Egerkingen
Ausscheidungen von Rindern im Wasser - jetzt soll Quelle vom Netz

Ergebnisse einer Untersuchung der Flüematt-Quelle in Egerkingen haben gezeigt, dass das Wasser von Sömmerungsweiden in Oberbuchsiten stammen könnte. Sollte dieser Verdacht bestätigt werden, käme dies die Gemeinde teuer zu stehen.

Erwin von Arb
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Brunnenmeister Heinz Fischer steigt für einen Kontrollgang in die Brunnstube der Sonnenrain-Quelle (rechts), in welche fünf der acht Flüematt-Quellen fliessen.
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Kommt das Wasser aus dem Gebiet Langenbruck oder etwa Oberbuchsiten?
Die Flüematt-Quelle soll vom Netz.
Insgesamt 200 Kubikmeter Wasser dienen als Löschreserve.

Brunnenmeister Heinz Fischer steigt für einen Kontrollgang in die Brunnstube der Sonnenrain-Quelle (rechts), in welche fünf der acht Flüematt-Quellen fliessen.

Erwin von Arb

Einmal mehr steht in Egerkingen die Quelle Flüematt im Fokus. Diesmal geht es aber nicht um die Zufahrtstrasse zum Restaurant Blüemlismatt. Deren Asphaltierung war wegen der geltenden Grundwasserschutzbestimmungen in den Jahren 2006 und 2009 vom Kanton gänzlich abgelehnt oder nach Anpassung der Richtlinien für Schutzzonen 2013 nur teilweise erlaubt worden.

Diesmal geht es um die Quelle selbst und ob es sich lohnt, diese weiter zu betreiben. Diese Frage stellt sich nach dem Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung, welche für die vom Kanton verlangte Ausscheidung einer Schutzzone für die Quelle durchgeführt wurde. Zu diesem Zweck wurden unter anderem Markierungsversuche gemacht, um herauszufinden, woher das Wasser stammt, welches die Quelle speist.

Dabei zeigte sich, dass die Fliessgeschwindigkeit des Karstwassers viel höher ist, als bisher angenommen. «Das Wasser könnte aus dem Gebiet Langenbruck, Holderbank stammen», wie Philipp Staufer vom kantonalen Amt für Umwelt zur möglichen Ausdehnung der Schutzzone ausführt.

Kolibakterien im Quellwasser

Nicht auszuschliessen ist gemäss Untersuchungsbericht ferner, dass Wasser von den Sömmerungsweiden in Oberbuchsiten in die Egerkinger Quelle fliesst. Dafür sprechen im Wasser der Quelle nachgewiesene Kolibakterien. Solche entstehen, wenn Ausscheidungen der Rinder mit dem abfliessenden Wasser in Verbindung kommen. Coliforme Bakterien sind in allen Ausscheidungen von Wirbeltieren, also auch beim Menschen enthalten. Sie überleben im Wasser und können weite Strecken zurücklegen. Sie sind ein Indikator für pathogene (krankheitsauslösende, Anm. d. Red.) Keime.

Die Kontaminierung des Quellwassers mit Kolibakterien ist allerdings so gering, dass diese nach der Bestrahlung des Rohwassers im Reservoir Flüematt mit Ultraviolett-Licht nicht mehr nachweisbar sind. «Das von uns ins Netz eingespeiste Wasser ist einwandfrei und kann bedenkenlos getrunken werden», sagt der Egerkinger Brunnenmeister Heinz Fischer.

Das Problem ist damit allerdings noch nicht vom Tisch, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi darauf angesprochen erwähnt. «Wenn es sich bewahrheitet, dass die Ausscheidungen der Rinder auf den Oberbuchsiter Sömmerungsweiden für die Kolibakterien verantwortlich sind, müsste die Gemeinde Egerkingen, wenn die Quelle am Netz bleibt, Entschädigungszahlungen leisten. Die Sömmerung müsste bei der Einrichtung einer Schutzzone S 2 nämlich stark eingeschränkt oder sogar eingestellt werden.»

Altlasten im Gebiet Flüematt

Dazu kämen für die Gemeinde wohl noch weitere nur schwer kalkulierbare Kosten, sagt Bartholdi mit Blick auf die Altlasten im Gebiet Flüematt. Dabei geht es um das Schützenhaus und den Jagdschiessstand. In deren Umgebung wird aus früheren Zeiten viel Blei im Boden vermutet, das gemäss Experten über kurz oder lang ins Quellwasser gelangen wird. Um das zu verhindern, müsste das betroffene Erdreich abgetragen werden. «Die Kosten wären enorm», so die Gemeindepräsidentin.

Diese Einschätzung teilt auch der Kanton. Er empfiehlt der Gemeinde, auch in Erwägung zu ziehen, die Quelle Flüematt vom Netz zu nehmen und das Wasser künftig vollumfänglich von der Regionalen Wasserversorgung Gäu in Neuendorf zu beziehen. Dann würde das Wasser der Quelle statt ins gleichnamige Reservoir Flüematt in den Bach geleitet.