Balsthal

Bahnübergang Thalbrücke wird mit Barrieren für Fussgänger aufgerüstet

Die Fundamente für die Fussgängerbarrieren beim Bahnübergang Thalbrücke sind bereits sichtbar. Bruno Kissling

Die Fundamente für die Fussgängerbarrieren beim Bahnübergang Thalbrücke sind bereits sichtbar. Bruno Kissling

In Balsthal reagiert man auf den tödlichen Unfall eines 17-jährigen Mädchens vor zwei Jahren und installiert vier neue Fussgänger-Barrieren beim Bahnübergang Thalbrücke. Die Aufrüstung kostet 240 000 Franken und entspricht den Vorgaben des Bundes.

Wenn sich die Barrierenanlage der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) beim Bahnübergang Thalbrücke in Balsthal schliesst, wird jeweils nur der Verkehr auf der Strasse zum Halten gebracht, nicht aber die Fussgänger auf den Trottoirs beidseits des Übergangs. Möglich ist dies, weil die Schranken nicht bis zum Trottoir reichen.

Diese Sicherheitslücke wurde im Januar 2012 einer jungen Frau zum Verhängnis, welche die Gleise trotz aktiver Warnblinkanlage mit akustischem und visuellem Warnsignal überquerte. Sie wurde in der Folge vom Zug erfasst und erlag später ihren Verletzungen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war die damals 17-Jährige mit Kopfhörern in den Ohren auf die Gleise gelaufen. Der Lokführer wurde deshalb freigesprochen.

Aufrüstung kostet 240'000 Franken

Nun zieht die OeBB in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV), dem Amt für Verkehr und Tiefbau des Kantons Solothurn (AVT) und der Einwohnergemeinde Balsthal die Konsequenzen aus diesem folgenschweren Unfall, indem sie vier zusätzliche Fussgänger-Barrieren an den Trottoirs beim Bahnübergang installiert. Die Arbeiten werden am kommenden Montag aufgenommen und dauern rund zwei Tage.

Die Inbetriebnahme ist für Donnerstag, 30. Januar, veranschlagt. Mit den Barrieren weise künftig ein weiteres Sicherheitselement die Passanten auf die querenden Züge hin – zusätzlich zur bestehenden Warnblinkanlage mit akustischem und visuellem Signal, betont die OeBB. Diese sicherheitstechnische Aufrüstung kommt die OeBB auf 240'000 Franken zu stehen.

Warum die Barrieren nicht von Anfang an so ausgelegt waren, dass sie bis zum Trottoir reichen, konnte OeBB-Verwaltungsratspräsident Thomas Fluri auf Anfrage nicht sagen. Das sei schon seit Jahrzehnten so und auf alten Fotografien entsprechend ersichtlich.

Dass vor zwei Jahren eine junge Frau ihr Leben lassen musste, tut Fluri leid. «Wir sind uns der Tragik für die Familie und den Lokführer bewusst und sehr traurig, dass es zu diesem Unfall gekommen ist.» Er betont, dass alles unternommen werde, um für grösstmögliche Sicherheit auf und um die Bahnanlagen zu sorgen.

Prävention mit Fokus auf Jugend

Mit der Montage der Barrieren erfüllt die OeBB zudem eine Vorgabe des BAV, wonach sämtliche Bahnübergänge in der Schweiz bis 31. Dezember 2014 saniert und sicherheitstechnisch auf den neusten Stand gebracht werden müssen. Von den sieben Bahnübergängen der OeBB erfüllten bereits sechs diese Vorschriften – einige davon schon seit mehreren Jahren, so die OeBB. Eine absolute Sicherheit gebe es allerdings nicht, wie Fluri erwähnt. Etwa, wenn jemand unter der Barriere durchgehe oder diese umlaufe. «Dann sind auch wir machtlos.»

Nicht zuletzt deshalb betreibt die OeBB Prävention. Um insbesondere junge Passanten für die Gefahren im Bereich der Bahnanlagen zu sensibilisieren, wurden in der Vergangenheit auch die Schulen in Balsthal angeschrieben. Als Grund nennt Fluri die Schutzzäune entlang der Gleise, die immer wieder heruntergedrückt würden, um diese überqueren zu können. Wiederholte Reparaturen seien nötig geworden. Vorbeugend wurden deshalb die Zäune im Bereich zwischen Thalbrücke und Bahnhof Balsthal erhöht und verstärkt.

Der Sicherheit wird auch bei der Erneuerung des Bahnhofs in Balsthal grosse Bedeutung beigemessen. Das Fortbewegen auf dem Bahnhofareal soll sicherer werden. Zudem sind im Bahnhof Oensingen beim Bahnübergang neue Signale und entsprechende Systeme eingerichtet worden. Damit alle Züge sicher vor dem Übergang zum Stehen kommen.

Thalbrücke ist ein Sonderfall

Der Bahnübergang in der Thalbrücke ist ein Sonderfall: Wenn die Umfahrung Klus realisiert wird, kann er aufgehoben werden. Aus diesem Grund hat das Bundesamt für Verkehr BAV 2009 im Zusammenhang mit dem Neubau der Haltestelle Thalbrücke die Barrierenanlage bis auf weiteres genehmigt, auch über den 31. Dezember 2014 hinaus, so die OeBB. Das BAV habe dem Entscheid zugrunde gelegt, dass ein Umfahrungsprojekt etwa 2017 umgesetzt werde. «Dies ist der Grund, weshalb der Bahnübergang nicht früher durch zusätzliche Barrieren gesichert wurde», führen die Verantwortlichen der Oensingen-Balsthal-Bahn dazu weiter aus.

Nach dem Unfall im Januar 2012 habe die OeBB in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verkehr und dem kantonalen Amt für Tiefbau (AVT) sowie Einwohnergemeinde eine Neubewertung der Situation vorgenommen. Festgestellt wurde ferner, dass der Zeitpunkt für die Realisierung der Umfahrung seit 2009 nach hinten verschoben worden ist. Derzeit geht der Kanton von einer Realisierung zirka im Jahr 2020 aus. Vor diesem Hintergrund hätten OeBB, BAV, AVT und Einwohnergemeinde entschieden, die Barrierenanlage raschmöglichst umzusetzen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1