Aus Thaler Sicht
Warum ein Zuschlag für Dosen und PET-Flaschen Littering verhindern würde

Sammy Deichmann, Aedermannsdorf, Künstler
Sammy Deichmann, Aedermannsdorf, Künstler
Drucken
Teilen
Kolumnist Sammy Deichmann war auf einer Velotour Richtung Moutier - und hat dabei viele Getränkedosen und PET-Flaschen gezählt.

Kolumnist Sammy Deichmann war auf einer Velotour Richtung Moutier - und hat dabei viele Getränkedosen und PET-Flaschen gezählt.

Bruno Kissling

Gerade komme ich von einer kleinen Velotour zurück – durchs Thal nach Moutier und dann weiter. Und wieder fallen mir unzählige Getränkedosen, PET-Flaschen, Papier- und Plastikverpackungen und Hygienemasken auf, die entlang der Kantonsstrasse auf dem Grünstreifen und in den angrenzenden Wiesen und Feldern liegen. Dort, wo gerade gemäht wurde, sieht man zerfetzte Dosen und Flaschen, deren Kleinteile sich fein verteilen oder im Futter landen.

Ich weiss, ich habe über dieses Thema schon einmal geschrieben und auch nicht angenommen, dass sich das Problem zwischenzeitlich gelöst haben könnte. Doch selbst, wenn ich ganz scharf nachdenke, kommt mir noch immer nicht in den Sinn, warum der eine oder andere Zeitgenosse auf die Idee kommt, der Strassenrand könnte eine Müllkippe sein. Wie dem auch sei, vielleicht hilft es, darüber zu reden. Wir dürfen davon ausgehen, dass es in unserem Kulturkreis jedermann und -frau bekannt sein dürfte, dass Littering keinesfalls erlaubt ist. Was den Intellekt des locker durchs Autofenster Entsorgenden eventuell überfordert, ist die Gewissheit, dass die rausgeworfene Dose von anderen wieder eingesammelt werden muss. Die Kosten dafür tragen alle oder eben der Landwirt, in dessen Wiese die Dose gelandet ist. Ich darf gar nicht daran denken, wie einfach es doch wäre, die Dose in einen Müllkübel zu werfen. Ganz abgesehen davon, dass es sich um einen Rohstoff handelt.

Littering hat offenbar nichts mit Verstand zu tun und mit dem Appell an den gesunden Menschenverstand kann es wohl nur eine Lösung geben, wenn ein solcher vorhanden ist. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ein Plädoyer für die Einführung eines Zuschlags von 1 Franken pro Einweg-Getränkeverpackung halten. 50 Rappen davon werden als Depot rückerstattet, wenn die Verpackung beim Händler abgegeben wird. Vom Rest werden 20 Rappen für den Aufbau der Rückgabelogistik, die grösstenteils schon vorhanden ist, bezahlt und 30 Rappen fliessen in einen Umweltfonds, der für Aufräumarbeiten entlang der Strassen eingesetzt wird.

Mit dieser Lösung landen die Kosten für die Entsorgung von Einweg-Getränkeverpackungen bei dem, der sie kauft. Die Hersteller bekommen eventuell einen Anreiz, auf Mehrwegflaschen umzustellen, und nur der Entsorger, dem auch noch das Rechnen Schwierigkeiten bereitet, muss den Frevel eben selbst bezahlen. Und das Beste: Die Einwegverpackung bekommt einen Wert von 50 Rappen. Damit lohnt es sich, die Verpackung aufzuheben und in den Kreislauf zurückzugeben. Vor kurzem habe ich auf einem Streckenabschnitt von knapp einem Kilometer, nur so im langsamen Vorbeifahren, 52 Dosen und PET-Flaschen gezählt. Zum Auflesen würde ich vielleicht eine Stunde brauchen und könnte – hätten wir einen Zuschlag – damit 26 Franken einlösen. Doch dann würden wohl gar keine Dosen mehr am Strassenrand liegen.

Ein Kanadier namens David Katz hat vor einigen Jahren die Plastic Bank gegründet, die genau so etwas in Entwicklungsländern macht, wo besonders viel Plastik ins Meer gelangt, weil Plastik für die Menschen wertlos ist. Die Plastic Bank animiert die Bewohner von Haiti und den Philippinen dazu, Plastik zu sammeln und an die Plastic Bank zu verkaufen. Die Bewohner bekommen die Möglichkeit, Geld zu verdienen und der Rohstoff Plastik wird in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt.

Die Strassenränder im Thal sagen mir, dass wir das in der Schweiz auch nötig haben.

Aktuelle Nachrichten