«Alpenblick»
Ausflugsrestaurant am Passwang soll verkauft werden

Was ist eigentlich los im Restaurant Alpenblick? Geht das Ausflugsrestaurant oben am Passwang zu? Einen Interessenten für die Liegenschaft gibt es, allerdings will dieser das Restaurant nicht weiterführen.

Alois Winiger
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So kennt man das Ausflugsrestaurant an der Haarnadelkurve am Passwang seit dem Umbau 1976.

So kennt man das Ausflugsrestaurant an der Haarnadelkurve am Passwang seit dem Umbau 1976.

Alois Winiger

Diese Frage macht seit einiger Zeit die Runde – und zwar weit über die Standortgemeinde Ramiswil hinaus. Denn bekannt ist, dass Maria Halbeisen-Jeker, die bisherige Wirtin und Besitzerin der Liegenschaft, altershalber aufhören und die Liegenschaft verkaufen möchte. Bekannt ist ferner, dass ein Kaufinteressent vorhanden ist, allerdings habe dieser nicht im Sinn, den «Alpenblick» als Gaststätte weiterzuführen. Dann würde auf Gemeindegebiet Mümliswil-Ramiswil ein weiteres Gasthaus mit Tradition für immer verschwinden.

«Das würde mir wirklich weh tun», gibt Maria Halbeisen zu, «schliesslich bin ich hier aufgewachsen und führe das Restaurant nun seit vielen Jahren.» Ihre Eltern, Robert und Elisabeth Jeker-Grolimund, haben das 1939 erbaute Restaurant im Jahr 1944 erworben, bauten es um und aus und brachten es zur Blüte. Der «Alpenblick» wurde zu einem beliebten Ausflugsziel. Man sieht von dort aus weit ins Land hinaus bis hin zu den Berner und Glarner Alpen.

Maria Halbeisen, Wirtin und Besitzerin, auf der «Alpenblick»-Terrasse.

Maria Halbeisen, Wirtin und Besitzerin, auf der «Alpenblick»-Terrasse.

Alois Winiger

Und noch etwas ist bekannt, was die Verkaufschancen nicht eben verbessert: Im Thal stehen neben dem «Alpenblick» noch weitere Gaststätten zum Verkauf: «Limmernschlucht» Mümliswil (siehe Box), «Bahnhof» Balsthal und «St. Joseph» Gänsbrunnen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Banken von Kaufwilligen einen Eigenmittelanteil von bis zu 50 Prozent fordern.

Keine Rettung für die «Limmernschlucht»

Der «Alpenblick» ist nicht die einzige Gaststätte in der Gemeinde Mümliswil-Ramiswil mit mehr oder weniger ungewisser Zukunft. Beim Gasthof Limmernschlucht allerdings scheint das Schicksal endgültig besiegelt zu sein. Die Familie Andy und Marion Haefeli hört per Ende Jahr auf. Der Bauunternehmer Paul Fluri will das Areal kaufen, die Liegenschaft abreissen und Wohnungen bauen. Da es sich um ein traditionsreiches Haus handelt, dessen Wurzeln ins Jahr 1874 zurückreichen, gab es Bemühungen, diese Pläne rückgängig zu machen. Doch Paul Fluri winkte ab, für ihn komme nur der Bau von Wohnungen infrage. Denn diese, vor allem auch altersgerechte, seien gefragt. Fluri möchte im nächsten Jahr bauen. Die Idee, eine Genossenschaft auf die Beine zu stellen, welche die Liegenschaft übernimmt und den Gasthof jemandem in Pacht übergibt, scheiterte. Zu hoch sind die Investitionskosten. (wak)

Für Maria Halbeisen könnte sich eine Lösung abzeichnen. Sie wandte sich an Werner Käser, Pächter des Kurhauses Weissenstein und Berater in der Gastrobranche. Käser habe spontan gesagt, der «Alpenblick» müsse unbedingt als Gaststätte erhalten bleiben, er werde sich dafür einsetzen, um einen entsprechenden Käufer zu finden. Und was ist mit den anderen erwähnten Betrieben? Käser sagt dazu nur, es sei halt jeder für sich ein besonderer Fall. «Beim Alpenblick handelt es sich um ein ausgesprochenes Ausflugsrestaurant an einer beliebten Strecke, da sehe ich gute Chancen.»

Diese Einschätzung gewann er, nachdem er eine Zeit lang im Alpenblick mitgearbeitet hatte. Die Küche sei intakt, im Haus und auf der Terrasse wären einige Auffrischungen notwendig für etwa 400 000 Franken. Genauso mitentscheidend sei, dass das Gasthaus bei entsprechendem Engagement einen Grundumsatz abwerfe, mit dem sich leben lasse. Das wird vom zuständigen Treuhänder Georg Schellenberg (Oensingen) bestätigt.

Allerdings: Der «Alpenblick» müsste in einen Saisonbetrieb umgewandelt werden, der von April bis November täglich geöffnet hat. Bisher lief der Betrieb ganzjährig mit wöchentlich zwei Ruhetagen und Betriebsferien. Käser und Schellenberg betonen, dass sie sich auch darum kümmern werden, den «Alpenblick» zu vermarkten und ihn als Ausflugsziel positionieren. «Das Marketing wird in der Gastrobranche noch immer stark unterschätzt», sagt Käser.

Theoretisch wäre also die Basis da, aber noch fehlen die Käuferschaft und dann jene Person, die genügend ausgebildet und willens ist, den Betrieb entsprechend zu führen. Werner Käser und Georg Schellenberg wollen nun eine Aktiengesellschaft gründen, an der sich jedermann beteiligen kann. Ihr Zweck ist das Betreiben einer Gaststätte. Die Gründung erfolgt, sobald ein Mindestkapital von 400 000 Franken gezeichnet ist.

Als ganz wesentlichen Punkt erwähnen Käser und Schellenberg, dass sich die Clientis Bank im Thal positiv zum Unternehmen stellt. «Eine Dividende können wir nicht versprechen», sagt Schellenberg, «aber jährlich gibts eine Generalversammlung, bei der ein Gutschein für ein Dreigangmenü abgegeben wird.» Möglichst bald soll nun geworben werden für die AG, so mit Tischsets, Inseraten, im Internet und mit einem Anlass oben auf dem Passwang.