Welschenrohr

Bäckerei mit Café «wegen erneuten Intrigen und Beamtenwillkür» geschlossen

Keine Stühle mehr vor der Bäckerei Katharina und ein Schild weisen darauf hin, dass das Lokal geschlossen bleibt.

Keine Stühle mehr vor der Bäckerei Katharina und ein Schild weisen darauf hin, dass das Lokal geschlossen bleibt.

Nachdem die Polizei ausrückte, ist die Bäckerei Katharina in Welschenrohr seit Mittwoch geschlossen.

An drei bis vier Tischen bewirtete die Bäckerei Katharina im Dorfkern seit Sommer 2018 ihre Gäste. Ab Mitte dieser Woche blieb das Geschäft aber geschlossen. «Liebe Kunden, aufgrund von erneuten Intrigen und Beamtenwillkür bleibt die Bäckerei geschlossen», steht auf einem Schild in der Eingangstür.

Die Betreiberin Katharina Koechlin sagt auf Anfrage: «Am Dienstag kam gegen Abend die Polizei und räumte meine Stühle rein.» Die Kantonspolizei bestätigt den Einsatz in Welschenrohr: «Die Polizei war am Dienstag in Welschenrohr vor Ort, da nicht alle gesetzlichen Grundlagen für ein Café erfüllt sind.» Dies werde eine Anzeige zur Folge haben. Die Bäckerei dürfe die Besitzerin weiterhin betreiben. Auch Jonas Motschi, Chef vom kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit, sagt auf Anfrage, die Bäckerei sei nicht betroffen.

Das Amt erteile Bewilligungen für gastwirtschaftliche Tätigkeiten. Darunter fällt die Bäckerei nicht, diese habe sich aber an die Ladenöffnungszeiten zu halten. Um Gäste mit zubereiteten Speisen und Getränken gegen Entgelt vor Ort zu bewirtschaften, ist eine gastwirtschaftliche Bewilligung notwendig. Diese erhält, wer die notwendigen Unterlagen inklusive Nachweis einer minimalen fachlichen Qualifikation erbringt. Dazu gehört beispielsweise eine langjährige Berufserfahrung in der Gastronomie oder das Absolvieren eines Kurses. Kontrollen, ob eine Bewilligung vorliegt, führe die Polizei selbstständig durch, so Motschi weiter.

Im Sommer 2018 hatte das kantonale Amt für Wirtschaft einen Brief erhalten, der vom Welschenrohrer Gemeinderat Thomas Mägli signiert war. Doch der Alt-FDP-Kantonsrat stellte klar, er habe diesen Brief nie geschrieben. Darin wurde beanstandet, die Dorf-Bäckerei erfülle die Auflagen nicht (wir berichteten). Jonas Motschi dementierte daraufhin, dass das Amt für Wirtschaft aufgrund dieses Briefes aktiv geworden sei. Er sagte: «Allfällige Routinekontrollen wurden unabhängig davon vorgenommen.»

«in der Lage, Kaffee und Mandelgipfel zu servieren»

Obwohl Koechlin die Bäckerei weiterführen könnte, bleibt die Tür vorläufig verschlossen. Der Besitzerin fehlt momentan die Kraft, wie sie selbst sagt. «Dieses Verfahren zerstört eine Person, nicht nur eine Bäckerei.» Am Geschäftsgang habe es nicht gelegen – vor kurzem stellte Welschenrohrs einzige Bäckerin zwei Angestellte ein, um sich selbst zu entlasten. Die Bäckerei war bisher Dienstag bis Freitag von 6 bis 12 Uhr und von 15.30 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 6 bis 16 Uhr geöffnet.

Wie lange der Betrieb geschlossen bleibt, kann Koechlin zurzeit nicht sagen. Sie hoffe weiterhin auf eine versöhnliche Lösung, die es ihr erlaube ihre Bäckerei mit Café weiterzubetreiben. Über 80 Stunden arbeite sie jede Woche, berichtet Koechlin. Da bleibe keine Zeit, um ein Wirtepatent zu absolvieren. «Ich sehe mich mit 33 Jahren Berufserfahrung in der Gastronomie in der Lage, einem Kunden einen Kaffee und einen Mandelgipfel zu servieren», sagt Koechlin.

Kanton: Gesuch war nicht vollständig

Eine ihrer Angestellten verfüge über ein Wirtepatent. Für Koechlin ist unerklärlich, weshalb das Amt für Wirtschaft und Arbeit dieses nicht akzeptiere. Ausserdem habe sie, als sie in Mümliswil das Brot- und Desserthaus führte, vom Kanton eine Bewilligung erhalten. Sie habe dem zuständigen Amt alle Unterlagen zugestellt, worauf sie diese retourniert erhalten habe, weil sie nicht vollständig seien. Motschi sagt dazu: «Wir haben ein Gesuch für die gastwirtschaftliche Tätigkeit angefordert, aber die Unterlagen sind bisher nicht vollständig eingetroffen.»

Katharina Koechlin will in den nächsten Tagen entscheiden, wie es mit ihrer Bäckerei weitergehen soll.

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