Kennen Sie Sisyphus? Die Gestalt aus der griechischen Mythologie, die als Strafe der Götter auf ewig einen Felsbrocken aus der Unterwelt den Berg hinaufrollen musste und immer kurz vor dem Ziel scheiterte?

Jetzt stellen Sie sich vor, dieser arme Kerl war am Ende nicht verzweifelt, sondern vielmehr glücklich - denn er hat diesen Stein zu seiner ganz persönlichen Sache gemacht. «Was schon soll Sisyphus anstellen, wenn er auf der Bergspitze angekommen ist - runterschauen? Und dann?»

Ludwig Hasler blickt gespannt in die abgedunkelte Halle, wo ihm 300 Ohrenpaare lauschen. Nein, der Sisyphus hatte eine Aufgabe, die er zeitlebens gewissenhaft verfolgte. Diese hatte ihn geprägt, dadurch kennen wir ihn noch heute.

Klar, das Beispiel, das der Publizist, Philosoph, Hochschuldozent und Kolumnist heranzieht, scheint etwas überspitzt. Was Hasler aber sagen will: Es gibt kein Schwarz oder Weiss, sondern nur den Mittelweg.

Denn mit dem Glück müsse man zusammenarbeiten können. Der 5. Wirtschaftsapéro des Kantons Solothurn in der Eventhalle der Jomos AG in Balsthal ist bereits zu einer Institution geworden.

Grössen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geben sich die Hand und suchen den direkten Austausch. Die Wirtschaftsförderung Agenda 21 hat sich die Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben, dabei geht es nicht nur um Profit, sondern auch ums Glücklichsein. Macht dieses dieMenschen produktiver, innovativer, oder vielmehr faul?

Glück macht satt

«Wer immer nach dem Glück strebt, wird garantiert unglücklich», sagt Referent Hasler. Streben denn die Schweizer zu sehr danach, oder woran liegt es, dass sie aus seiner Sicht systematisch enttäuscht durchs Leben trotten?

Dabei sei doch die Schweiz eine einzige Erfolgsgeschichte. Gerade hier liegt die Krux, denn je mehr Glück wir haben, desto ängstlicher werden wir, dieses wieder zu verlieren. Und: Glück macht satt.

«Jetzt erklär mal Satten, dass Hunger sexy ist.» Was soll es denn nun sein am Arbeitsplatz, Glück oder Unglück? Jedes Unternehmen, sagt Hasler, solle sich als kleine Kathedrale der Gesellschaft sehen, die eine sinnvolle Aufgabe übernimmt.

Tut sie dies, stelle sich das Glück automatisch ein. Ein wenig Unzufriedenheit schade innerhalb des Betriebs aber nicht, «denn von restlos zufriedenen Menschen können Sie keine Innovation erwarten».

Glücklich und profitabel - das gehe durchaus, finden an der Podiumsdiskussion Werner Krüdewagen, Geschäftsführer der Jomos AG, und Alec von Graffenried, Nationalrat sowie Direktor Nachhaltige Entwicklung bei Losinger. Die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden zu erhöhen, das fördert laut von Graffenried die Zufriedenheit und Leistung. Die Leidenschaft gehöre neben rationalen Zielen dazu, findet derweil Krüdewagen. «Die Profitabilität ist das Ergebnis geführter, entfesselter Kräfte.»

Boni als Zuckerbrot

Warum die Arbeit oft eben doch nicht glücklich macht, will Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre, herausgefunden haben. Es liege an der Illusion von Arbeitsmotivation.

Die Angestellten verfolgten dabei oft nicht etwa die Erfüllung in ihrer Arbeit, sondern leben die profane Sehnsucht nach einem Bonus. «Die Fleissigen müssen sich am Ende auch durch ein Zuckerbrot motivieren lassen.»

Weiter führt Binswanger aus, dass Qualität als Ganzes gar nicht messbar sei - lediglich Teile davon. Als grösste Unglücksfaktoren am Arbeitsplatz filtert der Professor Unter- oder Überforderung heraus. «Wir müssen auch den Zweck in unserer Tätigkeit sehen, damit wir motiviert und glücklich sind.»

Einer, der diese Theorie widerlegt, ist Erfinder Stefan Heuss. Ihm mache zweckentfremdetes Arbeiten durchaus Spass, sagt der Daniel Düsentrieb der Sendung «Giacobbo/Müller».

Mit seinen Innovationen zum Glück bringt er die Wirtschaftselite im Saal zum Lachen. Denn wer braucht schon einen Kinderwagen mit Zentralverriegelung und Schlafrüttler? Oder einen Wellness-Adapter für die Baustelle? Derart nützliches Unnützes herzustellen, erfordert Kreativität, Humor und viel Zeit für knifflige Kleinarbeiten, Tag für Tag, immer wieder aufs Neue. Eine Sisyphusarbeit. Doch auch den Erfinder scheint sie irgendwie glücklich zu machen.