Neuendorf
Bauruine verschwindet nach rund fünf Jahren endlich aus dem Dorfbild

Jahrelang verunstaltete in Neuendorf ein unfertiges Gebäude das Dorf, nun fahren die Bagger zur Fertigstellung auf.

Sarah Kunz
Drucken
Teilen
Endlich geht es weiter: Der Kran wird vor den Überresten aufgebaut.

Endlich geht es weiter: Der Kran wird vor den Überresten aufgebaut.

Bruno Kissling

Jahrelang verunstaltete ein unfertiges Familienhaus an der Fulenbacherstrasse die Gemeinde Neuendorf. Damit ist nun endlich Schluss: Die Werkleitungen sind bereits verlegt, im neuen Jahr folgt der Aufbau der Fassade. Dies nachdem der Bau am Gebäude bereits im Jahr 2011 begann, dann aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten der Holzelemente aus Bosnien ein Jahr später eingestellt werden musste. Weil der Generalbauer aus dem Kanton Bern Konkurs daraufhin anmelden musste, wurde die Bauruine zu einem Fall für das Konkursamt Bern-Mittelland.

Während zweier Jahre verrottete der ungeschützte Rohbau, bevor im Jahr 2014 der Rückbau erfolgte. Einzig der Liftschacht und die Treppen aus Beton blieben erhalten. In diesem Zustand stand das Skelett weitere drei Jahre lang in Neuendorf, sehr zu Unmut der Bevölkerung. Diesen Schandfleck, wie das Gebäude des Öfteren betitelt wurde, plant Architekt Roberto Corbacio von der Archicard AG nun in ein schönes Mehrfamilienhaus zu verwandeln.

Auf alten Plänen aufgebaut

«Das Gebäude wird nach den bestehenden Plänen fertig gebaut», erzählt Corbacio. Nur die Fertigelemente sind im neuen Gestaltungsplan nicht mehr vorhanden, sondern werden durch Betonelemente ersetzt. Ansonsten wichen die Pläne kaum von der ursprünglichen Idee ab, weshalb ein neues Baugesuch nicht mehr nötig gewesen sei. Einzig die Baubewilligung musste wegen der Gebäudeversicherung an die neuen Vorschriften angepasst werden.

Gut zu erkennen in der Visualisierung des Mehrfamilienhauses sind der Liftschacht und das Treppenhaus, welche als Skelett jahrelang zu Unmut führten.

Gut zu erkennen in der Visualisierung des Mehrfamilienhauses sind der Liftschacht und das Treppenhaus, welche als Skelett jahrelang zu Unmut führten.

Zur Verfügung gestellt

Vor rund einem Monat informierte der Architekt die Bevölkerung während eines umfassenden Informationsabends. Kurz darauf fuhren dann nach jahrelangem Warten die Bagger auf, um das Bauwerk zu vollenden. «Wir arbeiten eng mit Unternehmen aus der Region zusammen», erzählt Corbacio weiter. So erfolgt der Küchenbau beispielsweise durch die Hans Eisenring AG mit Sitz in Oensingen. «Uns ist es jetzt wichtig, zu zeigen, dass auch ein Gebäude mit so einer unvorteilhaften Vorgeschichte ein schönes Ende nehmen kann», sagt der Architekt stolz und fügt sogleich an: «Der Ausdruck ‹Bauruine› soll nicht mehr im Zusammenhang mit diesem Gebäude verwendet werden.»

Eigentums-, statt Mietwohnungen

Eine weitere Änderung am ursprünglichen Projekt ist zudem, dass es im Familienhaus nun Eigentums-, statt Mietwohnungen gibt. «Bereits die Hälfte der geplanten Wohnungen sind reserviert», sagt Corbacio zufrieden. Dies zeige, dass die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in Neuendorf gross sei. Das bestätigt auch der örtliche Bauverwalter Stefan Zumthor: «Wir haben kaum Eigentumswohnungen hier, da ist das Bedürfnis natürlich gross.»

Bei der Veröffentlichung der Leerwohnungsstatistik im Juni wies Neuendorf noch 54 leere Wohnungen auf. «Den genauen Stand jetzt kann ich nicht angeben, aber das hat sicher um die Hälfte abgenommen», vermutet Zumthor. Dies, weil Neuendorf im letzten halben Jahr von einem grossen Bevölkerungszuwachs profitierte. Von diesen leeren Wohnungen seien jedoch die meisten Mietwohnungen.

Im neuen Familienhaus wird es jeweils 31⁄2-Zimmer-Wohnungen und 41⁄2-Zimmer-Wohnungen sowie jeweils zwei 41⁄2-Maisonette-Wohnungen und 51⁄2-Maisonette-Wohnungen geben. Die Kaufpreise variieren zwischen 470 000 und 670 000 Franken. Beziehbar sind die Wohnungen voraussichtlich ab Herbst 2018. Auch auf der Gemeinde ist man froh über den Verlauf des Projekts: «Das sind alles sehr erfreuliche Nachrichten», sagt der Bauverwalter. «Diesem Projekt wurden jetzt genügend Steine in den Weg gelegt. Es ist an der Zeit, dass die Steine endlich aufeinandergelegt werden.»

Aktuelle Nachrichten