Balsthal

Aufbruchsstimmung im Altersheim

Die Dramatisch-Literarische Gesellschaft feierte die Premiere mit ihrem neuen Stück «Haus der letzten Chancen» vor dem ausverkauften Rössli-Saal in Balsthal.

Als der Vorhang im nicht ganz ausverkauften Rössli-Saal in Balsthal für die diesjährige Premiere der Dramatisch-Literarischen Gesellschaft Balsthal (DLG) aufgeht, mag manch ein Zuschauer gestaunt haben: Auf der Bühne stehen vier Betten.

Allerdings nicht am Boden, wo man sie erwarten würde, sondern vertikal aufgestellt im Hintergrund der Bühne, quasi als Bühnenbild. Vorne ein Tisch und vier Stühle. Auf ihnen sitzen die vier Hauptdarsteller des Stücks «Haus der letzten Chancen – wenn die Alten flügge werden».

Der Name ist Programm. Die betagten Alten mögen auf den ersten Blick, und auch in Anwesenheit der beiden Pflegerinnen, senil und unzurechnungsfähig erscheinen. In Wahrheit haben sie es faustdick hinter den Ohren. Allen voran Paula Glutz, gespielt von Sandra Bloch. Die alte Frau gibt vor, Solitär auf ihrem Laptop zu spielen.

Tatsächlich hackt sie sich in Zeitungsredaktionen und Bundessysteme ein, um mit ihren beiden Kollegen Alice Iseli (Carina Bührer) und Karl Amstutz (Ruedi Baumgartner) ihre Mission durchzuziehen: Sie wollen der Schweiz zeigen, dass alte Leute durchaus ernst zu nehmen sind. Unter diesem Motto lassen sie falsche Artikel im «Tages-Anzeiger» erscheinen und planen eine Senioren-Demonstration.

«Hüehner ropfe»

Der Stein des Anstosses: Einige Tage zu vor den Szenen im Altersheim hat das Schweizer Stimmvolk über eine Initiative abgestimmt, die Alters-Wohngemeinschaften ermöglichen wollte. Die Initiative wurde abgelehnt – sehr zum Unmut der Altersheimbewohner, die sich gut vorstellen könnten, in eine WG zu ziehen.

Zumal sie dann auch ganz offiziell Pizza vom Lieferdienst bestellen könnten, ohne vorhin den Griessbrei der Altersheim-Küche der Pflanze in der Ecke als Dünger zu geben. Mit solchen Schmankerl sorgen die drei immer wieder für amüsante Szenen.

Mit Abstand am meisten Lacher heimst aber Albert Heutschi, von allen nur «Bärteli» genannt, ein. Er sitzt fast während der ganzen Vorführung auf seinem Stuhl, in der Hand eine Musikspieldose, die er immer wieder öffnet – auch wenn dies die anderen gar nicht goutieren. Sagen tut Bärteli, gespielt von Beat Rudin, nicht viel. Er glaubt nämlich immer noch, dass er sich auf seinem Bauernhof befindet.

Dementsprechend ruft er immer wieder Aufgaben, die er zu erledigen hat, dazwischen. «Hühener ropfe», «Stall meschte» oder «Schnee schufle» tönt es dann zu den (un-)passendsten Momenten aus der rechten Ecke der Bühne. Und damit sorgt er für viel Gelächter im Publikum.

Auch die intrigante Francine de Chevallier verkörpert die alternde Dame, die früher einmal für ihren Operngesang in Wien bekannt war, hervorragend. Sie watschelt mit gekonnter Eleganz auf der Bühne herum oder spielt die Diva, die einen Tobsuchtsanfall hat, weil ihr niemand Glauben schenkt.

Spannung fehlt zuweilen etwas

Überzeugend ist auch der Klarinettist, der mit seinen Solos, die er ab und zu für kurze Gesangseinlagen unterbricht, die Pausen während den Szenen hervorragend überbrückt. So nimmt die Komödie ihren Lauf und setzt sich mit einem wichtigen Aspekt der Gesellschaft auseinander: Der älteren Generation, die topfit ist im Kopf, aber schwach auf den Beinen. Dies setzten alle Altersheimbewohner mit einer Überzeugung um, die beeindruckend ist.

Die gebückte Haltung und das Händezittern nimmt der Zuschauer den Schauspielern tadellos ab. Trotzdem mag der Funken der Handlung nicht immer auf die Zuschauer überspringen, es fehlt zwischenzeitlich an der Spannung. Alles in allem ein tolles Theaterstück, dass auf ein sensibles Thema hinweist.

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