Gäu
Bauern bekämpfen «überrissenes Projekt»

Nach dem Solothurner Bauerverband spricht sich auch der Landwirtschaftliche Verein Gäu-Untergäu gegen den vom Kanton geplanten Hochwasserschutz an der Dünnern im Gäu aus.

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Bei einem Hochwasser sollen grössere Wassermengen aus der Dünnern in das links sichtbare Kulturland zwischen Oensingen und Oberbuchsiten geleitet werden.

Bei einem Hochwasser sollen grössere Wassermengen aus der Dünnern in das links sichtbare Kulturland zwischen Oensingen und Oberbuchsiten geleitet werden.

Bruno Kissling

Der Solothurnische Bauernverband kritisierte letzte Woche die Pläne des Kantons für den Hochwasserschutz der Dünnern zwischen Oensingen und Oberbuchsiten. Moniert wurde insbesondere der hohe Verbrauch an Kulturland, welches durch den Bau der vorgesehenen Dämme verloren gehen würde. Diese wären nötig, um den Siedlungsraum im erwähnten Gebiet vor dem Wasser zu schützen, welches bei einem Jahrhunderthochwasser unter der Autobahn mittels Dücker ins Kulturland abgeleitet würde.

Die Gäuer Bauern reagieren als direkt Betroffene empört auf die jüngsten Pläne des Kantons. Auf Unverständnis stösst, dass in den kommenden Jahren mit zahlreichen vom Kanton initiierten oder mitgetragen Projekten Kulturland im grossen Ausmass verloren gehen soll. «So nicht mit uns», stellt der Landwirtschaftliche Verein Gäu-Untergäu in einer Medienmittelung klar und kündigt seinen Widerstand an.

Kulturland besser schützen

An der diesjährigen Generalversammlung des Vereins stand denn auch die Orientierung über die landwirtschaftliche Planung im Zusammenhang mit dem Ausbau der Autobahn A1, dem Hochwasserschutzprojekt Dünnern und dem Nitratprojekt im Zentrum.

Die Gäuer Bauern wollen sich im Rahmen der laufenden Vernehmlassung zum Hochwasserschutzprojekt Dünnern vehement gegen das aus ihrer Sicht überrissene Projekt des Kantons mit einem enormen Verbrauch von Kulturland wehren. Kritisiert wird auch, dass im Zusammenhang mit sämtlichen Infrastrukturprojekten immer wieder für ökologische Ersatzmassnahmen neues Land der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen wird.

Verschiedene Votanten sprachen sich dafür aus, dass Kulturland ähnlich zu schützen sei, wie dies heute beim Wald der Fall sei. Reklamiert wurde ferner die sehr grosszügige Ausscheidung von regionalen Arbeitsplatzzonen durch den Kanton. Auch damit werde der Landwirtschaft in erheblichem Ausmass wertvolles Kulturland entzogen.

Verfehlte Informationspolitik

Vehement kritisiert wurde vor allem die dürftige Informationspolitik des kantonalen Amts für Umwelt. Sowohl beim Nitratprojekt wie auch beim jetzt aufliegenden Hochwasserschutzprojekt Dünnern hätten die betroffenen Landwirte erst aus der Zeitung erfahren, was auf dem Kulturland im Gäu geplant sei, bemängelt der Landwirtschaftliche Verein Gäu-Untergäu.

Insbesondere beim Hochwasserschutzprojekt wurde kritisiert, dass der Kanton während des Vernehmlassungsverfahrens bereits die Varianten, die zur Diskussion stehen, in den Medien ausführlich darstellt. Die Bauern befürchten nun, dass die laufende Vernehmlassung zu einer Farce verkomme, so der Verein. Beim zuständigen Amt für Umwelt sei die Meinung offenbar bereits gemacht.

Die an der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Gäu-Untergäu anwesenden 70 Bäuerinnen und Bauern beschlossen, sich mit aller Kraft gegen den Verbrauch von Kulturland im Gäu wehren. (eva/mgt)