Region Olten/Gäu

Aufhebung des Euro-Mindestkurses ist weniger schlimm als befürchtet

Bei der Firma Riggenbach – im Bild Geschäftsführer Peter Eggimann mit einem Mitarbeiter – sind die Auswirkungen des starken Schweizer Frankens noch nicht spürbar.

Bei der Firma Riggenbach – im Bild Geschäftsführer Peter Eggimann mit einem Mitarbeiter – sind die Auswirkungen des starken Schweizer Frankens noch nicht spürbar.

Die Aufhebung des Mindestkurses des Euros zum Franken hatte nicht die katastrophalen Auswirkungen, die anfänglich befürchtet wurden. Trotzdem hat sie auch bei renommierten Unternehmen in der Region Olten und Gäu spürbare Folgen.

Am 15. Januar wurde der Euro-Mindestkurs von der Schweizerischen Nationalbank aufgehoben. Der Schritt kam für viele überraschend – auch für die Wirtschaft. Entsprechend gross war der Aufschrei. Von einer möglichen Rezession war die Rede, von steigender Arbeitslosigkeit und vom Verlust der Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Exportwirtschaft aufgrund des starken Frankens. Wir fragten bei mehreren renommierten Unternehmen in der Region nach den Auswirkungen des starken Frankens nach.

EAO: Arbeitszeiten erhöht

Unmittelbar nach dem Entscheid der SNB hat die Firma EAO in Olten, Herstellerin von Tasten, Tastaturen und ganzen Bedienelementen, die Folgen des starken Frankens zu spüren bekommen, denn sie exportiert 90 Prozent ihrer Produkte, 60 Prozent davon in den Euroraum. «Es war für uns ein Schock», so CEO Kurt Loosli. Doch die Firma hatte vorgesorgt: Sie verfügt seit der Eurokrise 2011 über diesbezügliche Massnahmenpläne. «Wir haben sofort Preisverhandlungen mit unseren Lieferanten geführt und arbeiten mit Hochdruck weiter daran, unseren Einkauf in dafür geeigneten Bereichen in den EU-Raum zu verlegen», erklärt Loosli.

Zudem wurden die Budgets für das laufende Geschäftsjahr analysiert und verschiedene Ausgaben und Investitionen gestoppt. Trotzdem kommt Loosli nicht darum herum, einen Einstellungsstopp zu verhängen und die Arbeitszeiten ab 1. April um 2,5 Stunden pro Woche auf 43,5 zu erhöhen. «Diese Massnahme gilt vorerst bis Ende Jahr und soll dazu dienen, die laufenden Projekte schneller fertigzustellen.» Entlassungen gab es bisher keine.

Mungo: Sparpaket

Auch die Mungo Befestigungstechnik AG in Olten exportiert ihre Produkte und erzielt die Hälfte des Umsatzes in Euro. Entsprechend stark hat das Unternehmen die Eurokrise zu spüren bekommen. «Wir haben als Sofortmassnahme auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses ein Sparpaket quer durch alle Abteilungen lanciert», erklärt Finanz- und Personalchef Markus Aebi.

Trotzdem habe sich nicht verhindern lassen, dass in der Schweiz ein paar Mitarbeiter entlassen werden mussten. «Wir haben nicht nur mit der Eurokrise zu kämpfen, sondern uns bereiten auch der sinkende Wert des Rubels und die schwächelnde russische Wirtschaft Sorgen, denn Russland ist ein wichtiger Kunde», so Aebi. «Wir denken darüber nach, die Arbeitszeiten für die Mitarbeiter zu verlängern.»

Druck in der Bücherbranche

Längere Arbeitszeiten sind bei der Buchzentrum AG in Hägendorf bereits seit dem 1. März in die Tat umgesetzt worden. Die Mitarbeiter stehen neu 42,5 Stunden pro Woche im Einsatz. Gemäss CEO Hanspeter Büchler steht dies jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. «Die Buchbranche befindet sich generell in einer angespannten Lage. Wir haben gewisse Entwicklungen vorausgesehen und haben daher Anfang November 2014 einige organisatorische Anpassungen vorgenommen. Dazu gehörte auch die Verlängerung der Arbeitszeit.»

Doch auch die Auswirkungen des starken Frankens gehen an der Buchzentrum AG nicht spurlos vorbei. «Wir spüren einen verstärkten Preisdruck durch unsere deutschen Mitbewerber», so Büchler. Deshalb gewährt das Unternehmen seinen Kunden seit Mitte Januar einen Währungsbonus und wird ab April die unverbindlichen Preisempfehlungen an die neue Währungssituation anpassen.

Riggenbach und Bell: Kaum spürbar

Anders präsentiert sich die Situation bei der Firma Riggenbach, die auf dem Gebiet der Belüftungs- und Klimatechnik zu Hause ist. Auswirkungen sind für das Oltner Unternehmen, das primär in der Schweiz tätig ist, zumindest vorläufig noch kaum zu spüren. «Grosse Bau- oder Sanierungsvorhaben werden in der Schweiz während der Bauphase nicht einfach gestoppt, sondern werden fast immer zu Ende gebracht», liefert Geschäftsleiter Peter Eggimann die Begründung. «Allerdings werden wir, da wir einen grossen Anteil Industriekunden haben, die Folgen der Eurokrise mit einiger Verzögerung auch zu spüren bekommen. Dann nämlich, wenn neue Bauprojekte nicht oder erst später umgesetzt werden.» Entsprechend kann die Firma Riggenbach erst gegen Ende des Jahres beurteilen, wie gross die Auswirkungen des starken Franken sein werden.

Aus einem anderen Grund als die Firma Riggenbach ist der Fleischwarenhersteller Bell, der in Oensingen eine Niederlassung hat, derzeit kaum vom starken Schweizer Franken betroffen. «Wir wickeln zwar einen Teil unserer Geschäfte im Ausland ab, aber wir produzieren in der Regel jeweils direkt im Verkaufsland. Dadurch gibt es nur kleine Geldflüsse, die von den Auswirkungen des starken Schweizer Frankens betroffen sind», erklärt Fabian Vetsch, Projektleiter Corporate Communication bei Bell.

Kein Auslastungsproblem

Obwohl längere Arbeitszeiten oder gar Entlassungen bei der Firma Nussbaum kein Thema sind, spürt das Unternehmen mit Hauptsitz in Olten die Folgen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. «Wir haben beim Export mit Margenrückgängen zu kämpfen und im Inland haben wir einen Preisrückgang auf rund der Hälfte des Sortiments», so Roy Nussbaum, Delegierter des Verwaltungsrats. Wie hoch die Rückgänge ausfallen, wollte er nicht angeben. Klar ist jedoch, dass der starke Franken bisher noch keine Auswirkungen hatte auf die rund 400 Mitarbeitenden der Firma, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Armaturen und Installationssystemen spezialisiert hat.

Wernli: diesmal verschont

Ebenfalls ohne grosse Turbulenzen hat sich der Biscuit-Hersteller Wernli, der zur Hug AG gehört, durch die aktuelle Eurokrise gewirtschaftet. Einerseits weil ein beträchtlicher Anteil der internationalen Geschäfte in Dollar abgewickelt wird und sich der Dollarkurs bereits wieder erholt hat. Andererseits aufgrund der Restrukturierungen, die 2012 als Reaktion auf die letzte grosse Eurokrise vorgenommen wurden. «Damals hat es uns hart getroffen, aber dafür blieben wir diesmal bisher weitgehend verschont. Auch für unsere Mitarbeiter blieb alles beim Alten», erklärt Marianne Wüthrich Gross, Standortleiterin Trimbach.

Auch der Elektroapparate-Hersteller Jura mit Sitz in Niederbuchsiten hat den starken Franken zu spüren bekommen. «Unsere Euro-Umsätze sind in Schweizer Franken weniger wert», so CEO Emanuel Probst. Mit mehr Wachstum, das mit dem bestehenden Sortiment und neu lancierten Produkten erzielt werden soll, will Jura der aktuellen Situation entgegenwirken. Längere Arbeitszeiten oder gar Entlassungen sind dabei kein Thema. «Die Schweizer Wirtschaft hat ein Währungs- kein Auslastungsproblem. Das sollte nicht verwechselt werden», stellt Probst klar.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1