Friedlich und still steht das Schulhaus Brühl in der naturnahen Umgebung von Mümliswil. Nichts weist aussen auf die energiereiche Atmosphäre hin, die im Innern des Gebäudes herrscht. Doch schon bald nach dem Eingang in das Schulhaus werden Stimmen hörbar, die in die Konzertaula führen, wo die Solisten der diesjährigen Classionata mit dem Chefdirigenten Andreas Spörri, Regisseur Thomas Mittmann und Korrepetitorin Stella Timenova fleissig den zweiten Akt der Operette «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss üben.

Während Dirigent Spörri mit seinem Stab leidenschaftlich die einzelnen Töne hervorlockt und in Harmonie bringt, singen die kräftigen Stimmen das Werberlied, welches sie fröhlich zum Tanz bewegt.

Bald kommt Chor hinzu

Noch haben die zehn Solisten die Bühne für sich, doch ab dem kommenden Wochenende wird auch der zwanzigköpfige Chor zu den auf Hochtouren laufenden Proben stossen. «Bis am Sonntag soll nämlich ein erster Durchlauf gemacht werden», so der Intendant und künstlerische Leiter Spörri. Ihm steht die schwierige Aufgabe zu, die musikalische Vorstellung mit der szenischen zusammenzubringen: «Eins plus eins gibt dabei immer drei». Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur sei dabei sehr wichtig.

Dieser gibt nun auf der Bühne konkrete Anweisungen und spielt den Künstlern noch so gerne eine Szene als Beispiel vor. Schnell werden die wertvollen Tipps von den professionellen Künstlern umgesetzt. Auch sie spüren, dass schon bald alles perfekt sitzen muss. Ganze zehn Tage hintereinander werden sie und alle anderen Beteiligten eine perfekte Show über die Bühne bringen müssen. «Das ist jedes Mal eine Herausforderung», so Spörri, der seit 1999 die Classionata im Guldental biennal durchführt. Doch die euphorische Vorfreude scheint den erfahrenen Dirigenten über die harte Knochenarbeit hinwegsehen zu lassen.

Beschwingendes Gefühl

Dieses Jahr wählte der Classionata-Gründer Spörri mit dem «Zigeunerbaron» ein Stück seines Lieblingskomponisten Johann Strauss. Er schaffe es innerhalb von wenigen Takten eine neue Atmosphäre zu bilden und mit dem ¾- Takt ein beschwingendes Gefühl zu erzeugen, erklärte Spörri. «Da wird der Zuhörer einfach mitgerissen», schwärmte der Intendant weiter. Mit dieser Musik möchte Spörri «Emotionen, also geistige Nahrung, weitergeben.» Die Leidenschaft und das Herzblut, mit welchen der Chefdirigent dieses Projekt betreut, ist wahrhaftig auf der Haut zu spüren. Der Name «Classionata», welcher sich aus «Classic», «Sonata» und «Passion» zusammenfügt, passt also wortwörtlich zum biennalen Klassik-Event.

Sehr spannend sei bei der Operette «Der Zigeunerbaron», die wegen des Finales nach Spörri eher als «Spieloper» zu bezeichnen wäre, das Gegenpaar Komik und innige Liebe. Dieses wird einerseits durch die Schlitzohrigkeit des wohlhabenden Schweinefürsten Zsupán und anderseits durch die innige Liebesszene zwischen der Zigeunerin Saffi und dem «Zigeunerbaron» Barinkay widerspiegelt.

Speziell an der Classionata ist der Standort. Jedes zweite Jahr wird das ganze Schulhaus-Areal mitten in Mümliswil für zehn Tage zum Festivalgelände. Dafür ist der Gründer mit seinem kleinen Leiterteam auf viele Mitwirkende angewiesen: Etwa 115 Leute sind vor und hinter der Bühne im Einsatz. Warum wählte Spörri für sein Festival aber nicht eine der grossen Städte aus? «Ich entschied mich mit Absicht für einen dezentralen Ort. Mein Ziel ist es nämlich, die Freude an der Klassik auch hier weiterzugeben.»

Nebst der Operette veranstaltet er während des elftägigen Festivals, welches am 18. April startet, auch jedes Mal ein Sinfoniekonzert in der St.-Martins-Kirche in Mümliswil. Dieses bildet den sinfonischen Teil des Festivals und liegt dem Gründer besonders am Herzen: «Es ist mir wichtig, zu den Leuten zu gehen. Die Musik zu ihnen, in ihre Kirche, zu bringen.» Diesmal wird Dieter Flury, Soloflötist der Wiener Philharmoniker, die «Mozart-Gala» vom 22. April bereichern.

Seit 20 Jahren engagiert sich Spörri mit diversen Projekten in Mümliswil, wo er auch örtliche Orchester und Musikschaffende einband. Für die Classionata gründete Spörri vor zwei Jahren auch ein Festival-Orchester, das vorwiegend aus Schweizer Musikerinnen und Musikern besteht. Die Classionata ist im Guldental mittlerweile zur Tradition geworden und kann sich eines immer grösser werdenden Stammpublikums rühmen.

Weitere Infos auf www.classionata.ch

Tel. 079 563 87 09