Schloss Neu-Bechburg

Bei der Herstellung zusehen: An diesem Markt gab es Handgemachtes aus dem Mittelalter

Geflochtene Körbe, eingefärbte Wolle, von Hand geformte Hufeisen, Lederschuhe und vieles mehr wurden am Samstag am Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg an den Ständen präsentiert.

Die Luft ist erfüllt mit dem Geruch von frischem Brot und dem schweissigen Gestank von erhitztem Metall. Hühner gackern in hölzernen Käfigen, dumpfes Hämmern, Menschengeschwätz und mittelalterliche Gesänge tönen über den Platz. Schausteller in altertümlichen Gewändern preisen ihre Ware an, Kinder rennen fasziniert von Stand zu Stand und Eltern versuchen verzweifelt, den Überblick zu behalten. Es ist ein Bild wie aus dem Mittelalter. So, wie man es auf einem Markt vor 500 Jahren gehabt hätte.

Am Samstag fand im Rahmen des SRF-Programmes «Leben wie vor 500 Jahren» ein Mittelaltermarkt auf dem Schloss Neu-Bechburg in Oensingen statt. An ihren Ständen präsentierten die Handwerker geflochtene Körbe, eingefärbte Wolle, Hufeisen, Lederschuhe, Lebensmittel und vieles mehr.

Jeder kann mitmachen

Wie auf einem echten Markt kann man die hergestellte Ware kaufen. Jedoch bietet der Publikumsevent noch mehr: Die Zuschauer können bei der Produktion vor Ort auch selbst mithelfen. So kann man Mehl mahlen, Nägel schmieden oder Bienenwachs für Salben schmelzen. Die fertige Ware wird sogleich auch getestet. Mutige Knaben und starke Männer versuchen sich am Schiessen einer mittelalterlichen Armbrust. Dabei das Ziel zu treffen, erweist sich als schwieriges Unterfangen.

Mittelalter-Markt auf dem Schloss Neu-Bechburg

Eindrücke vom Mittelalter-Markt auf dem Schloss Neu-Bechburg

Auch kulinarisch bietet der Markt Verschiedenes. Eine Bäckerin knetet Dinkelmehl, Ruchmehl, Zwiebeln und Petersilie zu einem Teig und bäckt diesen über dem offenen Feuer. Das fertige Brot wandert noch warm auf den Teller und ist schnell restlos verputzt. «Es ist einfach toll, dass man so vieles selbst probieren darf», meinen zwei junge Besucherinnen begeistert.

Weinhändler Gerhard Ryf schenkt den Besuchern einen Einblick in die Fertigkeiten eines Weinbauers. Für die Weinproduktion wurde von der Haut, über die Kerne bis zu den Stielen alles verwendet. Daher gibt es teilweise Rückstände. Kaum erzählt, verzieht eine Besucherin ihr Gesicht und zieht sich einen Stielrest aus dem Mund. Ryf verweist lachend auf ein Schild, welches am Fass angebracht ist: «Unfiltriert, ohne Schwefel» steht in Grossbuchstaben. «Das kann’s geben», meint der Schenkenwirt, «aber deshalb mag ich den heutigen Wein auch lieber.»

Vor dem Stand des Schmieds bildet sich eine kleine Menschentraube. Zuvorderst stehen kleine Buben, ihre Augen glänzen vor Neugier. Mit russgeschwärzten Fingern und Schweissperlen auf der Stirn bearbeitet der Schmid ein Stück Metall. Immer wieder hält er es in die Kohlen und heizt diese mit dem Blasebalg ein. Das Hämmern ertönt in regelmässigem Rhythmus über die Marktstände. Auf dem Tisch neben ihm liegen bereits einige fertige Werke. Schwerter, Messer und Kleiderhaken; selbstverständlich alles selbst hergestellt. Ein neugieriger Besucher streckt die Hand aus und testet die Klinge. «Hui, die ist ja scharf», meint er anerkennend und zieht seine Finger schnell zurück.

Wissen an die Besucher vermitteln

Laut dringt hin und wieder eine Stimme über den Markt. «Kauft Strähle, es kommen lausige Zeiten», preist der Strählsager seine handgemachten Kämme an. Er erklärt, dass Holzkämme eher für die einfacheren Leute gemacht wurden. Der Adel hätte selbstverständlich Strähle aus Elfenbein gehabt. Überhaupt erklären die Markthändler den neugierigen Besuchern gern, was es mit ihrem Handwerk auf sich hat. So ist der Besuch auf dem Mittelaltermarkt nicht nur anschaulich, sondern auch informativ.

Geht man die Treppen zur Burg hoch, erinnert jedoch immer weniger an das Mittelalter. Der Verpflegungsstand im Lindengarten ist nämlich eher dem heutigen Zeitalter entsprechend. Auch die vielen Fernseher, die das Leben der Familie Dietschi — Sie wohnen während drei Wochen wie im Mittelalter — hinter der Burg live übertragen, zerstören das altertümliche Bild. Der Komfort und die Technik verraten: Ganz so mittelalterlich geht es wohl eben doch nicht.

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