Steile Karriere

Auf diese 32-jährige Balsthalerin hören die Wirtschaftskapitäne

Die Balsthalerin Nina Spielmann (32) berät KMU in der ganzen Welt.frb

Die Balsthalerin Nina Spielmann (32) berät KMU in der ganzen Welt.frb

Nina Spielmann, erfolgreiche Jung-Managerin aus Balsthal, startet durch. Die 32-Jährige berät internationale Wirtschaftskapitäne und wurde kürzlich vom Arbeitgeber-Verband auf die Liste von Schweizer Spitzenfrauen gesetzt - als Jüngste.

Die 32-jährige Nina Spielmann aus Balsthal hat vor wenigen Tagen Schlagzeilen gemacht. «Arbeitgeber stehen auf eine 31-jährige Solothurnerin» stand da beispielsweise in den grossen Lettern einer Abendzeitung. «Interessant und abwechslungsreich» titelte ein Wirtschaftsblatt über sie. Grund für diese Headlines war die Initiative des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, sich für mehr Frauen in Verwaltungsräten von Schweizer Firmen starkzumachen.

Eine Liste mit geeigneten 400 Frauen wurde erstellt – darauf stand der Name von Nina Spielmann. Sie ist 1983 geboren, damit die Jüngste. Dass sie mit 32 Jahren so viel Aufsehen erregt, erstaunt nicht, wenn man sie kurz zu einem Kaffee trifft. Die Time Lounge Bar am Bahnhof Zürich ist die geeignete Location für das kurze Gespräch. Die elegant, Business-like gekleidete Frau zieht Blicke auf sich und geht zielstrebig voraus. Sie bestellt einen Latte macchiato und lächelt. «Dieser Medienhype kam ziemlich überraschend», denn eigentlich habe sie die Schlagzeilen der Abendzeitung nicht autorisiert. Dass sie jetzt aber der Regionalzeitung ein Interview gibt, das sei etwas anderes. Denn die Solothurner Zeitung ist das Blatt, das sie von Kind auf kennt – genau gleich wie die Journalistin.

Nina ist die Älteste von vier Geschwistern. Sie wuchs in Balsthal auf, wo ihr Vater und auch schon ihr Grossvater einen Handwerksbetrieb führten und im Dorf kulturell oder politisch aktiv waren und noch sind.

Ansporn durch das Studium

Sie besuchte das damalige Wirtschaftsgymnasium in Solothurn, das sie 2002 mit der Matura verliess und ging an die Universität St. Gallen HSG, um Wirtschaft zu studieren. «Das Thema hat mich einfach interessiert.» Sofort habe sie sich an der HSG sehr wohl gefühlt, berichtet sie. Die Internationalität der Hochschule, sowie die stetigen Herausforderungen im Studium zwischen Theorie und Praxis hätten sie besonders angespornt. Rasch arbeitete sie neben dem Studium in der dortigen internationalen Studentenorganisation AIESEC mit. «Ich hatte die Aufgabe, Studierenden bei der Organisation eines Auslandpraktikums behilflich zu sein. Das hat grossen Spass gemacht, drei Jahre lang.»

In den rund zehn Jahren, welche sie für ihr Studium inklusive Doktortitel benötigte, hat Nina Spielmann aber auch immer wieder praktische Berufserfahrungen gesammelt. Sei es bei verschiedenen Banken, einem Hotel, oder Handelsorganisationen. «Der Praxisbezug war und ist mir in meiner Arbeit immer enorm wichtig. Und mit den Tätigkeiten in den USA oder Mexiko habe ich auch gleich noch mein Englisch und Spanisch verbessert.» Einzig in Finnland, wo sie ein Austauschsemester absolvierte, sei es für sie schwierig gewesen, sich in der Landessprache zu verständigen, lacht sie. Früh hat die junge Frau gelernt, sich in einem internationalen Umfeld zu bewegen. Dementsprechend ist ihr Freundeskreis über den ganzen Globus verteilt. Das ist im Zeitalter von Mail, Facebook und Skype kein Problem.

Durch Spielmanns berufliche Tätigkeit zieht sich das Thema «Verwaltungsrat» wie ein roter Faden. Sie sagt: «Schon in meiner Bachelor-Arbeit untersuchte ich dieses Gebiet.» 2009, mitten in der Bankenkrise, schloss sie den Doppel-Master in Finance & Accounting und Internationalem Management in St. Gallen ab. Eine grosse Bank wurde auf die talentierte Jung-Managerin aufmerksam und so bekam sie die Chance, neben einer Anstellung an ihrer Dissertation zu arbeiten. 2012 konnte sie diese mit dem Titel: «Internationale Corporate Governance.

Best Practice Empfehlungen für Klein- und Mittelunternehmen» einreichen und bekam dafür den 1. Preis für die beste in diesem Jahr an Schweizer Universitäten vorgelegte Doktorarbeit. Darin behandelt sie den Schwerpunkt, welche unterschiedlichen Anforderungen an Verwaltungsräte von Klein- und Mittelunternehmen weltweit gestellt werden. «Ein Thema, das viele Unternehmen in der ganzen Welt beschäftigt», sagt sie. «Überall ergeben sich ähnliche Probleme, auch wenn es regulatorische und kulturelle Unterschiede zu beachten gilt». Zu wenig Zeit für ihr Unternehmen, das sei das grösste Problem der Verwaltungsräte. «Es folgen weitere Fragen wie die, sich fundiertes Wissen über das Unternehmen zu verschaffen oder die Nachfolgeregelung in der Unternehmungsführung».

Der Ausgleich: Freunde, Familie

Nach ihrer Dissertation wurde die Balsthalerin vom weltweit aktiven Unternehmens- und Strategieberater McKinsey & Company in Zürich engagiert. Seit 2013 arbeitet sie dort und berät Unternehmen in der ganzen Welt. «Practice Manager Board Services» heisst ihre Funktion. Eben hatte sie mit einer Firma aus dem Mittleren Osten Kontakt, gleich konferiert sie mit Spanien, beschreibt sie den heutigen Terminplan. «Es werden oft längere Arbeitstage. Doch das macht mir nichts aus». Was neben der Arbeit für die junge Frau noch bleibt, ist ein wenig Sport: Bewegung in der Natur, joggen, wandern. «Das brauche ich schon», sagt sie.

Nina Spielmann lebt in einer Partnerschaft, die Familie, die Freunde, sind ihr sehr wichtig. Rund einmal pro Monat zieht es sie, die seit 2009 in Zürich lebt, zurück nach Balsthal. «Ich lege Wert darauf, den Kontakt zu meiner Familie zu pflegen und die Zeit mit meinen Eltern und Geschwistern zu geniessen», betont sie. Ihre Eltern wissen stets über ihren Aufenthaltsort in der Welt Bescheid. Mail und Telefon macht es möglich. Sie ist immer in Bewegung, wissbegierig und interessiert. «Wenn ich Ferien habe und auf Reisen gehe, will ich etwas kennenlernen. Mich interessieren fremde Kulturen. ‹Nur› an einem Swimmingpool herum liegen – das passt gar nicht zu mir».

Zum Thema Frau und Karriere, das sie in die «Schlagzeilen» brachte, meint sie: «Ich selbst habe bisher nie die Erfahrung gemacht, dass ich aufgrund meines Geschlechts einen Nach- oder Vorteil gehabt hätte. Für eine Karriere braucht es viel Disziplin und Arbeit und manchmal sicher auch etwas Glück. Ich habe gelernt, dass man seine Karriere selbst in die Hand nehmen muss.»

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