Die Internationalen Classionata Musikfesttage, die seit 1999 alle zwei Jahre in Mümliswil stattfinden, sind weit über die Region hinaus zu einem Begriff geworden. Der im Kanton Solothurn wohnhafte Dirigent Andreas Spörri ist der Initiant dieses Festivals in der Konzertaula Brühl.

Das Publikum erlebt Musiktheater aus der Wiener Opernmusik aus dem Goldenen Zeitalter der Operetten von Johann Strauss und anderen berühmten Komponisten. Zudem gelangen in der Kirche St. Martin Orchesterwerke aus der Klassik und Romantik zur Aufführung.

Schmelztiegel der Kulturen

Von 1992 bis 2007 war Spörri musikalischer Leiter des Hermitage Symphony Orchestra-Camerata St. Petersburg, seit 2003 ist er Principal Guest Conductor des Wiener Opernball Orchester und leitet auch die Konzerte zum Neuen Jahr sowie die Wiener Sommergala in Luzern.

Ein besonderes, man ist versucht zu sagen, intimes Zeichen setzt er mit dem Festival in Mümliswil. Es liegt ihm am Herzen, möchte er doch mit einem solchen Musikereignis viele Menschen ansprechen, nicht nur in einer städtischen Atmosphäre, sondern auch in ländlicheren Regionen. Vor allem auch junge Menschen, die sich so mit der Operettenmusik auf eine persönlichere Art auseinandersetzen, Bühnenluft schnuppern und spüren können, was es bedeutet, Theater hautnah zu erleben. Dieses Jahr ist die Operette «Der Bettelstudent» von Carl Millöcker im Programm.

Spörris Leidenschaft für die Musik ist geprägt von persönlichen Emotionen. Er liebt das erzählerische Moment, das in diesen Musiktheatern zum Tragen kommt, die faszinierende Doppelbödigkeit des Inhalts, geprägt von gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Wien als Musikstadt ist ein Schmelztiegel der Kulturen, man erlebt die unterschiedlichsten Einflüsse und Begegnungen. Und all das widerspiegelt sich in den Musiktheatern, die so viel Leichtigkeit in sich tragen, die man aber ernst zu nehmen hat, will man sie verstehen. Denn hinter dem Leichten steckt die Tiefe. Man erlebt symphonische Umarmungen in den feinsten Begebenheiten und steigt ein in das grosse Ganze, das all diese Strömungen in sich auffängt.

Andreas Spörri absolvierte seine Studien in Basel und Wien, und sein Musikerleben hat ihn überall in der Welt herumgeführt. Mit dem «Bettelstudenten» ist ihm wiederum unter der Regie von Thomas Mittmann etwas Besonderes gelungen. Für die Mozart-Gala konnte Anne Harvey-Nagl, die Konzertmeisterin der Wiener Volksoper, als Solistin für das Violinkonzert in A-Dur gewonnen werden. Aber auch die anderen Solistinnen und Solisten sind international bekannt und beliebt und strahlen viel persönlichen Zauber aus.

Liebe zur Sache im Mittelpunkt

Es ist nicht leicht, einen so vielschichtigen Musiker wie Andreas Spörri zu beschreiben. Seine Liebe zu Musiktheater ist sprichwörtlich zu verstehen und besticht durch die Sensibilität und Leidenschaftlichkeit, mit der er an seine Arbeit geht. Gleich in welcher Dimension er beruflich auftritt, immer steht die Liebe zur Sache im Mittelpunkt, und auch in diesem «Bettelstudenten» kommt sie zum Tragen.

Man geht als Zuschauer auf eine emotionale Reise, taucht ein in wunderschöne Melodien, geniesst die erzählerischen Momente, und erkennt, dass in der Musik, im Musiktheater ein Stück Lebensweisheit steckt, nämlich für Augenblicke loszulassen, was einen bedrängt oder im Alltag gefangen hält. Die Leichtigkeit des Seins bekommt dadurch eine Realität, die tief gefangen nimmt.