Oensingen

Aus Alt wird Neu: Denkmalpflege beklagt den Verlust eines Hauses an der Hauptstrasse

Bald ist der Neubau, der ähnlich aussieht wie das frühere Haus an gleicher Stelle, wieder bewohnt.

Bald ist der Neubau, der ähnlich aussieht wie das frühere Haus an gleicher Stelle, wieder bewohnt.

«Eine Investition wäre auch mit Erhalt und Restaurierung des Gebäudes möglich gewesen, natürlich mit kleinerem finanziellen Gewinn», schreibt das Amt für Denkmalschutz in seinen Jahresbericht. Die Rede ist vom ehemaligen Wohnhaus an der Hauptstrasse 11 in Oensingen, das abgerissen und neu gebaut wurde.

«Ende 2018 war es beschlossene Sache: Das ehemalige Wohnhaus an der Hauptstrasse 11 in Oensingen sollte abgerissen werden. In der Zwischenzeit sind die Bagger aufgefahren und haben das Gebäude samt Garten verschwinden lassen.» Das schreibt das Amt für Denkmalpflege in seinen Jahresbericht unter der Rubrik «Kurzberichte». «Wir bedauern den Verlust des als schützenswert eingestuften Bauwerks sehr», heisst es weiter. Man habe dem Druck von Investoren für Wohnungsbauten nicht standhalten können, obwohl der Kanton Solothurn erwiesenermassen einen hohen Bestand an Leerwohnungen aufweise und nach wie vor eine rege Bautätigkeit herrsche. Und weiter ist man der Meinung: «Eine Investition wäre auch mit Erhalt und Restaurierung des Gebäudes möglich gewesen, natürlich mit kleinerem finanziellen Gewinn.»

Ins Gewissen wird auch den Gemeinden geredet: «Den Gemeinden würde sich mit solchen Bauten eine hervorragende Gelegenheit bieten, ein differenziertes Wohnungsangebot zu fördern, indem sie das Wohnen in historischen Gebäuden vermehrt unterstützen». Denn ein Neubau, so qualitätsvoll die Architektur auch sein möge, erzähle keine Geschichten über das Leben unserer Vorfahren. Das Objekt ist damit nur noch Erinnerung: an seinem schönen und markanten Vorgarten und mit seiner stimmigen Fassade.
In der Zwischenzeit ist das Gebäude in fast gleichem Grundriss und gleichem Äusserem wieder aufgebaut worden, sodass ein fast identisches Haus wieder an diesem Platz steht. Es sind mehrere moderne Wohnungen eingebaut worden, die wohl auch bald bewohnt sein werden. Was ist also besser? Ein als schützenswert eingestuftes, aber leer stehendes Gebäude, das nach und nach dem Verfall ausgeliefert ist, oder ein Haus, in dem gelebt wird? Wenigstens ist das Haus in gleicher Form wieder aufgebaut worden – denn Flachdächer in Dorfkernen hat es genug. 

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