Oberbuchsiten

Auch Kühe gehen gern zum Coiffeur – das hilft auch der Milchproduktion

Allmendpräsident Reinhard Studer (l.) überreicht Paul Ackermann (2.v.l.) für seine Hirtentätigkeit zwei Schafe. Darüber staunt auch Bergmeister Peter Uebelhard.

Das Bergtreffen der Allmendkommission auf der Sömmerungswiese in Oberbuchsiten bot viel Informationen über das Nutzvieh.

«Es freut mich, dass so viele Leute hier sind und damit ihr Interesse an unserem Sömmerungsbetrieb bekunden.» Mit diesen Worten begrüsste Reinhard Studer, Präsident der Allmendkommission Oberbuchsiten, das zahlreich bei der oberen Viehhütte versammelte Publikum. Alle paar Jahre organisiert die Allmendkommission ein Bergtreffen. Speziell hiess Studer die anwesenden Landwirte willkommen, die ihr Vieh den Sommer über auf der Oberbuchsiter Juraweide sömmern. «Aktuell haben wir 154 Tiere auf der Weide», erzählte Studer. Zusammen mit der «Frühweidung» sei man bereits auf einem Total von 195 Tieren von 22 verschiedenen Landwirten.

Weniger Fell, mehr Milch

Als Nächstes stellte der Allmendpräsident sein Team vor. Die beiden wichtigsten Personen sind der Bergmeister und der Hirt. Paul Ackermann aus Holderbank wirkt bereits seit 20 Jahren als umsichtiger Hirte auf der Sömmerungsweide Oberbuchsiten. Er ist von Mai bis Oktober täglich auf der Weide anzutreffen und kümmert sich nebst dem Tierwohl auch um Weidsäuberungen, Forst- und Zaunarbeiten sowie Instandstellungen aller Art. Als passendes Geschenk erhielt er für seine Verdienste zwei Schafe. Peter Uebelhard amtet seit sieben Jahren als Bergmeister. Zusammen mit dem Hirten koordiniert er den gesamten Weidbetrieb. Uebelhards Frau Judith kümmert sich ausserdem um die elektronische Administration des Viehbestandes, also der Führung der Tierverkehrsdatenbank (TVD). Ferner gehören der Kommission Andreas Bader, Marius Fürst, Philipp Baumgartner und Andy Staub an.

Nun galt es das Mittagessen zu verdienen und so machten sich die Anwesenden auf zu drei vorbereiteten Posten. Nicht nur dass Fell von Schafen und Ziegen muss geschert werden, sondern auch das des Rindviehs. Martin Schmid von der Firma Heiniger Tierschurausrüstungen erklärte den Gästen die Vorteile einer solchen Schur. Gerade bei Milchkühen sei die Wohlfühltemperatur sehr wichtig. Wenn das Tier zu heiss hat, verwendet es viel Energie zur Eigenkühlung statt zur Milchproduktion. Ein weiterer Grund ist die Hygiene, denn in einem Kurzhaarfell bleiben weniger Dreck und Exkremente kleben.

Frische Luft und Sozialkontakte

Edith Schöni vom landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum Wallierhof informierte über die vielen Vor- und wenigen Nachteile, die eine Sömmerung bietet. Die gut vier Monate auf der Bergweide bringen den Tieren viel gesunde Bewegung und frische Luft. Die Sozialkontakte mit Tieren aus anderen Herden lassen das Rindvieh erwiesenermassen reifen. Die Tierbesitzer haben unterdessen Zeit für andere Arbeiten und sparen Futter, das im Winter willkommen ist. Nachteilig sind laut Schöni einzig die manchmal auftretenden Krankheiten, die vor-wiegend Klauen oder Augen betreffen. Selten komme es auch zu Unfällen.

Karl Heeb, ebenfalls vom Wallierhof, konzentrierte sich in seinen Ausführungen auf die Mutterkuhhaltung, die noch keine 20 Prozent des Schweizer Rindviehbestandes ausmacht. Heeb ging auch auf die aktuelle Diskussion «mit oder ohne Hörner» ein. Kreuzungsversuche mit hornlosen Kuharten bewiesen, dass diese Eigenschaft dominant ist. Fazit also: Hörner sind für das Tierwohl nicht relevant. Viel wichtiger sind eine gute Fruchtbarkeit, gute Abkalbeigenschaften sprich selbstständige Gebärfähigkeit sowie der natürliche Mutterinstinkt. All diese Eigenschaften würden schliesslich zur Nahrungssicherheit sowie einer steigenden Rassenvielfalt in der Schweiz beitragen.

Umrahmt wurde der wiederum gelungene Anlass von den abwechslungsreichen Klängen der Alphorngruppe Laupersdorf unter der Leitung von Peter «Alphornpuma» Baumann. (BUX)

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