Neuerscheinung
Begegnung mit dem «Heugümper»-Zähler

Georg Artmanns Passion sind Heuschrecken. Der Biologie- und Chemielehrer der Kantonsschule Olten hat seit 1975 Feldstudien im ganzen Kanton Solothurn betrieben.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Rosmarie Artmann

Sei über dreissig Jahren erforscht der Biologe George Artmann die Flora und Fauna des Kantons Solothurn. In verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte er zahlreiche Beiträge zur Floristik, Faunistik und Ökologie, vorwiegend der Insekten. Hauptsächlich ging es ihm um die Inventarisierung der Fauna und Flora in seiner weiteren Wohnumgebung. Artmann lebt mit seiner Familie in Olten.

Nun legt er als Resultat seiner langjährigen Studien das Buch «Heuschrecken in der zentralen Nordwestschweiz gestern und heute» vor. Darin beschreibt der Autor detail- und kenntnisreich das Vorkommen und die Verbreitung der «Heugümper». Insgesamt sind es 54 Arten, die in den vergangenen 100 Jahren vom Autor, aber auch schon von anderen Forschern, beschrieben worden sind. Artmann hat nun speziell 30 Arten in zwei Zehnjahresperioden von 1992–2001 und von 2002–2011 miteinander verglichen.

Im Buch werden zudem von 24 verschollenen oder seltenen Arten, auf der Basis von historischen und aktuellen Daten des Schweizer Zentrums für Kartografie der Fauna SZKF in Neuenburg, Verbreitungskarten vorgestellt. Die 56-seitige, farbig illustrierte Publikation ist ein Versuch, die Veränderung der Heuschreckenfauna im Verlauf der letzten hundert Jahre in der Nordwestschweiz aufzuzeigen.

Auf 3000 Quadratkilometer

Das Untersuchungsgebiet hat der Autor wie folgt abgegrenzt: Südgrenze bei Burgdorf, Nordgrenze bei Liestal, Westgrenze bei Lyss, Ostgrenze bei Brugg. Die ganze Fläche beträgt 3000 Quadratkilometer. «Einen Drittel dieser Fläche, also 1000 Quadratkilometer, habe ich als mein engeres Beobachtungsfeld abgegrenzt», schreibt Artmann. Am intensivsten besuchte der Autor seit 1981 sind das Thal und Gäu, sowie Gösgen und das Niederamt. Seit 1992 erwähnt er 960 Beobachtungsorte. «Die gesamte Beobachtungsdauer seit 1980 beträgt schätzungsweise über 18 000 Stunden», schreibt der Biologe.

Ein Nachtigall Grashüpfer, der immer noch recht häufig vorkommt.

Ein Nachtigall Grashüpfer, der immer noch recht häufig vorkommt.

Thomas Lüthy

In der ganzen Schweiz sind gegenwärtig 108 Heuschreckenarten nachgewiesen, sechs sind ganz ausgestorben. In der zentralen Nordwestschweiz leben gemäss Autor seit 1980 noch 51 Arten. Verschollen sind die drei Arten: die Westliche Dornschrecke, die Ägyptische Heuschrecke und die Europäische Wanderheuschrecke. Artmann hat herausgefunden, dass die Population von vier Arten stark zugenommen haben: die Gemeine Sichelschrecke, die Punktierte Zartschrecke, die Gemeine Eichenschrecke und die Lauchschrecke. Hingegen haben vier Arten stark abgenommen: die Grosse Goldschrecke, der Buntbäuchige Grashüpfer und der Wiesengrashüpfer.

Der Fachmann teilt die Heuschreckenarten in die Kategorien Langfühlerschrecken oder Kurzfühlerschrecken. Als Ergebnis beschreibt er, dass bei den Langfühlerschrecken drei Arten mässig zugenommen haben, hingegen fünf Populationen mässig abgenommen haben. Eine ausgewogene Bilanz also, resümiert er. Bei den Kurzfühlerschrecken habe nur eine Art stark zugenommen, dagegen vier stark abgenommen.

Artmann ist über dieses Ergebnis einigermassen erstaunt; er hätte eine positivere Bilanz gerade im Kanton Solothurn erwartet, schreibt er. Denn immerhin gebe es hier seit 1992 das Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft. Eine Erkenntnis aus diesen Untersuchungen ist klar: Die Natur lässt sich nicht ins Handwerk pfuschen, auch dann nicht, wenn man es gut meint. Denn interessanterweise hat der Biologie die Feldgrille oder die Gemeine Sichelschrecke in «trivialen Habitaten und ausgeräumten Kulturland» gefunden, in Lebensräumen also, wo man sie nicht erwartet hätte.

Am kommenden Sonntag, 10. September findet um 13.30 Uhr bei der Beringungsstation Subigerberg, oberhalb Gänsbrunnen eine Heuschreckenexkursion mit Georg Artmann statt. Anschliessend gibt es die Buchvernissage.