Mürner war von 1993 bis 2012 Leiter der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege beim Bundesamt für Kultur (BAK). Von 2008 bis 2012 war er zudem Mitglied des Welterbe-Komitees der Unesco. Beziehungen zum Oensinger Wahrzeichen hat Mürner nicht erst seit seiner Einsitznahme in den Stiftungsrat von Neu Bechburg vor 15 Jahren. Bereits 1969 lud er seine Hochzeitsgesellschaft aufs Schloss Neu-Bechburg ein.

Mit Konfliktpotenzial

Heimatschutz ist ein Oberbegriff für drei Bereiche, erläuterte Johann Mürner, nämlich die Denkmalpflege, die Archäologie und den Ortsbildschutz. Diese Bundesaufgaben sind nichts Neues. Bereits 1886 beschlossen die eidgenössischen Räte, sich an der «Erhaltung und Erwerbung vaterländischer Altertümer» zu beteiligen. 1962 wurde der Natur- und Heimatschutz mit einen neuen Verfassungsartikel 78 in der Schweizerischen Bundesverfassung verankert und anschliessend im entsprechenden Gesetz umschrieben.

Kurt Zimmerli (Stiftungspräsident), Johann Mürner (Gastreferent) und Franz Kamber (Präsident des Vereins «Freunde der Neu-Bechburg»)

Kurt Zimmerli (Stiftungspräsident), Johann Mürner (Gastreferent) und Franz Kamber (Präsident des Vereins «Freunde der Neu-Bechburg»)

Es verlangt, dass heimatliche Landschaften und Ortsbilder, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kunstdenkmäler ungeschmälert erhalten bleiben. Allerdings mit der Einschränkung, dass das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt. In diesem Passus liegt einiges Konfliktpotenzial. Anders als bei technischen Anlagen sind die Anliegen der Denkmalpflege nicht messbar. Folglich geht es im Einzelfall immer um eine Abwägung der sich widersprechenden Interessen.

Was das Label bewirkt

Johann Mürner, der die Schweiz während vier Jahren im 21 Mitglieder zählenden Welterbe-Komitee vertrat, wusste diese Unesco-Institution der Versammlung näher zu bringen. Wenn ein Kulturerbe wie die Berner Altstadt in die Liste der Unesco aufgenommen wird, ändert dies vorerst nichts. Sie ist durch gesetzliche Vorschriften gleich geschützt wie die Altstadt von Aarberg. Allerdings würden Eingriffe in das Ortsbild von Bern internationale Resonanz auslösen.

In Köln beispielsweise riefen Pläne, neben den Dom Hochhäuser zu bauen, erfolgreichen Widerstand hervor. Der Druck, das Label Unesco-Welterbe zu verlieren, wirkte. In der Schweiz figurieren der Aletschgletscher, die Weinberge der Lavaux, La Chaux-de-Fonds oder die Rhätische Bahn auf der Unesco-Liste. Nicht nur diese Welterbe-Objekte, sondern auch die zahlreichen Ortsbilder von nationaler und lokaler Bedeutung sind wichtig für die Identität eines Landes, ist Mürner überzeugt.

Vereinsrechnung positiv

Die Vereinsgeschäfte der inzwischen 35. Mitgliederversammlung wickelte Präsident Franz Kamber zügig ab. Wahlen standen heuer keine an. Die Rechnung schliesst mit einem Gewinn von 17 000 Franken ab; davon werden 10 000 Franken dem Baufonds des Schlosses gutgeschrieben. Gleichzeitig ist geplant, den aus dem Jahre 1980 stammenden Vereinsprospekt neu zu gestalten.

Das positive Ergebnis resultiert vor allem aus den Mieteinnahmen. Zu Buche schlug dabei vor allem die Gage eines bekannten Möbelgeschäfts, das die alten Gemäuer der Burg als Kulisse für ein dreiwöchiges Fotoshooting benutzte.

Kurt Zimmerli, der Präsident der Stiftung Schloss Neu-Bechburg, hob in seinem Jahresbericht den neuen Warenlift hervor. Dieser wurde für 131 000 Franken erneuert, ein Betrag, der vollständig aus Eigenmittel bestritten werden musste. Zur Belebung des Schlosses dienten verschiedene Veranstaltungen, unter anderem der Kunstmarkt der Oensinger Kulturkommission. Als nächstes ist ein Konzert des Liedermachers Nils Althaus vorgesehen.

Virtueller Rundgang durch das Schloss Neu-Bechburg: www.neu-bechburg.ch

Auf dem virtuellen Rundgang im Schloss Neu-Bechburg.

Auf dem virtuellen Rundgang im Schloss Neu-Bechburg.