Ein Kunde nach dem anderen kommt in die Gemeindebibliothek, fast als hätten sie sich abgesprochen. Am Abend wird es noch mehr Leute geben, sagt die Bibliothekarin. Ein paar Kinder haben es sich mit Büchern in der Spielecke ganz hinten im Raum bequem gemacht. Während die ersten bereits Bücher zurückbringen, was spätestens vier Wochen nach Mitnahme geschehen sollte, suchen sich andere zunächst einmal in aller Ruhe den nächsten Lesestoff aus. Bei älteren Büchern ist inwendig auf der Klappe noch die Stempelliste zu sehen.

Sie stammt aus der Zeit, wo es noch keinen Scanner gab. Die letzten Einträge sind von 2007. Bei neueren Büchern — und das sind viele — fehlt diese Stempelkarte. Ein kleiner Bub, er ist mit seinen Grosseltern hier und wird vermutlich nie etwas mit diesen alten Stempelkarten zu tun haben, möchte vor lauter Begeisterung am liebsten gleich selbst den Scanner in die Hand nehmen. In seiner kindlichen Weise erzählt der Kleine von dem Comic-Buch, das er nun ausleihen wird. Die Bibliothekarin hat für alle ein offenes Ohr, sie lächelt das Kind an.

Ein Hoch auf das Gedruckte

Die Bibliothekarin, das ist heute Vreni Rindisbacher. Routiniert tätigt sie den Scanner und bucht die Bücher ein oder aus, beantwortet Fragen und schaut zum Rechten. Sie ist eine der Frauen, die hier arbeiten. Ihre Amtskolleginnen sind Barbara von Rohr, Elisabeth Rieder, Käthi Boner und Christine Bobst.

Das gedruckte Buch lebt weiter, könnte man sagen. Wenn mal wieder eine neue Ausgabe von Harry Potter oder einer anderen beliebten Serie in den Regalen steht, ist die Nachfrage riesig. Es entstehen sogar Wartelisten in der Oensinger Bibliothek. «Die Leute warten gerne auf ein Buch, es gab praktisch noch nie Beschwerden», so Rindisbacher. Die Disziplin der Leute sei sehr gut, was die Rückgabe der Bücher angeht. Und wenn es halt einmal doch nicht klappe, müsse gemahnt werden. Richtig teuer wird es erst ab der dritten Mahnung, die sieben Tage nach der zweiten erfolgt: 25 Franken.

Im neuen Jahr wird sich einiges ändern in der Bibliothek. Da die Gemeinde an allen Ecken und Enden spart, wurden die Öffnungszeiten der Gemeindebibliothek eingeschränkt. Bislang konnten Bücher jeden Wochentag ausgeliehen werden, doch ab dem neuen Jahr wird sie nur noch an drei Tagen geöffnet sein (siehe Box). Zudem wurden die Abogebühren erhöht. Erwachsene und Familien aus Oensingen bezahlen jetzt 40 statt wie bisher 30 Franken und Auswärtige 60 statt 40 Franken. Für Schülerinnen und Schüler der Kreisschule Bechburg ist das Angebot nach wie vor gratis.