Aus Gäuer Sicht
Historisches und Anderes im Coronasommer Nummer zwei

Beat Nützi
Beat Nützi
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Über den zweiten Coronasommer.

Über den zweiten Coronasommer.

Bruno Kissling

Die zwei neuen Solothurner Regierungsmitglieder Sandra Kolly (CVP) und Peter Hodel (FDP) haben am 1. August ihre Arbeit aufgenommen. Beide leisteten ihre erste Amtshandlung in der Amtei Thal-Gäu. Mit Reden zum Nationalfeiertag. Kolly in Wolfwil, Hodel in Laupersdorf. Beide haben das Miteinander beschworen, wie es bei Reden zum 1. August Tradition ist. Heuer war dieser Appell und Mahnruf besonders wichtig, hat doch der Zusammenhalt unter der Coronapandemie stark gelitten.

Die Amtei Thal-Gäu ist nicht das Rütli. Aber sie ist gewissermassen ein Sinnbild für unser Land – als Abbild des Kantons Solothurn, der als «Kanton der Regionen» und «Brückenkanton» die Schweiz symbolisiert. So haben im Kanton Solothurn am 1. August die Frauen die Mehrheit in der Regierung übernommen, während gleichentags eine grössere Schar Frauen mit den Bundesrätinnen Simonetta Sommaruga und Viola Amherd das Rütli in Beschlag nahmen. Der Akt auf dem Rütli, der im Zeichen von 50 Jahren Frauenstimmrecht stand, war symbolträchtig. Die Frauenmehrheit in der Solothurner Regierung zeigt, dass tüchtigen Frauen heutzutage alle Türen offen stehen. Frauen(rechtlerinnen), die weiterhin den Geschlechterkrieg befeuern, laufen Gefahr, dass sie den Holzweg, auf dem sie sich bewegen, in Brand stecken. Denn Auswüchse hinsichtlich Übervertretung gibt es mittlerweile nicht nur bei Männern. So ist beispielsweise das achtköpfige Gleichstellungsbüro in Basel ausschliesslich mit Frauen besetzt, die sich einen männlichen wissenschaftlichen Praktikanten halten. In solchen Fällen besteht Handlungsbedarf, unabhängig davon, ob die Übervertretung Männer oder Frauen betrifft.

Auch in der Bevölkerungsstatistik besteht im Kanton Solothurn zwischen den Geschlechtern praktisch Parität: 50,01 Prozent Männer, 49,99 Prozent Frauen. Ende 2020 zählte der Kanton gemäss Statistik 278640 Einwohnerinnen und Einwohner. 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im gleichen Zeitraum ist die Bevölkerung in der Schweiz um 0,7 Prozent auf 8,67 Millionen Menschen angewachsen. Übrigens: Wer wissen will, der wievielte Mensch auf Erden er bei seiner Geburt war, kann das online über die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung erfahren. Ich erhielt die Antwort, Nummer 2 876 960 645 gewesen zu sein. Das zeigt, wie sehr die Weltbevölkerung in den letzten 64 Jahren zugenommen hat: Von zirka 2,9 Milliarden Personen in meinem Geburtsjahr 1957 auf etwa 7,9 Milliarden jetztig. Bei diesem enormen Bevölkerungswachstum, das mit einem zusätzlichen Bedarf an Wohnraum und Ressourcen einhergeht, muss man sich über die gestiegen Problemlast auf der Erde hinsichtlich Umweltbelastung und Ressourcenverschleiss nicht wundern.

Eine Folge der Umweltbelastung durch die Überbevölkerung ist der Klimawandel, der immer mehr Wetterextreme zeitigt. Und wie hilflos der Mensch den Naturgewalten ausgeliefert ist, haben etwa die verheerenden Unwetter in den vergangenen Wochen gezeigt. In Deutschland gelang es nicht einmal, betroffene Menschen rechtzeitig zu warnen. Mit verhängnisvollen Folgen. Eine Warn-App genügt nun einmal nicht, wenn die Leute schlafen. Deshalb will man nun in Deutschland wieder eine flächendeckende Sirenen-Infrastruktur aufbauen. Eine, wie wir sie in der Schweiz kennen. Fazit: Nicht alles eignet sich zum Digitalisieren.

Wir leben in einer verrückt anmutenden Welt. In einer Welt, in der Geschichte geschrieben wird. Vor allem von Politikern und Journalisten, die Vorgänge an der Wetterfront, in Politik und Sport rasch einmal als «historisch» bezeichnen. Man sieht sich eben lieber in der Rolle als Akteur und Geschichtsschreiber des Aussergewöhnlichen, denn als Begleiter des Alltäglichen. Denn das Aussergewöhnliche, Wichtige zeichnet das Leben aus und wertet Biografien auf, nicht das Alltägliche, Banale. Zum Aussergewöhnlichen gehört auch der Coronasommer Nummer zwei. Weil sich nach heutigen Massstäben viel «Historisches» ereignet hat, auch wettermässig. Petrus lässt grüssen.

Beat Nützi ist ehemaliger Chefredaktor des Oltner Tagblatts.

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