Egerkingen
Auffahrtskonzert der Musikgesellschaft Konkordia

Im direkten Vergleich waren am diesjährigen Auffahrtskonzert in der MühlemattHalle in Egerkingen die «Konkordia», ein voll ausgebautes Blasorchester in Harmonie-Besetzung, und die Oberaargauer Brass Band, ein Höchstklasse-Ensemble, zu hören.

Edgar Straumann
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Carlo Balmelli dirigiert die «Konkordia»Egerkingen, das einzige so reich besetzte Blasorchester in der Region.

Carlo Balmelli dirigiert die «Konkordia»Egerkingen, das einzige so reich besetzte Blasorchester in der Region.

Markus Müller

Beide Vereine überzeugten mit ihrer hohen Spielkultur. Das Konzert stiess nicht nur in der Region, sondern weit darüber hinaus auf grosses Interesse. Die Mühlematt-Halle war bis auf den allerletzten Platz besetzt. Barbara Junker, Präsidentin der «Konkordia» Egerkingen, gab nicht weniger als 32 Delegationen von Musikvereinen bekannt. Und sie wies darauf hin, dass dieser Auftritt als eine Standortbestimmung für die Teilnahme am Luzerner Kantonalen Musikfest in Sempach vom 6. Juni zu betrachten sei.

Harmonie spielt Brass-Literatur

Die «Konkordia» eröffnete das Konzert mit «Landscapes», 2013 vom Amerikaner Rossano Galante als Brass Quintett geschrieben. Unter der Leitung von Carlo Balmelli zeigte das Blasorchester mit dieser Version gleich das ganze Spektrum seines Könnens. «A Symphonic Requiem» wurde als Auftragskomposition für die Nationale Jugend-Brass-Band geschrieben und nun als Aufgabestück
1. Klasse Harmonie für das Luzerner Kantonale Musikfest 2015 bestimmt. Dieses Werk, kurz nach dem Tod des berühmten St. Galler Komponisten Paul Huber von Thomas Trachsel komponiert, trägt zu dessen Ehren den Untertitel «In Memoriam Paul Huber». Der Komponist beschreibt den Kampf gegen das Schicksal, gegen oder für den Tod und für die Hoffnung. Nach einem eher langsamen, aber dennoch interessanten und spannenden Anfang mit teilweise mystischen Klängen steigert sich die Komposition zu einem klanggewaltigen Choral. Nach dem eindrücklichen Finale liess es sich der anwesende Komponist Thomas Trachsel nicht nehmen, dem Dirigenten höchstpersönlich zu gratulieren.

Auf seine Beurteilung angesprochen meinte er: «Wir haben hier ein hervorragendes Orchester, das für die Herausforderung am Luzerner Kantonalen auf gutem Wege ist. Ich wage sogar eine Prognose: Wenn in der verbleibenden Zeit bis zum 6. Juni noch der letzte Feinschliff erfolgt, dürfte das wohl zum besten Vortrag führen.»

«Wir tauchen ab ins 16. Jahrhundert» war weiter von Moderator Michael Nünlist zu vernehmen. Für «Egmont a symphonic poem» von Bert Appermont bildet Beethovens Oper «Egmont» die Basis. Die «Konkordia» hat das Werk bereits am Jahreskonzert auf eindrückliche Art vorgetragen, jetzt war eine Steigerung unverkennbar. Die musikalisch aufgezeichnete Geschichte aus dem Königshaus mit tänzerischen Elementen, auf der Gitarre von Franziska Scherer wirkungsvoll untermalt, die Ränkespiele am Hof und schliesslich das tragische Ende von Egmont erfuhr einen sehr nachhaltigen Eindruck.

Mit George Gershwins Oper «Porgy and Bess» erfolgte zum Schluss ein Schritt in eine ganz andere Stilrichtung. Der besondere Sound dieser Nummer wurde echt «amerikanisch» dargeboten und liess das Publikum erneut zu Beifallsstürmen animieren und gleichzeitig nach Zugaben fordern.

Brass Band der Spitzenklasse

Den zweiten Konzertteil bestritt diesmal als Gastverein die Oberaargauer Brass Band unter der Leitung von Armin Bachmann. Wie es bei einer Brass Band eine englische Tradition sei, mache der Dirigent gleich selber die Ansagen, sagte Bachmann. Und er tat dies auf höchst unterhaltsame Art. Unterhaltsam waren auch sämtliche Vorträge, welche dieser Höchstklasseverein bot. Mit der Eröffnungsnummer «Grand Fanfare» wurde das nach wie vor gut gelaunte Publikum nach Südamerika entführt, anschliessend nach Grossbritannien, «In Old London Town». Der erste Satz «With the Kings and Queens» wirkte majestätisch, nicht zuletzt auch dank den Soloparts, mit räumlichen Effekten vorgetragen. Der zweite Satz «At the royal Parks» lud zum Flanieren ein und im dritten Satz «The City that never sleeps» wurde amüsant und eindrücklich bewiesen, dass London nicht zum Schlafen ist.

Grandioser Sound

Eine eigentliche Solistenparade war die Suite «Different Trains». Im Satz «Last Train Home» überzeugte Manuel Borer auf dem Euphonium. In den weiteren Sätzen «Night Train» und «Mind the Cap» glänzten beinahe alle Musikantinnen und Musikanten als Solisten, in «Railway Children» war es besonders die Kornettistin Belinda O’Reilly mit ihrer traumhaften Tongebung. Auch Arthur Honegger widmete eine Hommage an die Dampflokomotive, betitelt mit «Pacific 231». Nach dem tosenden Applaus konnte auch die Brass Band eine Zugabe nicht vorenthalten, die mit dem Marsch «The Bombardier» mit einem grandiosen Sound gegeben wurde.