Aus Thaler Sicht
Ausserordentliche Lage im Thal

Markus Schindelholz, Balsthal
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Überschwemmungen, Erdbeben, langandauernde Stromausfälle, Bergrutsche, Lawinen, verschütteten Strassen, chemische oder radioaktive Unfälle kennen wir aus den Medien. Aber dass sich solches im Thal ereignet, ist doch eher selten. Zumindest ist dies schon lange nicht mehr vorgekommen. Für kurzandauernde Ereignisse, auch wenn diese dramatisch sind, sind wir im Thal gut ausgerüstet. Wir haben Feuerwehren im ganzen Thal, in Balsthal einen Polizeiposten und sogar einen Aussenposten des Rettungsdienstes der SoH. Weiter gibt es Samariter- und Sanitätsvereine und auch eine SAC-Rettungsstation ist hier zu Hause. Das letzte grosse Ereignis jährt sich diesen Silvester. Wir erinnern uns an den Brand der Rütti Schreinerei an Silvester 2015 in Balsthal.

Was aber ist, wenn ein Ereignis länger andauert oder immer grösser wird? Ein weiteres wichtiges Element im Bevölkerungsschutz ist der Zivilschutz. Die regionalen Zivilschutzorganisationen Thal und Gäu haben per 1.1.2020 fusioniert. Damit stehen aktuell etwas über 350 Zivilschützer für einen Einsatz im Thal und Gäu zur Verfügung. Klar ist, dass diese nicht gleichzeitig an einer Stelle eingesetzt werden können. Ein 7 Tage/24 Stunden Einsatz braucht viele Leute und Mittel. Auch stehen die Angehörigen des Zivilschutzes im normalen Arbeitsleben und können dort nicht wochenlang fehlen. Somit sind die 350 Zivilschützer in einer ausserordentlichen Lage zwar eine gute Basis, aber auch nicht zu viele. Wenn noch mehr Hilfe benötigt wird, kann auf die Armee zurückgegriffen werden. Bei örtlich begrenzten Ereignissen kann dies noch gut organisiert werden. Wenn jedoch an mehreren Stellen gleichzeitig eine langandauernde Notlage herrscht, wer verteilt die Mittel und setzt die Prioritäten?

In der Schweiz ist dies im Bevölkerungsschutz geregelt. Zum Bevölkerungsschutz gehören die Bereiche Polizei, Feuerwehr, Gesundheitswesen, technische Betriebe und der Zivilschutz. Koordiniert werden die Bereiche über die kantonalen oder regionalen Führungsstäbe. Auch im Thal-Gäu gibt es einen regionalen Führungsstab mit Vertretern aus allen fünf Bereichen sowie einen Stabschef und einem Leiter des Führungsstabes. Unterstützt wird der Führungsstab einerseits von den Stabsassistenten aus dem Zivilschutz, weiter kommen je nach Art des Ereignisses Fachspezialisten dazu. Wer natürlich auch nicht fehlen darf, sind die Vertreter der jeweils betroffenen Gemeinden. Obwohl es zum Glück nicht so viele ausserordentliche Ereignisse gibt, muss der Führungsstab vorbereitet sein. Dies wird durch regelmässiges Üben und durch Erfahrung erreicht.

Die letzten Einsätze oder Aufgaben des Führungsstabes Thal-Gäu waren in der Katastrophenvorsorge. Bei einem Zwischenfall im AKW Gösgen würde in Balsthal eine Beratungsstelle Radioaktivität BSR betrieben. Der Ablauf wurde 2015 im Moos geübt. Im Winter 2016 mussten Plätze für mehrere 100 Asylsuchende in der Region definiert werden. Zum Glück kam die Asylwelle damals nicht so stark wie befürchtet. Weiter hatte 2019 der regionale Führungsstab zusammen mit der Katastrophenvorsorge die Notfalltreffpunkte in allen Gemeinden in der Region definiert, welche 2020 schliesslich eingeführt wurden. Bei einer grossflächigen Evakuation müsste in Oensingen zudem eine Aufnahmestelle betrieben werden. Auch hier ist der Zivilschutz und schlussendlich der Führungsstab involviert.

Im Thal-Gäu sind wir in der glücklichen Lage, dass alle Funktionen im Stab besetzt sind und motivierte Mitglieder zur Verfügung stehen. Trotzdem hoffen wir, dass der Führungsstab nicht zum Einsatz kommt. Ein Einsatz bedeutet immer, dass es auch Leid und Not gibt.

Der Führungsstab Thal-Gäu wünscht ein notfallfreies 2021 und dass sich die ausserordentliche Lage aufgrund Corona wieder normalisiert.