Bauvorhaben in Oensingen
Ausbau der Abwasserreinigungsanlage Falkenstein genehmigt – Kostenpunkt: 34 Millionen Franken

Weil die Abwasserreinigungsanlage Falkenstein zum letzten Mal vor 25 Jahren einen Ausbau erfahren hat, ist Handlungsbedarf angesagt. Die sechs wichtigsten Fragen zum Bauvorhaben.

Rudolf Schnyder
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Der letzte Ausbau der Abwasserreinigungsanlage in Oensingen ist 25 Jahre her.

Der letzte Ausbau der Abwasserreinigungsanlage in Oensingen ist 25 Jahre her.

HR. Aeschbacher

Was leistet die Abwasserreinigungsanlage Falkenstein?

Die Abwasserreinigungsanlage Falkenstein in Oensingen ist seit 1976 in Betrieb. Sie reinigt die Abwässer der acht Verbandsgemeinden aus dem Thal sowie von Langenbruck und Oensingen. Zusätzlich werden die Abwasser von zwei Grosseinleitern, der Bell in Oensingen und der Swiss Quality Papers in Balsthal, behandelt. Das gereinigte Abwasser wird in die Dünnern eingeleitet.

Wieso ist der Ausbau nötig?

«Nach über 25 Jahren seit den letzten Ausbaumassnahmen muss die ARA Falkenstein infolge fehlender Kapazitäten, aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur Erstellung einer Zusatzstufe zur Elimination von Spurenstoffen ausgebaut werden», sagte Alex Benz. Er ist Ingenieur der Firma Hunziker Betatech und stellte das Projekt an der Delegiertenversammlung in der Aula Brühl in Mümliswil-Ramiswil vor. Bei der Präsentation waren 27 stimmberechtigte Delegierte aus den zehn Verbandsgemeinden anwesend.

Was umfasst der Ausbau genau?

Das Bauprojekt umfasst eine neue, moderne und nachhaltige Abwasserreinigungsanlage auf der heutigen Parzelle in Oensingen. Das heisst konkret: 520 Liter pro Sekunde werden gereinigt. Das entspricht dem Abwasser von 66'500 Einwohnern.

Alex Benz führte weiter aus:

«In einem umfangreichen Systemvergleich für die biologische Stufe, als eigentliches Herzstück der ARA, wurde Membrantechnologie als das nachhaltigste Verfahren bestimmt. »
Alex Benz, Ingenieur Hunziker Betatech.

Alex Benz, Ingenieur Hunziker Betatech.

Hanspeter Schläfli

Dadurch könne ein erheblicher Mehrwert für den Gewässerschutz geschaffen werden. Das Bauprojekt beinhaltet eine weitest gehende Entfernung von Schmutzstoffen, Mikroverunreinigungen, Viren, Medikamenten und Mikroplastik sowie eine Witterungsschutzhalle aus Schweizer Holz. Dies durch ein Reinigungsverfahren, das mit Membranfiltration mit Pulveraktivkohle arbeitet. Hinzu kommen umfassende Werterhaltungsmassnahmen mit der Erneuerung der mechanischen Reinigung mit Rechen- und Sandfanganlage sowie eine effiziente Rücklaufbehandlungsanlage zur weitergehenden Stickstoffelimination zum Schutz der Dünnern und des Grundwassers. Zum Eigengebrauch wird auf den Dächern der Wetterschutzhalle ökologischer Strom durch Fotovoltaikanlagen produziert.

Für die Gemeinde Niederbipp konnte neu und in Zusammenarbeit mit der neuen Firma Tela, dem Zweckverband ARA Falkenstein und den kantonalen Ämtern eine Lösung gefunden werden: Ein Teilstrom des Niederbipper Abwassers wird zur Deckung des Nährstoff- und Kühlbedarfs wie bisher zur Kartonfabrik Tela in Niederbipp geleitet, der restliche Anteil wird neu zur ARA Falkenstein gepumpt. Die Delegierten des Zweckverbands stimmten dem Anschluss von Niederbipp an die ARA Falkenstein zu.

Wie viel kostet der Ausbau?

Die Bruttokosten für das gesamte Ausbauprojekt der ARA Falkenstein belaufen sich auf 34,82 Millionen Franken. Abzüglich der Vorleistungen aus der Planung, die von 2019 bis 2021 lief, von 1,52 Millionen Franken, dem Abgeltungsbeitrag des Kantons Solothurn von 3,421 Millionen Franken und dem Abgeltungsbeitrag vom Bund von 9,86 Millionen Franken resultiert eine Nettoinvestition von 14,718 Millionen Franken für die elf Gemeinden. Und eine Nettoinvestition von 17,998 Millionen Franken für die Grosseinleiter Bell und Swiss Quality Paper.

Die Abwasserreinigungsanlage in Oensingen.

Die Abwasserreinigungsanlage in Oensingen.

Bruno Kissling

Ist der Ausbau schon definitiv?

Jein. Die Delegierten des Zweckverbands stimmten dem Ausbauprojekt einstimmig zu. Die Kostenbeiträge müssen von den einzelnen Gemeinden bezahlt und vorher an den Gemeindeversammlungen im Juni 2022 genehmigt werden. In Oensingen (Kostenbeitrag von 4,57 Millionen Franken), Balsthal (Kostenbeitrag von 3,73 Millionen Franken) und in Niederbipp (Kostenbeitrag von 4,176 Millionen Franken) kommt es zudem am 15. Mai zu Urnenabstimmungen.

Wann fahren die Bagger auf?

Bei positiven Bescheiden ist der Baustart für das Jahr 2023 geplant und eine Inbetriebnahme der neuen Anlage ist für das Jahr 2026 vorgesehen.

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