Schloss Neu-Bechburg
Bei der Herstellung zusehen: An diesem Markt gab es Handgemachtes aus dem Mittelalter

Geflochtene Körbe, eingefärbte Wolle, von Hand geformte Hufeisen, Lederschuhe und vieles mehr wurden am Samstag am Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg an den Ständen präsentiert.

Sarah Kunz
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Wie vor 500 Jahren: Impressionen vom Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg.
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Wie auf einem echten Markt kann man hier die hergestellte Ware kaufen. Die Zuschauer können aber auch bei der Produktion mithelfen.
Auch ein Musiker ist auf dem Markt präsent
Der Schmied an seinem Feuer
Wie vor 500 Jahren: Impressionen vom Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg.
Er sorgt für Sicherheit auf dem Markt
«Kauft Strähle, es kommen lausige Zeiten», preist der Strählsager seine handgemachten Kämme an.
Eine Frau mit einem Zwiebelzopf
Die Markthändler erklären den neugierigen Besuchern gern, was es mit ihrem Handwerk auf sich hat.
Korber
Ein Färber bei der Arbeit
Eine Frau macht Feuer – ohne Zündhölzchen gar nicht so einfach
Er zeigt, wie Armbrustschiessen geht
Dabei das Ziel zu treffen, erweist sich als schwieriges Unterfangen.

Wie vor 500 Jahren: Impressionen vom Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg.

Remo Fröhlicher

Die Luft ist erfüllt mit dem Geruch von frischem Brot und dem schweissigen Gestank von erhitztem Metall. Hühner gackern in hölzernen Käfigen, dumpfes Hämmern, Menschengeschwätz und mittelalterliche Gesänge tönen über den Platz. Schausteller in altertümlichen Gewändern preisen ihre Ware an, Kinder rennen fasziniert von Stand zu Stand und Eltern versuchen verzweifelt, den Überblick zu behalten. Es ist ein Bild wie aus dem Mittelalter. So, wie man es auf einem Markt vor 500 Jahren gehabt hätte.

Am Samstag fand im Rahmen des SRF-Programmes «Leben wie vor 500 Jahren» ein Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg in Oensingen statt. An ihren Ständen präsentierten die Handwerker geflochtene Körbe, eingefärbte Wolle, Hufeisen, Lederschuhe, Lebensmittel und vieles mehr.

Jeder kann mitmachen

Wie auf einem echten Markt kann man die hergestellte Ware kaufen. Jedoch bietet der Publikumsevent noch mehr: Die Zuschauer können bei der Produktion vor Ort auch selbst mithelfen. So kann man Mehl mahlen, Nägel schmieden oder Bienenwachs für Salben schmelzen. Die fertige Ware wird sogleich auch getestet. Mutige Knaben und starke Männer versuchen sich am Schiessen einer mittelalterlichen Armbrust. Dabei das Ziel zu treffen, erweist sich als schwieriges Unterfangen.

Auch kulinarisch bietet der Markt Verschiedenes. Eine Bäckerin knetet Dinkelmehl, Ruchmehl, Zwiebeln und Petersilie zu einem Teig und bäckt diesen über dem offenen Feuer. Das fertige Brot wandert noch warm auf den Teller und ist schnell restlos verputzt. «Es ist einfach toll, dass man so vieles selbst probieren darf», meinen zwei junge Besucherinnen begeistert.

Weinhändler Gerhard Ryf schenkt den Besuchern einen Einblick in die Fertigkeiten eines Weinbauers. Für die Weinproduktion wurde von der Haut, über die Kerne bis zu den Stielen alles verwendet. Daher gibt es teilweise Rückstände. Kaum erzählt, verzieht eine Besucherin ihr Gesicht und zieht sich einen Stielrest aus dem Mund. Ryf verweist lachend auf ein Schild, welches am Fass angebracht ist: «Unfiltriert, ohne Schwefel» steht in Grossbuchstaben. «Das kann’s geben», meint der Schenkenwirt, «aber deshalb mag ich den heutigen Wein auch lieber.»

Vor dem Stand des Schmieds bildet sich eine kleine Menschentraube. Zuvorderst stehen kleine Buben, ihre Augen glänzen vor Neugier. Mit russgeschwärzten Fingern und Schweissperlen auf der Stirn bearbeitet der Schmid ein Stück Metall. Immer wieder hält er es in die Kohlen und heizt diese mit dem Blasebalg ein. Das Hämmern ertönt in regelmässigem Rhythmus über die Marktstände. Auf dem Tisch neben ihm liegen bereits einige fertige Werke. Schwerter, Messer und Kleiderhaken; selbstverständlich alles selbst hergestellt. Ein neugieriger Besucher streckt die Hand aus und testet die Klinge. «Hui, die ist ja scharf», meint er anerkennend und zieht seine Finger schnell zurück.

Wissen an die Besucher vermitteln

Laut dringt hin und wieder eine Stimme über den Markt. «Kauft Strähle, es kommen lausige Zeiten», preist der Strählsager seine handgemachten Kämme an. Er erklärt, dass Holzkämme eher für die einfacheren Leute gemacht wurden. Der Adel hätte selbstverständlich Strähle aus Elfenbein gehabt. Überhaupt erklären die Markthändler den neugierigen Besuchern gern, was es mit ihrem Handwerk auf sich hat. So ist der Besuch auf dem Mittelaltermarkt nicht nur anschaulich, sondern auch informativ.

Geht man die Treppen zur Burg hoch, erinnert jedoch immer weniger an das Mittelalter. Der Verpflegungsstand im Lindengarten ist nämlich eher dem heutigen Zeitalter entsprechend. Auch die vielen Fernseher, die das Leben der Familie Dietschi — Sie wohnen während drei Wochen wie im Mittelalter — hinter der Burg live übertragen, zerstören das altertümliche Bild. Der Komfort und die Technik verraten: Ganz so mittelalterlich geht es wohl eben doch nicht.

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.
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Dietschis kehren dem Bauernhof den Rücken. Im Karren transportieren sie den Zehnten, dem sie dem Vogt abgeben müssen.
Eines der Schweine wurde am 3. August geschlachtet. Dietschis durften für ihre Arbeit zwei Filets behalten.
Die Geissen Jessy, Jelly und Josephine laufen Dietschis mittlerweile hinterher. Keine würde jetzt noch abhauen wollen.
Die Pilgerer sind in der Hitze teilweise im leichten Gewand unterwegs
Die Familie Dietschi hat am 1. August ein Höhenfeuer aufgestellt.
Maurin und Simon beweisen sich als Knappen. Zum Schutz gibts einen Helm.
Die beiden machen ihre Sache gut. Sie müssen aber noch stärker werden, meinen die Ritter.
Die fünf Pilgerer in Solothurn
Die Pilger übernachten im Kloster Namen Jesu und lassen sich von Schwester Priska die Räume zeigen.
Dietschis in der lateinischen Messe im Dorf. Alle verstehen Bahnhof.
In Wanderschuhen gehts zum Müller und zurück – wobei die Gruppe auf dem Rückweg von einer Kutsche mitgenommen wird.
Am Freitag wandern Dietschis zusammen mit zwei Pilger nach Laupersdorf, um Getreide mahlen zu lassen.
Besuch ist gekommen: Die fünf Pilgerer und Dietschis beim Abendessen. Nur Radio-Moderator Ralph Wicki schläft nicht im Bauernhaus, sondern in der Burg.
Geiss Josephine ist im Stall stecken geblieben. Mit Hilfe des Schlosswarts wird sie befreit.
Nicole nimmt eine Wabe mit Honig heraus
Der Imker macht die Bienen schläfrig, danach werden die Waben herausgenommen.
Dietschis haben keine Socken. Deshalb stopfen sie Heu in die Schuhe.
Als Strafe für den Ausflug in den Wald müssen Dietschis für 2 Stunden im Schlossgarten arbeiten.
Ein Jäger kommt zu Besuch und bietet an, mit ihnen auf die Jagd zu gehen. Nicole weist auf die Rechte im Mittelalter hin. «Wir werden umgebracht», bringt sie mit ihrer Hand zum Ausdruck.
Christoph und Simon gehen mit dem Jäger in den Wald. Allerdings sehen sie nur Rehe und Gämsen – beide befinden sich in der Schonzeit.
So sieht die Toilette der Familie aus. Wegen der Juraschutzzone darf das Geschäft nicht in ein Erdloch gemacht werden.
Am Samstag gab es einen öffentlichen Mittelaltermarkt auf dem Schloss
Simon verkauft einen Korb mit Zwiebeln für sieben Schilling
Dietschis gehen am Freitag auf den Markt
Christoph bastelt, damit seine Hosen auch ohne Wams oben bleiben.
Den Nachmittag dürfen die Geissen in einem neuzeitlichen Gehege verbringen, das haben die Zuschauer entschieden.
Die drei Geissen vereint: Auch Josephine taucht wieder auf.
Ladina und Katja auf dem Zwiebelfeld Am Freitag wollen sie auf dem Mittelaltermarkt auf der Burg Zwiebelzöpfe verkaufen
Dietschis posieren vor dem Bauernhaus für die Kamera
Christoph und Simon bringen am Abend zwei von drei Geissen nach Hause. Drei Leute von SRF begleiten sie.
«Leben vor 500 Jahren»: Die besten Bilder aus der SRF-Doku-Soap
Die Wachskerze passt nicht in eine Bauernfamilie des Mittelalters. Diese Kerzen waren damals zu teuer. Dietschis bekamen aber eine für mehr Licht.
Die störrische Ziege will nicht nach dem Willen von Ladina, der Jüngsten im Bunde.
Die Familie vereint beim Abendessen mit der ersten Mahlzeit im Bauernhaus.
Ein Geduldsspiel: Feuermachen mit Feuerstein und Heu
Mutter Nicole schnürt Ladina die Lederschlappen.
Gemeinsam machen sich die Familienmitlieder auf den Marsch vom Zuhause in Kestenholz zum Bauernhaus im Schatten von Neu-Bechburg.
Familie Dietschi in stilechten Mittelalter-Kluft, welche sie gleich zu Beginn überstreifen durften.

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.

Screenshot SRF

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