Aus Thaler Sicht
Wenn ich ein König wäre

Sammy Deichmann
Sammy Deichmann
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Sammy Deichmann regt sich über Abfall am Strassenrand im Naturpark Thal auf.

Sammy Deichmann regt sich über Abfall am Strassenrand im Naturpark Thal auf.

Bruno Kissling

Mal angenommen, wir lebten in einem kleinen, überschaubaren Königreich. Und weiter angenommen, dieses Königreich wäre das Thal und ich wäre der König.

Der gelegentlich aufkeimende Wunsch, einmal König zu sein, kommt mir in den Sinn, wenn ich mich über irgendetwas empöre. Ich rege mich zum Beispiel über die Hilflosigkeit gegenüber dem Klimawandel oder die Vermüllung der Meere auf. Aber da werde ich wohl auch als kleiner Thaler König nicht viel ausrichten können. Ich muss mich auf die Dinge vor der Haustüre konzentrieren. Die Demokratie hat den Vorteil, dass zwar viele mitdenken und mitentscheiden, aber halt nicht immer so wie ich es gerne hätte. In einem Königreich ist das selbstredend anders. Ich müsste dann auch, genau wie in der Demokratie, zu Themen Entscheidungen treffen, von denen ich keine Ahnung habe. Sei es drum. Aber die bestehenden allgemeingültigen Regeln sind gar nicht so schlecht. Nur gibt es halt immer ein paar besonders Gescheite, die meinen, sich darüber hinwegsetzen zu können. Das führt dann zu besagten Empörungen, auf die ich Kraft meines königlichen Amtes reagieren könnte.

Sammy Deichmann, Aedermannsdorf, Künstler

Sammy Deichmann, Aedermannsdorf, Künstler

Zvg

Ich gebe Ihnen mal ein paar Müsterli, wie das aussehen würde: Wenn ich mit dem Velo die Kantonstrasse Richtung Welschenrohr hochstrample, fällt mein Blick, da ich an der Steigung langsam fahre, sogar ausgedehnt, auf das, was auf dem seitlichen Grünstreifen zu liegen kommt. Wohlgemerkt, wir sprechen von einem besonders idyllischen Strassenabschnitt mitten im Naturpark. Dort sehe ich Getränkedosen, Flaschen und Verpackungen, die aus Autofenstern heraus entsorgt wurden. Einmal habe ich 42 Dosen und Flaschen an der gerade mal ein Kilometer langen Steigung gezählt. Am häufigsten Dosen aus den Häusern Feldschlösschen und Red Bull. Als König will ich nicht darüber nachdenken, was und ob überhaupt in den Hirnen meiner fehlbaren Untertanen abläuft. Meine Aufgabe ist, das abzustellen. Also kommt da jetzt eine Kette von Überwachungskameras hin. Die ertappten Zeitgenossen werden angehalten und zu Fuss mit einem Kehrrichtsack in die andere Richtung geschickt. Ihre Autos werden wegen Unmündigkeit beschlagnahmt. Der Verkauf von Red Bull wird verboten. Bei Feldschlösschen machen wir vorerst eine Ausnahme. Weiter weiss ich im Moment auch nicht.

Oder diese hier: Auf dem überdimensionierten Parkplatz vor dem Coop weisen säuberlich aufgemalte weisse Linien auf eine leicht verständliche, für alle gültige Parkplatzordnung hin. Doch auch dann, wenn ein Grossteil der angebotenen Plätze frei ist, nimmt sich doch immer wieder einer das Recht, sein Fahrzeug direkt vor dem Loch abzustellen. Ich bin zwar der König, lasse mich aber nicht davon abhalten, noch selbst zum Coop zu gehen und auf meinem Weg für Recht und Ordnung zu sorgen, weshalb sogleich ein weiteres Auto aus dem Verkehr gezogen wird.

So geht das munter weiter und Sie können sich ungefähr vorstellen, wo das hinführen wird. Ich werde nochmals nachdenken, ob König der richtige Beruf für mich ist. Gut für mich und gut für Sie, dass ich kein König bin.