Härkingen wird derzeit nicht nur wegen Verkehrsstaus frequentiert. Fährt man durchs Dorf, geleitet von Hinweisschildern, fährt man auf eine kleine Anhöhe, den Hubel, hinaus. Dort befindet sich ein Teil der Weihnachtsbaumkulturen von Peter und Margot Wyss. Viel Betrieb herrscht derzeit dort oben. Es kommen Hausfrauen, Pensionäre, Mitarbeiter von Gärtnereien vorbei – alle auf der Suche nach Nadelgehölzen aller Art.

Deko-Äste liegen schön gebündelt bereit, Holzschnitzereien für drinnen und draussen können bestaunt werden. Etwas weiter hinten beginnt gleich die Plantagenanlage, daneben steht das Wohnhaus der Familie Wyss. Betritt man diesen Bereich, überkommt einen ein Hauch von Waldweihnacht. Grosse und kleine Nadelbäume stehen hier, genauso wie im Wald in Gruppen nebeneinander.

Manche sind mit einem gelben Band markiert auf dem Nummern und Namen stehen. Diese haben sie Kunden schon ausgesucht. Sie werden erst kurz vor Heiligabend von Wyss und seinen Mitarbeitern gefällt. Meist sind es Nordmanntannen, aber auch Rottannen, seltener mal eine Coloradotanne. Peter Wyss durchstreift sein rund 2 ha grosses Grundstück, das er von seinem Vater geerbt hat.

Hier hat er sich zusammen mit seiner Frau Margot seit 2003 ganz der Aufzucht von Weihnachtsbäumen verschrieben. Der ausgebildete Förster erzählt, er habe dieses Metier jedoch schon in seiner Zeit als Förster bei der Bürgergemeinde Balsthal nebenbei gepflegt und dann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. «Am Anfang gab es auch harte Zeiten», sagt er und schmunzelt, denn wer beschliesst, eine Weihnachtskultur ins Leben zu rufen, braucht ein paar Jahre, bis er die ersten Bäume ernten und auf den Markt gehen kann. Doch heute blickt Wyss mit Freude auf seine Arbeit zurück. «Inzwischen pflanzen wir auf rund 10 ha an vier verschiedenen Standorten an.»

Reservierte Rottanne für Kunden

Reservierte Rottanne für Kunden

Rund 14 000 Bäume liefert Wyss während der Weihnachtszeit – den grössten Teil an Grossverteiler. Dieses Geschäft ist bereits gelaufen. Bis Ende November mussten die Bäume geerntet und in ein grösseres Verteillager geliefert werden. Die Bäume, die Wyss liefert, sind somit alle in der Region gewachsen und haben keine langen Transportwege hinter sich. Einzig der Samen der Nordmanntannen kommt von weither, aus Georgien, erzählt Wyss. Dort, in den Wäldern des Kaukasus, ist diese Tannenart heimisch.

Im ersten Jahr nach dem Einsetzen zweier Samen in ein spezielles Töpfchen, wächst der erste Trieb zwischen vier bis zehn Zentimeter. Nach zwei Jahren kommen sie in ein Treibbeet und nach vier Jahren werden sie ins Freie ausgesetzt.

Blick in ins Beet der Vierjährigen

Blick in ins Beet der Vierjährigen

Jetzt beginnt für die jungen Tannen die gefährlichste Zeit. «Einerseits ist es der Frühlingsfrost, die Eisheiligen, vor dem wir immer etwas Bange haben», sagt Wyss und erwähnt, dass auch unsere einheimische Weisstanne empfindlich gegen Frost ist. Andererseits kommt es auch vor, dass die jungen Tannen beim Mähen der Böden beschädigt werden, oder dass Rehe sich auf dem Gelände gütlich tun. Die Weihnachtsbaumkultur ist damit wohl die einzige Stätte, in der Rehe als Schädlinge gelten. Entsprechend sind sie auch alle eingezäunt.

Zwischen sechs und zwölf Jahre alt sind die Tannen, die Wyss auf den Markt bringt. Er muss darauf achten, dass sie möglichst gleichmässige Triebe aufweisen und die Spitzen nicht überlang werden. Dafür greift man zum Mittel des Einkerbens am oberen Ende. Dann läuft etwas Saft aus der Tanne, und sie entwickelt neue Triebe.

«Ich habe – obwohl ich mich als Förster mit Bäumen auskannte – viel über Nadelbäume lernen müssen», sagt Peter Wyss. Es ist eine andere Arbeit, auch mit mehr Kundenkontakt. «Wenn dann niemand mehr kommt und sich einen Baum aussucht, wissen wir, dass Heiligabend ist.»