Balsthal
Warum diese Violistin auch nach jahrelanger Erfahrung vor Konzerten immer noch nervös ist

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr kann die in Balsthal aufgewachsene Violinistin Bettina Sartorius wieder Konzerte spielen. Im Interview spricht sie über Livestreams und wie sie sich auf ihre Auftritte vorbereitet.

Rahel Bühler
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Bettina Sartorius, Geigerin bei den Berliner Philharmonikern, tritt zusammen mit Pianist Hendrik Heilmann im Konzertsaal auf.

Bettina Sartorius, Geigerin bei den Berliner Philharmonikern, tritt zusammen mit Pianist Hendrik Heilmann im Konzertsaal auf.

Hanspeter Bärtschi

Bettina Sartorius, wann haben Sie das letzte Mal ein Konzert gespielt?

Die Berliner Philharmoniker, zu denen ich gehöre, haben auch im vergangenen Jahr Konzerte gespielt. Allerdings eben ohne Publikum: Wir haben einmal pro Woche einen Livestream in der Digital Concert Hall gemacht und machen es weiterhin. Leider ist ja in Deutschland immer noch kein Publikum erlaubt. Interessierte können sich Tickets im Internet kaufen. Die deutsche Regierung hat uns die Erlaubnis für diese Livestreams gegeben. Aber wir müssen jeden zweiten Tag zum PCR-Test. Die Konzerte sind schon sehr speziell. Man muss sich im Geiste vorstellen, wie uns viele Leute aus der ganzen Welt zuschauen. Am Anfang fand ich das schwierig. Aber ich war immer dankbar, konnten wir überhaupt spielen.

Wann haben Sie das letzte Mal ein Konzert vor Live-Publikum gespielt?

Im Oktober 2020. Damals spielten wir noch vor 1000 Leuten. Jetzt spielten wir mehr als ein halbes Jahr in einem leeren Saal. Das ist natürlich nicht das Gleiche. Mit Publikum lebt ein Konzert viel mehr als ohne. Es entsteht ein Dialog, man wird inspiriert und beglückt durch die Menschen.

Dann sind also die drei Konzerte am Wochenende die ersten Konzerte seither vor Publikum?

Ja, genau. Ich freue mich und bin sehr gespannt. Es wird ein besonderes Erlebnis werden, wieder vor Publikum zu spielen. Ich bin auch etwas nervös. Aber das bin ich sowieso vor jedem Auftritt. Ich finde das gehört irgendwie dazu, wenn man den hohen Anforderungen, die man sich selber immer wieder stellt, gerecht werden möchte.

Wie bereiten sie sich auf die Konzerte am Wochenende vor?

Bettina Sartorius ist in Balsthal aufgewachsen.

Bettina Sartorius ist in Balsthal aufgewachsen.

zvg

Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich vor Publikum oder leeren Rängen spiele. Die Hingabe ist immer da. Die Sonaten von Beethoven übe ich über einen langen Zeitraum immer wieder. Sie brauchen Zeit, um reif zu werden. Am Sonntag werde ich die ersten drei spielen. Ursprünglich wollten wir alle seine Sonaten ja bereits 2020 spielen, zu seinem 250. Geburtstag. Nun haben wir sie auf dieses Jahr verschoben. Vor einem Konzert gehe ich oft die Musik und die Abläufe im Geiste durch. Alles kann man aber nicht planen. Der Moment des Konzertes ist oft einzigartig, geprägt von Glück und Freude. Am Wochenende werden wir zudem drei Konzerte spielen. Am Samstag wird es noch ein Zusatzkonzert geben. Alle werden etwa eine Stunde dauern.

Hinweis: Bettina Sartorius (Violine) und Hendrik Heilmann (Klavier), Violinsonaten von Beethoven, Konzertsaal, Solothurn. Samstag, 22.5, 19 Uhr (Zusatzkonzert), Sonntag, 23.5., 17 und 19.30 Uhr (beide ausverkauft). Anmeldung unter fragart.ch. Zugelassen sind jeweils 50 Personen.

Zur Person

Die Violinistin Bettina Sartorius ist verheiratet mit Hendrick Heilmann und hat zwei Kinder. Sie ist in Balsthal aufgewachsen und wohnt seit 24 Jahren in Berlin.