Die schweren Gewitter der letzten Wochen rufen es wieder in Erinnerung: Die Natur ist unberechenbar und oftmals stärker als der Mensch es wahrhaben möchte. In Gefahrenkarten halten die Gemeinden und Kantone deshalb fest, welche Gebiete besonders durch verschiedene Naturgefahren gefährdet sind.

Ein Blick auf die Gefahrenkarte des Kantons Solothurn zeigt: Es gibt nur sehr wenige Gebiete im Kanton, die als erheblich gefährdet eingestuft werden. Zum grössten Teil liegen sie an den Flussufern und sind nicht besiedelt.

Die Gefahrenkarte mit dem Ausschnitt von Balsthal: Rot schraffiert die erheblich gefährdeten Gebiete.

Die Gefahrenkarte mit dem Ausschnitt von Balsthal: Rot schraffiert die erheblich gefährdeten Gebiete.

Einen Ausreisser gibt es aber. Auf dem Gemeindegebiet von Balsthal sind gleich mehrere Flächen rot schraffiert, und damit als gefährdet durch Steinschlag gekennzeichnet. Die Flächen liegen in der Klus und bei der Holzfluh in Richtung Mümliswil, teilweise stehen dort sogar Gebäude.

Karte zu pessimistisch

Aber wie gross ist die Gefahr auf dem Gemeindegebiet tatsächlich? In Balsthal herrscht darüber momentan Unsicherheit. «Die Gefahrenkarte wurde im Jahr 2009 erstellt», erklärt Gemeinderat Fabian Müller aus dem Ressort öffentliche Sicherheit, Umwelt und Energie. «Und es gibt Hinweise darauf, dass diese Karte teilweise zu pessimistisch war.»

Das bedeutet, dass das Risiko als zu hoch eingestuft wurde. Das ergaben neue Modellierungen, die in der Ost-Klus durchgeführt wurden. «Die Modellierungsmethoden der Geologen haben sich seit der Erstellung der letzten Karte verbessert», erklärt Müller.

«Gefahren können jetzt besser eingeschätzt werden. Momentan wird jetzt besprochen, wie wir in der Ost-Klus vorgehen wollen». Spätestens im November soll das bekannt sein. «Dann können wir konkret bestimmen, welche Schutzmassnahmen wir ergreifen wollen».

Zusammenarbeit mit Kanton

Momentan steht die Ost-Klus im Fokus in Balsthal, andere Gebiete wurden noch nicht erneut ausgemessen. «Man darf jetzt nicht den Schluss ziehen, dass alle Zonen zu pessimistisch beurteilt wurden», warnt Müller. Für die Planung von Schutzmassnahmen arbeitet Balsthal mit dem Kanton zusammen. Mit der Unterstützung des Kantons hat die Gemeinde bereits eine Prioritätenliste erarbeitet.

Diese Liste legt fest, wo auf dem Gemeindegebiet welche Sicherheitsmassnahmen notwendig sind und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden sollen. Massnahmen sind zum Beispiel Sicherheitsnetze oder Schutzwälle. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton ist aus verschiedenen Gründen wichtig für die Gemeinde.

Zum einen kann der Kanton die Fachleute vermitteln, die es zum Abschätzen von Risiken braucht. Zum anderen muss die Gemeinde auf Vorgaben des Kantons achten, damit dieser mithilft, die finanziellen Kosten für die Sicherheitsmassnahmen zu tragen.

Die Gemeindeversammlung hat im Dezember 2015 beschlossen, 600 000 Franken in verschiedene Sicherheitsvorkehrungen zu investieren. Dank der Zusammenarbeit zahlt der Kanton der Gemeinde bis zu 80 Prozent der Kosten zurück.

Anwohner leben mit Risiko

Auf Sicherheit wird in Balsthal bereits jetzt geachtet. «Die Gemeinde entfernt zum Beispiel regelmässig lockere Gesteinsbrocken aus der Felswand in der Klus, damit es nicht zu Steinschlägen kommt», erklärt Müller. Manchmal gebe es trotzdem Vorfälle, wie Bauverwalter Anton Wüthrich weiss. «Dass sich Steine aus einer Wand lösen, kommt regelmässig vor», erklärt er. Etwa im Frühling, wenn das Eis schmilzt. Schäden habe es bis jetzt keine gegeben.

In einem Fall musste aus Sicherheitsgründen eine Rückwand an einem Gebäude im gefährdeten Gebiet verstärkt werden. «Wir können aber niemanden zwingen, ein Gebäude sicherer zu machen», so Wüthrich. Die Bauverwaltung gebe Empfehlungen ab, etwa bei Sanierungsarbeiten. Neubauten sind in den gefährdeten Gebieten verboten. Die Hausbewohner in den Zonen hätten gelernt, mit der Gefahr umzugehen, so Wüthrich. «Die Häuser stehen schon seit Jahrzehnten unter diesen Wänden. Da gewöhnt man sich an das Risiko».

Das bestätigt auch eine Anwohnerin, die seit 25 Jahren im gefährdeten Gebiet lebt: «Manchmal hören wir nachts, wie Steine herunterrollen. Aber Angst haben wir keine». In ihrem Fall sorge der Wald hinter dem Haus für natürlichen Schutz vor Steinen.