Niederbuchsiten

«Auf dem Bauernhof ist es einfach cool, auch das tolle Frühstück»

Von Hand: Kuh Ladina zeigt sich geduldig bei den Melkversuchen der Buben.

Von Hand: Kuh Ladina zeigt sich geduldig bei den Melkversuchen der Buben.

In Niederbuchsiten blicken zwölf Ferienpasskinder Landwirt Peter Studer beim Melken der Kühe über die Schulter. Dafür müssen sie allerdings früh aufstehen. Besammlung ist nämlich bereits um 6 Uhr morgens auf dem Bauernhof in der Mittelgäuer Gemeinde.

«Hoi zäme, eg bi dr Besche», sagt Peter Studer bei der Begrüssung der zwölf Buben, die ihm im Rahmen des Niederbuchsiter Ferienpasses beim Melken der Kühe zur Hand gehen wollen. Noch wirken nicht alle Kinder wirklich ausgeschlafen, schliesslich ist es gerade mal 6 Uhr morgens. Die übliche Zeit, zu der Landwirt Peter Studer an 365 Tagen im Jahr in den Stall geht, um seine Kühe zu melken. Wegen der Ferienpasskinder ist der 45-Jährige heute etwas früher aufgestanden. «Ich habe vorher ausgemistet, damit wir uns um die jungen Besucher kümmern können».

«Melker» zieren sich anfänglich

Die meisten der anwesenden Buben, zu denen sich auch die zwei Söhne des Landwirts gesellen, wissen, was auf einem Bauernhof so abläuft. So auch Ylmaz Liva, der wie fast alle Teilnehmer bereits zum zweiten Mal auf dem Hof der Familie Studer ist. Der 10-Jährige ist dann auch einer der Ersten, der sich getraut, bei Kuh Ladina von Hand einen Melkversuch zu wagen. Nachdem klar wird, dass Ladina das widerstandslos über sich ergehen lässt, wollen sich auf einmal fast alle als Melker betätigen. «Das ist normal», sagt Bäuerin Fränzi Studer, die ihren Mann an diesem Morgen bei der Betreuung der Kinder unterstützt. Sie weist die Buben auch an, silierten Mais zu holen, um diesen den 25 Milchkühen zu verfüttern.

Gemolken werden aber nur 24 Kühe. Eine fällt aus, weil sie am Vortag ein Kalb geboren hat. «Gerade als Kinder vom Ferienpass Neuendorf hier waren, ist es passiert», verrät Peter Studer und zeigt auf Muneli «Sämi». 22 Jungtiere, vom Kalb bis zum Rind, leben auf dem Hof. Auch sie wollen versorgt sein. Die Tränkung der Kälber erfolgt gestaffelt mit beim Melken abgezweigter Milch. Zur Stelle sind dann jeweils auch die fünf Katzen, für die meist ein paar Tropfen Milch übrigbleiben.

Nicht für zimperliche Gemüter

Wie die Kühe mit der Maschine gemolken werden, wird den Buben in Dreiergruppen von Landwirt Peter Studer vorgeführt. Dabei dürfen die Kinder auch selbst Hand anlegen. Zimperlich darf man sich dabei aber nicht anstellen, vor allem dann nicht, wenn eine Kuh, statt sich einfach nur melken zu lassen, auch noch spontan ihr Geschäft verrichtet. «Das gehört halt dazu, einige werden wohl nach dem Besuch bei uns eine Dusche brauchen», meint Studer mit einem Schmunzeln im Gesicht. Die Buben lassen sich vom herumspritzenden Kuhdung aber nicht aus der Ruhe bringen und wissen schon bald, wie die sogenannten Zitzenbecher der Melkmaschine an die Striche der Euter gesetzt werden. Nach etwa fünf Minuten ist eine Kuh gemolken und nach der mittels Hydraulik geöffneten Tür spaziert das Tier wieder aus dem Gatter, von denen es in der Melkstation deren drei gibt. Diese durchlaufen die Kühe, ohne dazu gedrängt zu werden. «Die Tiere wollen gemolken werden danach mit Futter belohnt», führt der Landwirt dazu aus. Studers Kühe geben pro Melkgang – einmal am Morgen und einmal am Abend – etwa  je 10 Liter Milch. «Das sind natürlich keine Höchstleistungen, aber für uns reicht das», so der Landwirt.

Wie frische und noch warme Milch direkt von der Kuh schmeckt, testet Noah Müller. Zuerst ist er begeistert. «Das schmeckt ja super», ruft er in die Runde, findet aber dann den Abgang schon nicht mehr so toll. «Das war irgendwie komisch», meint der 9-Jährige, der sonst nur pasteurisierte Milch trinkt. Noah ist auch schon das zweite Mal auf dem Hof der Studers. «Mir gefällt alles hier», sagt er darauf angesprochen. Gleich geht es Philipp Berger. Der 10-jährige weiss nicht, was ihm besonders gefällt. «Auf dem Bauernhof ist einfach alles cool», meint er und erwähnt dann doch das tolle Frühstück, das nach dem Morgen auf dem Bauernhof auf die Kinder wartet. Nur deswegen sei er aber nicht hier, versichert der Schüler. Ein paar Minuten später sitzt Noah mit den anderen Buben am reich gedeckten Tisch im Wohnhaus der Familie Studer und lässt sich das Frühstück schmecken. Neun der zwölf Kinder haben allerdings nicht viel Zeit, die nächsten Ferienpassangebote beginnen schon bald, wie einige erwähnen.

Ferienpass vor drei Jahren lanciert

Über das rege Interesse der Kinder am Ferienpass freut sich Ursula Zeltner. Die Gemeindeschreiberin gehört dem 7-köpfigen OK an, welches den Ferienpass in Niederbuchsiten vor drei Jahren lancierte. Insgesamt 53 Kinder, vom ersten bis zum sechsten Schuljahr, machen dieses Jahr mit. «Das sind rund 80 Prozent der Kinder, die dazu berechtigt sind», bemerkt Ursula Zeltner. Für einen Beitrag von 20 Franken können die Kinder rund 40 Kurse buchen. Mehrfachbelegungen sind die Regel. Finanziert wird der Ferienpass mit Beiträgen von der Einwohner- Bürger- und Kirchgemeinde, durch das örtliche Gewerbe sowie Sponsoren. Während der Ferienpasswoche stehen rund 20 Kursleiter im Einsatz. Beim Fahrdienst, für jene Kurse, die ausserhalb des Dorfes stattfinden, macht auch Ursula Zeltner mit. Während ihrer Ferien, wie sie dazu bemerkt. Am meisten gebucht wird übrigens die Feuerwehr, welche den Ferienpass jeweils mit ihrer Hauptübung verbindet. Der abenteuerliche Nachmittag mit der Feuerwehr steigt am Freitag um 14 Uhr. Mit einem Grossaufmarsch ist zu rechnen.

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