Kestenholz

Backstage am St.Peter at Sunset: «Die Zeiten von Sex, Drugs und Rock’n’Roll sind vorbei»

«Wir sind auf unsere Gäste vorbereitet», sagen Markus Bürgi und Roland Suter (v.l.).

«Wir sind auf unsere Gäste vorbereitet», sagen Markus Bürgi und Roland Suter (v.l.).

Am 3. Juli startet St. Peter at Sunset in Kestenholz. Die Musiker schätzen das heimelige Ambiente im Gäu ausserordentlich. Gästebetreuer Markus Bürgi und Initiator Roland Suter verraten ein paar Geheimnisse der Stars.

Wenn das Festival St. Peter at Sunset am 3. Juli mit «An Evening with Mark Knopfler and Band» eröffnet wird, bringt der weltbekannte Künstler eine Entourage von 60 Leuten mit nach Kestenholz. Diese wollen rundum umsorgt sein. «Wir sind stets tipptopp vorbereitet. Je nachdem, wie die Gäste ticken, kann es trotzdem hektisch werden», sagt Markus Bürgi. Nach illegalen Substanzen wie LSD oder Heroin würde jedoch nicht nachgefragt, erzählt der Backstage-Verantwortliche weiter. «Die Zeiten von Sex, Drugs und Rock’n’Roll sind vorbei.»

St. Peter at Sunset ist bekannt dafür, dass es dem Publikum grossartige Acts in gediegenem Ambiente bietet. Auf der Bühne Weltstars, auf den Rängen kein Gedränge. Getränke in Gläsern, das Essen wird nicht in Plastik angerichtet. Selbstredend, setzen die Veranstalter alles daran, auch den Künstlerinnen, Künstlern und ihrem Gefolge ein wohliges Gefühl zu vermitteln. In der Backstagezone stehen Zelte mit mehreren Räumen, ein jedes ausgestattet mit Sofa, Tisch, Kühlschrank, Schminkecke, Zimmerpflanzen. «Diesen Bereich sehen die Künstlerinnen und Künstler als Erstes. Es ist die Visitenkarte unseres Festivals», erzählt Markus Bürgi, «darum setzen wir auch hinter der Bühne alles dran, dass es perfekt ist.»

Das ist für den Backstage-Verantwortlichen und sein 25-köpfiges Team herausfordernd. Umso mehr, wenn einer mit 60 Leuten anreist, «die von morgens um 8 Uhr bis nach Mitternacht umsorgt sein wollen.» Bandmitglieder, Techniker, Lastwagenfahrerinnen, Tour-, Stage- oder Production-Manager, sogar Kochpersonal bringt Mark Knopfler am Mittwoch, 3. Juli 2019, nach Kestenholz mit. 

Der Backstage-Bereich am St. Peter At Sunset

Der Backstage-Bereich am St. Peter At Sunset

Vorbereitung ist alles

Bürgi ist seit der ersten Ausgabe des Open Airs dabei. Er weiss längst: «Je besser man vorbereitet ist, desto weniger hektisch wird es an den Veranstaltungstagen.» Aber selbst wenn alles durchgeplant ist: Überraschungen gebe es immer, zumal er mit Menschen zu tun habe. «Wenn Patricia Kaas urplötzlich kurz vor dem Auftritt findet, ihr Schmuck glänze zu wenig, dann müssen wir halt auf die Schnelle ein Poliermittel auftreiben.» Die meisten Stars seien jedoch nicht fordernd oder herablassend im Umgang, erzählt Bürgi.

Im Gegenteil: «Xavier Naidoo, der von vielen als arrogant wahrgenommen wird, ist ein ganz angenehmer Kerl. Er fragte mich gar, ob er sich einen Tee machen könne.» Oder Roger Hodgson, der frühere Supertramp-Frontmann: «Als ich ihm sagte, er trete in einer 1700-Seelen-Gemeinde auf und wir an Kühen vorbei zum Areal gefahren sind, kriegte er sich fast nicht mehr ein. Normalerweise tritt er ja an riesigen Open Airs auf, die sich alle sehr gleichen. Das war ein extrem persönlicher Augenblick», sagt Bürgi.

Tolle Erinnerungen hat auch Festival-Chef Roland Suter. «Ich habe nach dem Konzert mit Chris de Burgh und seiner Frau gegessen und war positiv überrascht von ihm. Er interessierte sich sehr für die jahrhundertealte Kapelle neben der Bühne, dass nicht mal ich als Einheimischer alle Fragen beantworten konnte.» Oder Jamie Cullum: Als die Technik ausgestiegen ist, hat er nicht wütend herumgeflucht, sondern packte seine Band und legte vor der Bühne ein akustisches Set hin. Um das zu beschreiben, braucht Suter nur ein Wort: «Fantastisch!» Aber klar, so facettenreich wie das Programm, so unterschiedlich die Charaktere. Nicht mit allen Stars war die Zusammenarbeit angenehm: «Gianna Nannini empfand ich als eine richtige Diva.» Details, sagt Markus Bürgi und verdreht die Augen, erzähle er besser nicht.

Manager stehen unter Druck

Die Augen verdreht der Backstage-Verantwortliche auch bei den Wünschen, die man manchen Bands erfüllen müsse. Sie seien auch schon extra für ein Getränk nach Deutschland gefahren, berichten Suter und Bürgi. «Und dann hat der Künstler die Fläschchen nicht mal angerührt.» Vielfach seien es die Manager, die extravagante Sachen wie etwa exakt 40 auf 40 Zentimeter grosse, grasgrüne Frotteetücher bestellen würden, führen die beiden aus. Sie haben Verständnis dafür. «Manche stehen unter riesigem Druck, alles recht zu machen, ansonsten könnte ihr Mandat bald enden.»

Apropos enden: Vorbei ist nach Ansicht der beiden Festival-Macher die Hochblüte von «Sex, Drugs und Rock’n’Roll.» Illegale Substanzen hätten sie in den 14 Jahren, in denen es das Festival gibt, nie auftreiben müssen. Er habe schon Rauschmittel in Form von Rauchwolken aufsteigen stehen, aber damit hatte es sich, berichtet Markus Bürgi. Bei Vorgruppen könne es zwar hoch hergehen, da für sie manches neu im Business ist und sie das auskosten würden. «Die meisten unserer Musiker können sich gar keine Eskapaden leisten. Es sind Profis, die um die Welt jetten und die ein gedrängtes Programm haben. Sie haben eigentlich nur ein Ziel: Dem Publikum auf der Bühne eine Show zu bieten, die es nie wieder vergessen wird.» (mgt)

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