Amtsgericht Thal-Gäu
Bardame hat sich bei ihrem Ex-Chef nicht ausreichend um Arbeit bemüht

Ein Thaler Barbetreiber muss einer ehemaligen Angestellten, die zum Zeitpunkt der Kündigung schwanger war, Lohnnachzahlung leisten. Allerdings nicht in vollem Umfang. Dieses Urteil sprach Amtsgerichtspräsident Guido Walser im Schmelzihof in Balsthal.

Erwin von Arb
Merken
Drucken
Teilen
Der Fall wurde im Schmelzihof verhandelt.Maddalena Tomazzoli

Der Fall wurde im Schmelzihof verhandelt.Maddalena Tomazzoli

Maddalena Tomazzoli

Mit der Lohnforderung einer 38-jährigen Bardame beschäftigen musste sich bei einem zivilrechtlichen Fall am Montag Amtsgerichtspräsident Guido Walser. Die im Oberaargau wohnhafte Frau hatte in einem 40- bis 50-Prozent-Pensum in einer Bar im Thal als Aushilfe gearbeitet. Im Juli 2012 kündigte der Barbesitzer der Frau die Stelle per Ende August, worauf sich diese beim RAV arbeitslos meldete.

Danach passierte lange nichts. Bis 5. November 2012, als der Barbesitzer Post vom Arbeitsamt erhielt, welches reklamierte, die Kündigung der vormals bei ihm angestellten Bardame sei zu Unrecht erfolgt, weil diese zum Zeitpunkt der Kündigung schwanger gewesen sei. Deshalb müsse er bis zur Geburt des Kindes die Lohnzahlungen übernehmen.

Nach juristischen Abklärungen habe er Zahlungen geleistet, aber nicht in vollem Umfang, führte der Barbesitzer vor dem Amtsgericht Thal-Gäu aus. In Abzug gebracht habe er die ersten zwei Monate nach der Kündigung, weil sich seine ehemalige Angestellte während dieser Zeit nicht bei ihm gemeldet und ihre Arbeitskraft auch nicht angeboten habe. Auch über ihre Schwangerschaft habe sie ihn nicht in Kenntnis gesetzt. Als sie ihn dann angerufen habe, sei es lediglich um Lohn und Arbeitszeugnis gegangen.

Einen weiteren Abzug machte der Barbesitzer geltend wegen angeblicher Arbeitsverweigerung. Er habe der Frau ab November abgeboten, statt nachts im Fumoir der Bar zu arbeiten, täglich ein bis zwei Stunden die Bar inklusive des Bodens zu reinigen. Dieses Angebot habe die Rechtsschutzversicherung im Namen seiner ehemaligen Aushilfe wegen Unzumutbarkeit abgelehnt.

Ab 19. August herrschte Klarheit

Die klagende Bardame bestätigte, am 19. August von ihrem Arzt erfahren zu haben, dass sie schwanger sei. Im Gegensatz zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber behauptete die Frau, ihren Chef mehrfach bereits in den Monaten September und Oktober angerufen zu haben. Allerdings habe sie ihn nie erreicht und abends, wenn die Bar offen gehabt habe, sei sie schlafend im Bett gelegen. Als es dann im Oktober endlich doch noch geklappt habe, sei ihre Stelle nach Auskunft ihres Ex-Chefs bereits neu besetzt gewesen.

Der Anwalt der ehemaligen Bardame, welche ihr Kind übrigens Ende März dieses Jahres zur Welt gebracht hatte, forderte im Namen seiner Mandantin eine Nachzahlung von 5548 Franken. Dieser Betrag sei ihr vom Barbesitzer zu Unrecht abgezogen worden. Zudem habe seine Klientin die ersatzweise angebotene Arbeit zurecht verweigert, weil sie auch die WC-Anlage hätte reinigen müssen. Letzteres wurde vom Barbetreiber bestritten. Es sei lediglich um allgemeine Reinigungsarbeiten gegangen.

Weg, nicht Arbeit war unzumutbar

Das Gericht kam nach eingehender Beratung zum Schluss, die ehemalige Bardame habe nicht glaubwürdig darlegen können, dass sie sich in den Monaten September und Oktober beim Barbesitzer wirklich als Arbeitskraft angeboten habe. Als nicht zumutbar beurteilte das Gericht hingegen das Angebot ihres ehemaligen Arbeitgebers bezüglich der Reinigung der Bar. Dabei sei nicht die Arbeit als solche ausschlaggebend gewesen, sondern der weite Arbeitsweg, den die Frau für eineinhalb Stunden Arbeit hätte zurücklegen müssen, befand das Gericht.

Unter Berücksichtigung dieser Sachlage sprach Amtsgerichtspräsident Guido Walser der Frau statt der geforderten 5548 Franken lediglich die Summe von 2296 Franken zu. Das sind rund 50 Franken mehr, als der Amtsgerichtspräsident eingangs der Verhandlung als Vergleichsvorschlag eingebracht hatte, worauf aber keine der beiden Seiten eingegangen war. Nicht zuletzt deshalb wurden wohl die Kosten des Verfahrens wettgeschlagen.