Aus Thaler Sicht
Freiwilligenarbeit muss künftig generationenübergreifend stattfinden

Markus Schindelholz, Geschäftsführer OeBB, Balsthal
Markus Schindelholz, Geschäftsführer OeBB, Balsthal
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Junge Leute, die sich freiwillig engagieren, seien immer seltener, schreibt unser Autor Markus Schindelholz.

Junge Leute, die sich freiwillig engagieren, seien immer seltener, schreibt unser Autor Markus Schindelholz.

Michel Lüthi/Archiv

In den vergangenen Wochen war in den Medien die Freiwilligenarbeit und das sogenannte Milizsystem der Schweiz immer wieder ein Thema. Es sei eine grosse Errungenschaft unseres Landes, dass viele Organisationen und auch das politische System dank des Milizsystems so gut funktionieren. Die heutige Schweiz habe davon sehr profitiert und auch unser Wohlstand beruhe zum Teil darauf.

Leider werde es jedoch immer schwieriger, Leute zu finden, die sich freiwillig für ein Amt oder eine Organisation zur Verfügung stellen. Die Belastung am Arbeitsplatz wird immer höher und das Verständnis, dass man nebenbei noch ein Amt ausübe, immer kleiner. Weiter wird auch der Bildung vorgeworfen, dass den Jungen die Politik zu wenig schmackhaft gemacht wird.

Auch in unserer Region braucht es viele Freiwillige. Die eingangs erwähnte Entwicklung macht jedoch vor unserer Region nicht halt. Es wird auch hier immer schwieriger, Leute zu finden, die sich zum Beispiel in den kommunalen Kommissionen engagieren.

Für mich ist die gesellschaftliche Entwicklung ebenfalls ein Hemmer für das Milizsystem und die Freiwilligenarbeit. Die Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) ist die erste Generation, die von Kindsbeinen an mit digitalen Technologien aufgewachsen ist. Sie legen grossen Wert auf eine gesunde und nachhaltige Lebensweise, können sich jedoch ein Leben ohne Smartphone nicht vorstellen. Sie haben auch hohe Erwartungen an Produkte und Dienstleistungen: Alles soll schnell, intuitiv und unterhaltsam sein. Wie können wir diese Generationen motivieren, Freiwilligenarbeit zu leisten?

Ein wichtiger Punkt dabei ist die generationenübergreifende Zusammenarbeit. In vielen Betrieben erfolgt dies zwangsläufig. Es gibt viele Betriebe und Branchen, die auf eine sehr hohe Pensionierungswelle zuschreiten. Für diese ist es sehr wichtig, die jüngeren Generationen früh zu integrieren und einzubinden.

Im Bereich der Freiwilligenarbeit ist die Integration der jüngeren Generationen viel anspruchsvoller als in Betrieben. Jede Organisation, Kommission und auch Vereine müssen sich frühzeitig über ihre Nachfolgeregelungen Gedanken machen und dann junge Leute suchen. Wichtig dabei ist, den Jungen nicht nur aufzuzeigen, wie wertvoll ihr Engagement und ihre Freiwilligenarbeit sind, auch wenn man dafür keine oder nur eine kleine Entschädigung erhält. Sondern, dass man auch neue Wege begehen darf. Die Integration der Generation Z ist und wird aufwendiger als dies bisher war, vor allem für uns aus der Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979). Die Generation Z ist anders gewohnt, zu arbeiten und sich zu engagieren. Wir (auch ich bin einer aus der Generation X) müssen uns dem anpassen und den Jungen die Chance geben und auch motivieren, mit ihren neuen Methoden und Mittel erfolgreich zu sein. Die Jungen müssen die Gelegenheit erhalten, Dinge auszuprobieren, dabei Fehler zu machen und daraus zu lernen. Nur werden sie es nicht mehr mit der gleichen Methode wie früher machen, sondern neue Technologien einsetzen.

Grosse Freude macht mir Beispiele zu sehen, in denen dies gut klappt und sich dies gut entwickelt. Ein gutes Beispiel ist der Gemeinderat von Balsthal. Ein Drittel des neuen Gemeinderates gehört zur Generation Z. Schön zu sehen ist, wie sich die jungen Leute engagieren, zum Teil eben anders, als wir dies gewohnt sind. Jetzt gilt es ihnen auch Fehler zuzugestehen und tolerant zu sein. Sie werden erfolgreich sein, aber auch anders, als wir uns dies je vorgestellt haben.

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