Treuer Reisende
Balsthaler weiss, wie schlimm es für Ägypten ist, wenn Touristen ausbleiben

Der ehemalige Balsthaler Bademeister Erich Altermatt reist seit 1984 regelmässig nach Ägypten und hat miterlebt, wie sich das Leben der Leute immer mehr verschlechterte. Er sagt: «Heute weinen viele einfach nur noch.»

Fränzi Rütti-Saner
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Das hat man kommen sehen», sagt Erich Altermatt, ehemaliger Badmeister von Balsthal, über die jüngsten Ereignisse in Ägypten. Seit 1984 reist er regelmässig ins Land der Pharaonen in die Ferien, in der Regel im Herbst, wenn die Hitze nicht mehr so unerbittlich ist. «Ich war schon im ganzen Land unterwegs», sagt er, und immer wieder begeistern ihn das Land, die Leute, die alte Kultur und natürlich das immer schöne Wetter.

Meist sei er mit einem engagierten Taxifahrer unterwegs, der ihn an seine Ziele bringt. «So lernt man das Land von innen kennen, nicht als Pauschaltourist.» Dass sich die Bevölkerung gegen Mursis Präsidentschaft aufgelehnt hat, war für ihn keine Überraschung. Wären die Proteste in eines der Massentouristenzentren übergeschwappt, hätte ihn das ebenfalls nicht überrascht. «So wie sich gewisse Touristen aufführen, müsste man darüber nicht erstaunt sein», sagt er dezidiert. Dass aber noch nichts dergleichen passiert ist, zeige, wie wichtig den Ägyptern der Tourismus für ihr Land ist.

Oft über Mursi geflucht

In den letzten Jahren hat Altermatt meist in einem Mittelklassehotel in Luxor gewohnt. «Als ich im letzten Herbst dort war und mich ‹mein› Taxifahrer Ali abholen kam, weinte er. Es war augenfällig, dass es den Leuten sehr schlecht ging. Ali hat zum zweiten Mal geheiratet und sich verschuldet, weil er mit einem Hausbau angefangen hat. Aber wegen des abnehmenden Tourismus hat er jetzt nur noch wenig Einkommen», erzählt Altermatt.

Im Hotel arbeitete damals noch etwa die Hälfte des früher vorhandenen Personals, und gar der Hoteldirektor habe auf einen Teil seines Lohns verzichtet, weiss er. Unter Mubarak seien die Versorgungsprobleme nie so gravierend gewesen wie jetzt unter Mursi, sagten ihm die Leute. Es gab oft zu wenig und wenn, teure Lebensmittel und vielfach kein Benzin. Und das in einem Land, das eine wichtige Rolle als Öltransitland spielt und in welchem dreimal pro Jahr eine Ernte eingebracht werden kann.

«Da wurde offen über Mursi geflucht.» Doch die Lebenseinstellung der Ägypter «morgen ist es besser, Insha’Allah», habe viel Frust abgedämpft. Derzeit funktioniere vieles im Land nur noch über Nachbarschaftshilfe oder den Tauschhandel, sagt Altermatt.

Zunehmende Islamisierung

Ihm macht die zunehmende Islamisierung grosse Sorge: «Früher hat man in Kairo nur wenige völlig verschleierte Frauen gesehen. Heute ist das anders. Besonders schlimm sind meiner Ansicht nach die Hassprediger, welche die Leute beim Freitagsgebet aufwiegeln.» Das mache die Leute völlig konfus, und deshalb sei wohl die Sehnsucht nach einem starken Präsidenten, der es allen recht machen soll, auch so gross.

Altermatt selbst hat sich in all den Jahren im Land immer sicher gefühlt, er sei noch nie in eine bedrohliche Situation geraten. «Man muss eben wissen, wie man sich zu verhalten hat. Dass man nicht in den besten Kleidern und mit der teuersten Uhr unterwegs sein soll, versteht sich von selbst.»

Im Moment sei es als Tourist nicht besonders angenehm, im Tal der Könige, beim Karnak-, Luxor- oder Hatschepsut-Tempel unterwegs zu sein. «Während früher auf einen Händler zehn Touristen kamen, sind es heute zehn Händler auf einen Touristen.»

Die Strassenhändler kämpfen ums nackte Überleben. Altermatt meint, dass er selbst derzeit nicht nach Kairo, Alexandria oder Suez reisen würde. Auch die Sinairegion würde er momentan nicht bereisen. Ebenfalls würde er nicht in einer grossen Gruppe unterwegs sein wollen. Eher in kleinen Gruppen, im Taxi oder Kleinbus. Auf jeden Fall hat er geplant, kommenden Herbst wieder nach Ägypten zu reisen.