Ein Brauchtum, das im Ostalpenraum, besonders im südlichen Bayern, in Österreich und im Südtirol sehr verbreitet ist, fasst auch in der Schweiz Fuss: Der Krampuslauf. Zum zweiten Mal organisiert das Narrenkomitee Schnapsloch in Welschenrohr den Anlass.

Der Krampus ist eine Schreckgestalt, die in Begleitung des Heiligen Nikolaus auftritt und entspricht in etwa unserem Schmutzli. Während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt, werden die unartigen vom Krampus bestraft. Meist treten die Gestalten in grösseren Gruppen auf, zusammen mit Nikolaus und Christkind.

Der Krampus trägt ein Kleid aus Schaf- oder Ziegenfell, versteckt sich hinter einer schauerlichen Holzmaske und hat Hörner auf dem Kopf. Dazu trägt er Glocken, Schellen, Rasseln mit sich, schwingt eine Rute oder Geissel und zieht mit viel Lärm durchs Dorf. Krampusläufe, oft mit über tausend Masken, haben in den erwähnten Regionen lange Tradition und locken Tausende von Besuchern an. Die Krampus-Umzüge finden in der Adventszeit, meist um den St. Nikolaustag statt.

Spektakel auf Schulhausplatz

Auf der Balmbergstrasse in Welschenrohr versammeln sich am Samstag, 27. Oktober, 28 Gruppen aus Österreich, Südtirol, Deutschland und vier davon aus der Schweiz zum Lauf bis zum Schulhausplatz. Dort bieten sie in ihren grausig schönen Kostümen eine Schau mit Feuer und Flamme, ein nächtliches Spektakel, das Schaudern und Schrecken verbreitet. Krampusse laufen bei ihren Umzügen hin und wieder ineinander, verkeilen sich oder stellen einander ein Bein.

Es ist auch üblich, dass hin und wieder das Publikum angegriffen wird. Doch trotz ihres wilden Gehabens braucht niemand Angst zu haben: alles nur Schau. Dennoch gab es im letzten Jahr einen Zwischenfall: Ein Krampus wurde während des Laufs niedergeschlagen. Dies soll sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Etwas ruhiger, aber nicht minder laut, geht es dann in der Halle zu und her, wo an der Krampus-Party sechs Guggenmusiken für Unterhaltung sorgen.

Die nächste Fasnacht kommt

«Die Welschenrohrer Fasnacht verläuft wohl wie gehabt,» erklärt Ur-Fasnächtler Fränki Bielmeier nach der Generalversammlung des Narrenkomitees. Mit Chinder-Chesslete, Kindermaskenball am Schmutzigen Donnerstag, dem traditionellen Fasnachtsumzug und der Strassenfasnacht am Samstag wurde im letzten Jahr eine neue Form gefunden, die sich bewährt hat.

Nun gibt es am Samstagabend wieder eine Strassenfasnacht in den verbliebenen Gaststätten, in den Umzugswagen und im Bar-Zelt beim Thalhof mit Maskentreiben, Unterhaltung und Guggenmusik. So steigt unter dem Motto «So ne Märet» die Welschenrohr Fasnacht. Auch eine Schnitzelbank soll es geben.

Sorgen bereitet den Narren die schwindende Mitgliederzahl im Komitee. Nach dem Rücktritt von Jessica Bielmeier als Obernärrin infolge Wohnortswechsel zählt es noch sechs Leute, und ein Obernarr konnte bisher nicht gefunden werden. Dazu meint Bielmeier: «Wir machen trotzdem weiter, wenn auch in etwas reduzierter Form. Vielleicht kommen wieder mal bessere Zeiten.» (WSW/OTR)