitzender: alt Nationalrat Roland Borer.

Was wird genau gebaut?

Das Kernstück des Ausbaus ist eine Verbesserung der Situation für den Langsamverkehr. Hinzu kommt eine zusätzliche Bushaltestelle direkt bei der Einfahrt in die Unterführungsstrasse, welche in Richtung Neuendorf über die Autobahn führt. Als dritten Aspekt nennt Daniel Zimmermann vom Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) die Instandsetzung der stark beanspruchten Strasse und damit die direkt verbundene qualitative Wertsteigerung.

Ein weiterer Aspekt des Ausbaus ist die Verbreiterung der Fahrbahn auf insgesamt 8 Meter. Damit soll die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer stark verbessert werden. Momentan beträgt die Strassenbreite nur gerade 5,5 Meter.

Die zusätzlich vorgesehene Bushaltestelle soll die Attraktivität des öV-Angebotes steigern. «Wir wollen die Angestellten der umliegenden Betriebe dazu motivieren, den Bus zur Arbeit zu nehmen», erklärt Zimmermann. Um einen optimalen Verkehrsabfluss aus dem Kreisverkehr zu gewährleisten, werden jeweils Ausbuchtungen für die Bushaltestellen erstellt. Überall sonst sind Fahrbahnhaltestellen geplant. Diese werden zusätzlich mit einer Mittelinsel versehen, um aus Sicherheitsgründen ein Überholen des stehenden Busses zu verhindern.

Neuer Kreisel kommt (noch) nicht

Ein wesentlicher Punkt, den «Strasse Solothurn» anspricht, ist die Anzahl Kreisel, die der Verkehr gemäss Planung auf der Strasse bis zum Autobahnzubringer zu passieren habe. Borer verweist darauf, dass mit dem nun vierten Kreisel von Neuendorf in Richtung Autobahn der Verkehrsfluss noch stärker gehemmt werde. Der zusätzliche Kreisel bei der Einfahrt zur Unterführungsstrasse ist momentan noch ein Planspiel und wird noch nicht realisiert. Doch es werden die Voraussetzungen geschaffen, um einen solchen dereinst an dieser Stelle bauen zu können. Dieser Kreisel soll über die ebenfalls geplante Bifangstrasse die Industriestrasse mit der Weiermattstrasse südlich der Dünnern verbinden.

Angedacht wurde die Strasse bereits bevor der Kanton das Strassensanierungsprojekt an die Hand nahm. Die Strasse sollte, so die Idee, «normal», das heisst ohne zusätzliche bauliche Massnahmen, in die Industriestrasse geführt werden. Doch mit dem Projekt des Kantons kam die Idee eines Kreisels auf. Hier sieht denn auch Bruno von Rohr, Verwaltungsratspräsident von Rohr Immobilien, Egerkingen, einen gewichtigen Nachteil der geplanten Strassenführung.

So sei es unverständlich, warum die sofortige Erstellung des Kreisels nicht Teil des Projektes sei. Der Kreisel würde die Einfahrt in die Industriestrasse vereinfachen. Zudem sei es wenig wirtschaftlich, den Kreiselbau zu verschieben, nur um ihn dann in einer weiteren Etappe doch noch zu realisieren. Grundsätzlich begrüsst er aber die Sanierung und auch die Verbreiterung der Strasse inklusive der Attraktivierung für den Langsamverkehr und den öV. «Auch wenn wir als Anstösser am meisten Land abgeben müssen», erklärt von Rohr.

Breite Opposition

Nicht nur von «Strasse Solothurn» kommt Opposition. Auch alt Kantonsrat und Geschäftsleitungsmitglied der Reinhold Dörfliger AG Reinhold Dörfliger jun. ist gegen das Projekt. «Wir sehen keinen Vorteil für uns Anstösser», erklärt er. Das Ziel einer Strasse müsse sein, den Verkehrsfluss zu garantieren.

Somit seien Behinderungsmassnahmen, wie Fahrbahnhaltestellen nicht zweckgerichtet. «Vor allem wenn man sich vorstellt, das auf dieser Strecke gleich vier Bushaltestellen den Verkehr behindern.» Zudem sei die Sanierung sehr kostenintensiv, was vornehmlich mit dem geplanten Ausbau für den Langsamverkehr zu tun habe. Momentan erarbeiten verschiedene Anstösser der Strasse, inklusive der Reinhold Dörfliger AG eine Einsprache.

Die von «Strasse Solothurn» eingebrachte Lösung: Der Langsamverkehr soll auf die Schotterstrasse an der Dünnern ausweichen. Diese Strasse soll zu diesem Zweck «massvoll» ausgebaut werden. «Natürlich geht es nicht darum, alles zu zu betonieren», sagt «Strasse Solothurn»-Vorsitzender Roland Borer. Denn es könne nicht sein, dass Gefahr provoziert werde, nur weil der Langsamverkehr attraktiver gestaltet werden soll. Gegen die Verbreiterung der Strasse selbst schreibt die Organisation in ihrer Mitteilung nicht explizit.