Schluss mit der Ungewissheit. Seit gestern ist klar, was mit dem Galderma-Spirig-Areal in Egerkingen passiert: Die Oftringer Chemiefirma Omya International Ltd. kaufte das Gelände seinem letzten Besitzer, Nestlé Skin Health, ab. «Wir sind sehr erfreut über den Erwerb des Areals in Egerkingen», sagte gestern Michael Both, Executive Vice President Human Resources & Communications bei Omya, an der Medienkonferenz in den Räumen der Firma Galderma Spirig in Egerkingen. Die Vertragsunterzeichnung habe gestern Vormittag in Balsthal stattgefunden. Auf das Gelände sei man erst letzten Sommer aufmerksam geworden, so Both.

Rosige Zukunft für Galderma-Spirig-Areal

Rosige Zukunft für Galderma-Spirig-Areal.

«Ein Glücksfall»

Die Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss war zwar gestern nicht anwesend, liess sich aber mit den Worten verlauten: «Für den Kanton Solothurn und die Gemeinde Egerkingen ist der Erwerb des Areals ein Glücksfall.» Sie sei erfreut darüber, dass dadurch ein praktisch nahtloser Übergang der Tätigkeiten erfolge. Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi sagte gestern vor den Medienvertretern ergänzend: «Diese Ansiedlung ist aber auch ein Glücksfall und ein starkes Zeichen für das Gäu.» Sie merkte an, dass es hier eben nicht nur Logistikbetriebe gäbe, sondern auch Kapazität für Forschung und Entwicklung. Allerdings tue es schon etwas weh, wenn sie daran denke, dass dieses «Daylong»-Label definitiv nicht mehr länger mit Egerkingen in Verbindung gebracht werde, meinte sie auf Nachfrage dieser Zeitung, aber relativierte sofort: «Das ist eben der Lauf der Zeit, und jetzt geht es vorwärts.»

Die Zeit hat auch bei Omya Ltd. für Veränderungen gesorgt, für positive. Aufgrund des hohen Wachstums der Firma am Standort Oftringen waren die Verantwortlichen schon länger auf der Suche nach neuen Perspektiven, wie es gestern hiess. Neben dem Erwerb des Grundstücks mit sämtlichen Gebäuden und Einrichtungen werde Omya auch den Geschäftsbereich Cosmospheres von Spirig Pharma übernehmen. Hier werden hochwertige Zusatzstoffe auf Zellulosebasis für die Kosmetikindustrie hergestellt. Damit werde das Angebot von Omya
erweitert.

Normalerweise sind Firmen-Übernahmen geprägt von Baumassnahmen und langandauernden Bewilligungsverfahren. Im aktuellen Fall lief jedoch alles recht schnell: «Die Gebäude in Egerkingen verfügen über eine moderne technische Infrastruktur, die sich ohne grosse baulichen Eingriffe für unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit eignen», so Both. Bewilligungen und Lizenzen können aufgrund der frappanten Ähnlichkeit des Geschäfts übernommen werden. Dazu Thoralf Gliese, Executive Vice President Sales, Marketing & Innovation: «Hier in Egerkingen handelt es sich um einen sehr modernen Standort, der unserer Strategie von Innovation und Wachstum entgegenkommt. Wir brauchen dringend Platz, ansonsten hätten wir in Oftringen schnell mal einen Kapazitätsengpass, der uns vier bis fünf Jahre zurückwerfen würde.»

Die unterschwellige Angst in der Bevölkerung, das «Spirig-Areal» könnte im schlimmsten Fall jahrelang brach liegen, ist somit beseitigt. Bezüglich Arbeitsplätze dürfte sich künftig also einiges tun, so könnte es in Egerkingen dereinst 350 Omya-Vollzeitstellen geben, rund 50 mehr als zu Spirig-Spitzenzeiten. Zunächst werden zwischen 150 und 200 Omya-Mitarbeiter vom Standort Oftringen nach Egerkingen ziehen. Aber auch höchst empfindliches Laborinventar wie beispielsweise Spezialmikroskope müssen vom Kanton Aargau in den Kanton Solothurn transportiert werden. Dies wird einiges zu tun geben, wie Michael Both betont: «Im Dezember geht es los, und dieser Umzug wird generalstabsmässig geplant, schliesslich darf der operative Betrieb in dieser Phase nicht unterbrochen werden.» Spätestens per Ende Jahr würden die Firmenlogos ausgetauscht, die von der Autobahn A1 aus erkennbar sind.

Zwei Abteilungen haben Glück

Momentan ist auf dem Areal in Egerkingen nicht viel los, was täglich am praktisch leeren Firmenparkplatz zu erkennen ist. Gegenwärtig arbeiten hier für Galderma Spirig respektive für Nestlé Skin Health nicht einmal hundert Mitarbeiter. Immerhin haben sechs von ihnen bereits einen neuen Vertrag angeboten bekommen, wie Both auf Anfrage erklärte: «Den Mitarbeitern in der Abteilung Cosmoshperes haben wir per 1. Dezember einen Vertrag mit Omya angeboten, denn die Arbeit ist identisch.» Auch den Mitarbeitern im Gebäudeunterhalt habe man geraten, nicht davon zu laufen, da sie wahrscheinlich einen neuen Vertrag erhielten.