Frédy Grimm mag nicht mehr als Lokomotive vorangehen. Der 79-jährige Unternehmer wird sein Hotel-Projekt, das am südwestlichen Dorfrand hätte wachsen sollen, nicht mehr vorantreiben (wir berichteten). «Ich habe für das Archiv gearbeitet», sagte er. In ihm aber lebt die Hoffnung, dass jemand seinen Tourismus-Plan für Welschenrohr eines Tages wiederbelebt.

«Herr Grimm hat nicht einfach geträumt – er hatte eine klare Vision», sagt Mark von Weissenfluh. Der erfahrene Hotel-Unternehmer begleitete Grimm bei seinem Welschenrohrer Projekt und hatte das Hotel-Konzept verfasst. Für den Direktor des Grand Hotel Giessbach im Berner Oberland ist klar: Das Naturpark-Hotel war eng an die Person Frédy Grimm gebunden. Nur eine Persönlichkeit mit dem Rückhalt und der Vernetzung wie Grimm sie in der Region ausweisen könne, sei imstande, dieses Projekt weiterzutragen.

War es nicht utopisch, im hinteren Thal ein Hotel dieser Art initiieren zu wollen? Von Weissenfluh verneint: «Sonst wären wir nie weiter als das Vorprojekt gegangen.» Der Berner Hotel-Direktor ist überzeugt, dass in der Schweiz in Zukunft vermehrt Hotel-Betriebe mit starker regionaler und lokaler Verwurzelung gefragt sein werden. «Ich verstehe Frédy Grimms Frust – die Zeit wird zeigen, ob seine Arbeit bloss für das Archiv war», so von Weissenfluh.

Bremsklotz Raumplanungsgesetz

Das 2014 in Kraft getretene Raumplanungsgesetz kommt Grimms Naturpark-Hotel in die Quere. «Es war eine Unbekannte, wie sich die Umzonung auf das Projekt auswirken wird», sagt von Weissenfluh. Jetzt zeigt sich: Es wirkte sich vernichtend aus: Die Vision des Welschenrohrer Unternehmers war es gewesen, das Grundstück für sein Hotel möglichst günstig zu erwerben. Weil die Gemeinde aber das alte Fussballfeld, wo das Hotel projektiert war, in eine Bauzone hätte verschieben müssen, stieg der Preis.

Auch der Welschenrohrer Gemeindepräsident Stefan Schneider bedauert Grimms Entscheid, sich zurückzuziehen, zeigt aber auch Verständnis: «Ich habe immer befürchtet, dass das Projekt an der Raumplanung scheitert», sagt Schneider. Grimm hatte indes nichts unversucht gelassen. Er gab eine Raumplanungsstudie in Auftrag, um herauszufinden, welche Parzellen sich am ehesten für eine Umzonung eignen würden. Besonders Bauland, das an den Dorfrändern liegt, hätte sich geeignet.

Die Studie ergab, dass sich in Welschenrohr knapp 15 000 Quadratmeter für eine Auszonung empfehlen. Gut 10 000 Quadratmeter wären für die Umzonung des alten Fussballplatzes notwendig gewesen, der neu beim Schulhaus hätte stationiert sein sollen. Das Naturpark-Hotel war auf einem 13 400 Quadratmeter grossen Areal vorgesehen und hätte neben dem Fussballfeld zwei weitere Wohnzonen beansprucht. «Es wird schwierig, dieses Projekt je zu realisieren», sagt Schneider. Die Bauland-Situation werde wohl immer «eine Knacknuss» sein. Wie das Raumplanungsgesetz vorschreibt, müssen Gemeinden mit zu grossen Reserven in absehbarer Zeit Bauland Rückzonen.

Zu welchem Preis?

Noch ist ungewiss, ob dies Welschenrohr treffen könnte. In der Thaler Gemeinde ist die Ortsplanrevision aufgeschoben, weil sie mitten in den Verhandlungen für eine Fusion mit Gänsbrunnen steckt. Gehen die beiden Orte im hinteren Thal zusammen, wären die Flächenverhältnisse der neu geschaffenen Gemeinde wieder ganz anders. Gestützt auf den kantonalen Richtplan müsste diese womöglich Bauland auszonen. Grimm hatte daher gehofft, Welschenrohrer Landbesitzer könnten ihm entgegenkommen und ihr Bauland zu Konditionen abtreten, die für das Hotel vorteilhaft wären. Dem war nicht so.

Der Hotel-Initiator hätte sich gewünscht, bei den Verhandlungen besser durch die Kommission für Wirtschaftsförderung unterstützt zu werden, als er von Tür zu Tür zog, um Bauland zu erwerben. Gemeindepräsident Schneider ist zugleich Präsident dieser Kommission und sagt hierzu: «Wie kann ich verhandeln, wenn ich nicht weiss, was die Investoren für das Land ausgeben wollen?» Die Gemeinde habe Grimm unterstützt, so gut es ging. «Jedem ist sein Portemonnaie am nächsten», sagt der Gemeindepräsident zu den hohen Umzonungskosten.

Das Naturpark-Hotel bleibt vorläufig eine Vision. Auch Schneider trauert ihr nach: «Manchmal muss man versuchen, innovativ zu sein – gerade wir im hinteren Thal.» Er will das Projekt, das Arbeitsplätze und Tourismus hätte bringen sollen, nicht als Utopie abtun. Dass nun jemand in die Bresche springt, glaubt Schneider aber nicht.