Oensingen
Bauen trotz Corona: Der Leiter von Bau Oensingen stellt sich Herausforderungen

Ein Gespräch mit Andreas Affolter, Leiter Bau Oensingen über seine vielfältige Arbeit. Diese ist mit der Umsetzung des Raumplanungsgesetzes nicht einfacher geworden.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Andreas Affolter, Leiter Bau arbeitet seit 11 Jahren in Oensingen.

Andreas Affolter, Leiter Bau arbeitet seit 11 Jahren in Oensingen.

Solothurner Zeitung

«Trotz Corona-Lage wird gebaut, jedenfalls bei uns in Oensingen», sagt Andreas Affolter, Leiter Bau in Oensingen. Der 47jährige, gebürtige Selzacher arbeitet seit 2009 im Bereich Bau in Oensingen; zunächst als Sachbearbeiter Tiefbau, danach als Bereichsleiter Tiefbau und ab 2012 als Leiter Bau. Affolter kann sich über Langeweile nicht beklagen, ganz im Gegenteil: «Es erreichen uns ständig Anfragen. Sei dies von Gewerbebetrieben oder auch von Privaten, die in Oensingen bauen wollen.» Der Spruch aus den 1990er Jahren, «Oensingen ist im Jahr 2012 fertiggebaut», stimmt also auf keinen Fall. Trotz des grossen Wachstums der Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren liege der Leerwohnungsbestand in der Gäuer Gemeinde unter dem kantonalen Durchschnitt, wirft Gemeindepräsident Fabian Gloor im Gespräch ein, der ebenfalls anwesend ist.

Nach der Einführung des Raumplanungsgesetzes im Jahr 2013 hat ein Paradigmawechsel stattgefunden, der auch in Oensingen sichtbar ist. Verdichtet Bauen, Leerflächen im Ortsinnern bebauen, heisst die Devise. «Es kommt vor, dass Ältere Einfamilienhausbesitzer ihre Häuser abgeben und in eine Eigentums- oder Mietwohnung im Dorfkern wechseln. In Oensingen haben wir das entsprechende Liegenschafts-Angebot», so Affolter. Er spricht damit insbesondere die Neuerschliessung des Leuenfeldes durch die Schmid Immobilien an. «Eine Erfolgsgeschichte für Oensingen, auch wenn das Dorf mit dem Zuwachs von 400 bis 500 Einwohnern jährlich in Spitzenzeiten in der Vergangenheit grosse Herausforderungen zu meistern hatte.»

«Das betrifft nicht nur die bauliche Infrastruktur, sondern auch das soziale Zusammenleben in der Gemeinde. Wir müssen uns bemühen als Gesellschaft von Oensingen noch stärker Identität zu schaffen», ergänzt Gemeindepräsident Fabian Gloor. Affolter erinnert sich: «Als ich im Jahr 2009 nach Oensingen kam, war eine grundlegende Planungsphase abgeschlossen. Es ging nun um die Umsetzung. Die Überbauung Mühlefeld war fertig gestellt, im Leuenfeld war man mitten im Bau. Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Überbauung Leuenfeld in diesem raschen Tempo voranschreiten wird», gibt Affolter zu bedenken. «Doch das Immobilienangebot kam genau zur richtigen Zeit. Erschwinglicher Wohnraum für alle Generationen an einem gut erreichbaren Ort.» Oensingen verfüge nun mal über diese gute Ausgangslage: Es liegt im Grünen, ist aber mit Öffentlichen- und Individual-Verkehr sehr gut erreichbar.

Gestaltungspläne schaffen Klarheit

Die Arbeit als Leiter Bau sei mit der Umsetzung des Raumplanungsgesetzes nicht einfacher geworden, meint Affolter. «Es ist schwierig für die Planer, die Behörden und die Bauherren, alles im Auge zu behalten und auf die verschiedensten Reglemente Rücksicht zu nehmen.» Da werden dann schon im Voraus mit der Bau- und Planungskommission erste Ziele und Vorgaben besprochen und versucht, für die Beteiligten früh Leitplanken aufzustellen. «Das Instrument des Gestaltungsplanes ist für uns von grosser Bedeutung. Dem übergeordnet ist der Entwicklungsplan, wie wir ihn beispielsweise für Oensingen West erarbeitet haben. Darin sind viele Details festgehalten, das könne bis zur Aussengestaltung von Fassaden gehen», so Affolter. Die ganzen Planungs- und Bauverfahren seien in den vergangenen 20 Jahren schon viel komplizierter und komplexer geworden», blickt Affolter zurück. «Früher gab es lediglich ein paar Sonderbauvorschriften, die eingehalten werden mussten.»

Grosse Bauvorhaben stehen weiter an

Von raumplanerisch grosser Bedeutung für Oensingen sind die beiden grossen Bell-Projekte, Bell Holinden und Bell Dünnernstrasse, deren Gestaltungspläne demnächst aufliegen. «Dann beschäftigt uns natürlich auch der Ausbau der 6-Spur-Autobahn», so Affolter. Kürzlich abgeschlossen wurde der Ausbau des Mittelperrons am Bahnhof Oensingen. «Für den öffentlichen Verkehr setzen wir uns bei Kanton und Bund sehr stark ein. Man darf nicht vergessen, dass in Oensingen täglich 6000 Umsteigebewegungen stattfinden.»

«In der Zukunft wird die geplante Entlastungsstrasse wohl das grösste Bauvorhaben sein, welches mich beschäftigt», so Affolter. Derzeit sei eine Arbeitsgruppe daran, zu besprechen, wie diese Strasse werden soll. «Wir sind gut unterwegs», sagt Gloor. «Es ist eine Jahrhundertchance für Oensingen. Damit bietet sich die Gelegenheit, Qualität, weniger Lärm und mehr Sicherheit auf der Lebensader des Dorfes zu verwirklichen.»

Von Biodiversität bis Baugesuch

Zum Beschäftigungsfeld von Andreas Affolter gehört auch die Ver- und Entsorgung in der Gemeinde. Und: «In Oensingen beschäftigen wir uns schon länger mit der extensiven Bewirtschaftung von Grünflächen. Biodiversität ist uns wichtig.» Und auch der geplante Ausbau der ARA Falkenstein wird den Ort als Standortgemeinde tangieren. Ein weiteres wichtiges Thema ist Affolter die Wasserqualität der Gemeinde. «Auch hier haben wir Probleme mit Nitrat und Chlorothalonil zu bewältigen. Ich hoffe sehr, dass in diesem Bereich der Kanton sich seiner Verantwortung stellen wird.» Im Bereich Wasser arbeite man schon seit Jahren mit den Nachbar-Gemeinden Niederbipp und Balsthal sehr gut zusammen, betont Affolter noch.

Als Leiter Bau hat er aber noch die ganz «normalen» baupolizeilichen Aufgaben zu erledigen. «Baugesuche kontrollieren und vielleicht auch mal nachträglich Baugesuche verlangen.» Dies geschehe aber mit Augenmass. Man verschicke nicht gleich Verfügungen, wenn etwas versäumt wurde», sagt er. Schliesslich sei die Bau- und Planungskommission für die Massnahmen zuständig.
«Wenn man ein solches Amt ausübt, muss man sich bewusst sein, dass man im ‹Schaufenster› steht», sagt Affolter zum Schluss. «Kritik nehme ich sportlich. Sie kann auch Ansporn sein, etwas das nächste Mal besser zu machen. Es ist mir bewusst, dass nicht jeder Entscheid jedem passt.» Im Grossen und ganzen werde er aber nicht persönlich angegriffen. «Wichtig ist, dass man sich selbst treu ist und dass in meinem Fall der Gemeinderat hinter getroffenen Entscheidungen steht. Das bedingt eine offene Kommunikation zwischen allen – auch mit der Verwaltung. Und das funktioniert bei uns sehr gut.»

In Oensingen gibt es für den Leiter Bau noch vieles zu tun, auch wenn die Arbeit heute finanziell anspruchsvoller ist, als noch vor rund zehn Jahren. «Ich mache den Job mit Herzblut und erlebe jeden Tag spannende Herausforderungen».