Diese Woche beschloss die Balsthaler Gemeindeversammlung die sogenannte Hunziker-Wiese, eine 16 782 Quadratmeter grosse, unbebaute Fläche mitten im Dorf, an die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu GAG zu verkaufen. Es soll dort ein sogenanntes Demenzzentrum für die Region entstehen. 4,2 Mio Franken erhält die Gemeinde Balsthal für dieses Land, welches sie selbst vor genau 25 Jahren von den damaligen Eigentümern gekauft hatte. Damals bezahlte man exakt 3,961 Mio Franken für die Fläche, welche zum grössten Teil den Erben des vormaligen Hunzikerhofes, und ein kleinerer Teil der Von-Roll-Immobilien gehörte.

Vor 25 Jahren war beabsichtigt, dort eine Mehrzweckhalle mit neuem Bezirksschulhaus zu bauen. Doch es kam nie dazu. Anhand der Gemeinderatsberichte unseres Ortskorrespondenten Peter Wetzel kann nachvollzogen werden, warum.

«Das grösste Balsthaler Projekt»

Alles begann im Juni 1992. Der Gemeinderat wollte das Land, die sogenannte Hunziker-Wiese oder Grossmatt von der Reservezone in die Zone für öffentliche Bauten umzonen, um dort eine nötig gewordene grosse Schul- und Sportanlage zu bauen. Erste Kaufverhandlungen mit den Besitzern wurde gestartet. Im Oktober 1992 wurde anlässlich einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung der Kauf des Hunziker-Landes und des angrenzenden von Roll-Landes für insgesamt 3 961 500 Franken beschlossen. Eine Urnenabstimmung vom 6. Dezember bestätigte dies. Im Detail wurde für das Hunziker-Land 150 Fr. pro Quadratmeter und für das von Roll-Land 450 Fr. (ehemalige Wohnzone) gezahlt. Der damalige Gemeindepräsident Urs Grolimund meinte: «Das wird das grösste Projekt, das in Balsthal je geplant wurde».

Man legte den Stimmbürgern ein «ausgereiftes Projekt» vor und erklärte: «Steuererhöhung ist nicht nötig». Ein Architekturwettbewerb wurde lanciert und im Januar 1993 wurde das Projekt «Moonwalker» von Pius Flury Architekt Solothurn zum Siegerprojekt gekürt.

Im September 1994 wurde es den Verantwortlichen langsam mulmig, denn die Finanzlage der Gemeinde war schlecht. Man fragte sich im Gemeinderat, ob trotzdem die Planung für das 13,5 Mio. Franken teure Projekt weitergeführt oder ob abgebrochen werden soll. «Die Finanzpläne der Gemeinde zeigen klar auf, dass zum jetzigen Zeitpunkt der Bau einer Mehrzweckhalle nicht infrage kommt; auch in den kommenden fünf Jahren nicht», wurde jetzt erklärt. Beschlossen wurde trotzdem die Planung weiter voranzutreiben, jedoch für das Projekt eine Kostenplafonierung von 10 Mio. Franken anzustreben. Für die weitere Planung wurden 360 000 Franken ins Investitionsprogramm aufgenommen.

Die Schulden drückten weiter

Am 2. November 1995 stellt der Architekt ein neues, abgespecktes Projekt vor und im darauf folgenden Januar beschloss der Gemeinderat, auf den Bau des Schulhauses zu verzichten; es sollte nur noch eine Mehrzweckhalle werden.

Doch die Finanzen von Balsthal erholten sich nicht und der Gemeinderat sah als Ausweg, der Gemeindeversammlung im Juni 1996 eine Steuererhöhung von 125 auf 138 Prozent beliebt zu machen. Gleichzeitig wurde aber gesagt: «Auch damit ist ein Hallenbau schwer zu verkraften. Sogar 138 Prozent würden nicht genügen, um mittelfristig wieder eine akzeptable Pro-Kopf-Verschuldung zu erreichen.» Das passte der Versammlung natürlich nicht und erstmals kam der Gedanke auf, die Elektra zu verkaufen. Im November 1996 war dann klar, dass eine Mehrzweckhalle tatsächlich nur bei einem Elektra-Verkauf realisiert werden könnte, auch wenn damit die Pro-Kopf-Verschuldung hoch bleiben würde. Die Elektra wurde verkauft, doch das Hallen-Projekt wurde in die Schublade verstaut, denn es gab jetzt immer mehr Stimmen, die den Bedarf nach einer Halle bezweifelten.

Im März 2002 kam wieder Bewegung in Sachen Mehrzweckhallenbau, denn es herrschte doch das Verlangen nach einem solchen Raum. «Im Vordergrund steht der Umbau der Turnhalle im Bezirksschulhaus zu einer Mehrzweckhalle», sah man als Lösung und bekanntlich wurde 2006 die Haulismatthalle eingeweiht. Die Hunziker-Wiese blieb damit ganze 25 Jahre im Dornröschenschlaf – bis heute.