Was als studentisches Projekt begann, entwickelte sich zu einer literaturwissenschaftlichen Freundschaft. Vor fünfzig Jahren traf Peter André Bloch den Dramatiker Friedrich Dürrenmatt zu einem ersten Interview, dem weitere folgten. Die Frucht dieser Gespräche ist ein Buch, das Peter André Bloch am Freitag im Gäuer Forum Schälismühle vorstellte. Umrahmt wurde Blochs Vortrag durch Gitarrenwerke von Michael Erni.

Peter André Bloch berichtete, untermalt von zahlreichen Anekdoten, über die Entstehung des Buches, das den Titel «Visionen und Experimente» trägt und 2017 erschienen ist. Ein halbes Jahrhundert zuvor, im Jahr 1967, übernahm der Germanist Bloch neben seiner Lehrertätigkeit an der Kantonsschule Olten eine Teilzeitstelle als Assistent an der Universität Basel. Zusammen mit den Studenten wollte er dort der Frage nachgehen, ob es die Schweizer Autoren in ihrem Schreiben beeinflusst, dass die Mundart nur eine Vergangenheitsform kennt. «Ich bin gegangen», sagen wir, hingegen «ich ging» gebrauchen wir im Schweizerdeutschen nicht. In diesem Forschungsvorhaben kontaktierten die Seminarteilnehmenden vierzig Schriftsteller, unter anderem auch Friedrich Dürrenmatt. Der knorrige Theatermann, obwohl ebenfalls in Basel tätig, fand aber nie Zeit. Erst, bedingt durch einen Kuraufenthalt im Engadin, war Dürrenmatt zu einem Interview bereit.

Taufrische Eigenkompositionen

Das Warten hatte sich gelohnt. In einem achtstündigen nächtlichen Gespräch legte der Gigant des modernen Theaters nicht nur seine Grammatik dar, sonder formulierte bereits eine Art literarisches Testament. Friedrich Dürrenmatt erläuterte seine Werke und Pläne, setzte dem Zuhörer aber auch die Gründe auseinander, warum er angefangene Theaterstücke nicht fertigstellte und warum er andere Stücke gar nicht erst zu schreiben begann. In weiteren Begegnungen kreiste Peter André Bloch das Schreiben von Friedrich Dürrenmatt weiter ein und publizierte nun die Essenz im erwähnten Buch. Wie Bloch in seinem Vortrag ebenfalls zeigte, war Dürrenmatt ein begabter Zeichner und Maler. Oft zeichnete er die Welt wie in seinen Theatern, als Tragikomödie, wo sich die Menschen nicht mehr eindeutig einordnen lassen und sich im Labyrinth verirren. Der Tod schliesslich, den Dürrenmatt als individuellen Weltuntergang verstand, kann höchstens durch die eigene Kreativität überwunden werden.

Um Wort und Musik in Einklang zu bringen, umrahmte der Oltner Gitarrist Michael Erni die Ausführungen von Peter André Bloch. In drei Blöcken spielte Erni taufrische Eigenkompositionen aus seinem Zyklus «Cuatro Poemas». Diese «Vier Gedichte» basieren nicht auf geschriebener Poesie, sondern sind musikalische Beschreibungen einer Situation oder Stimmung. So hört man beim Stück «Cuentos del rio – Flussgeschichten» im Gitarrenspiel von Michael Erni den Bach förmlich plätschern und den Fluss rauschen. Auch im Wiegenlied «Nana» und den andern Melodien wusste Erni die Leitmelodie mit Bassläufen, Tremolos und Arpeggios meisterlich zu einem Musikgenuss zu verbinden.