Region Thal-Gäu
Auch das Maitannli muss wegen Corona warten

Der Jahrgang 2001 kann die traditionellen Feste um den 1. Mai nicht wie üblich durchführen. Wann können die Stäcklibuebe in der Region Thal-Gäu feiern?

Patrik Lützelschwab
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Anlass mit starker Symbolik: Der Jahrgang 1999 von Neuendorf stellt sein Maitannli.

Anlass mit starker Symbolik: Der Jahrgang 1999 von Neuendorf stellt sein Maitannli.

Patrick Lüthy (30. April 2018

Am Freitagmorgen verkündete der Kanton an einer Pressekonferenz, dass sämtliche Veranstaltungen bezüglich 1. Mai verboten sind. Trotz Lockerungen gilt nach wie vor das Versammlungs- und Veranstaltungsverbot. Betroffen sind davon auch die Stäcklibuebe, die dieser Tage in den Gemeinden traditionell das Maitannli aufstellen. Doch was bedeutet dies konkret für die Jahrgänger in den Gäuer und Thaler Gemeinden?

In diesem Jahr wäre in Egerkingen Daria Brosi die Präsidentin des Jahrgangs 2001 gewesen. Auch wenn der Anlass am Donnerstag nicht stattfinden darf, so hat sie noch nicht mit dem Aufstellen des Maitannlis abgeschlossen. «Wir haben mit der Gemeinde angeschaut, ob wir den Anlass nicht auf den Herbst zwischen September und Oktober schieben könnten», sagt Daria Brosi auf Anfrage.

Definitiv abgeklärt ist die Sache mit der Gemeinde allerdings noch nicht, merkt die Egerkingerin an. Dass der Anlass am 30. April abgeblasen ist, kam bei den Jugendlichen unterschiedlich an. «Die einen meinten, dass wir trotzdem eine Tanne aufstellen könnten, und die anderen wollten darauf verzichten», erzählt Brosi. Ob dieses Jahr noch ein Tännli in Egerkingen stehen wird, ist offen. «Es kommt auch darauf an, wie lange dies noch geht und was der Kanton dazu meint», sagt Brosi.

Eine andere Lösung wäre es, den Anlass in diesem Jahr komplett ausfallen zu lassen und dafür mit den nächsten Jahrgängen gemeinsam zu feiern. «Ich habe dies mit meinem Jahrgang angeschaut, ob die Verschiebung auf nächstes Jahr eine Option wäre», sagt die Gäuerin. Die Idee, den Anlass nächstes Jahr mit dem Jahrgang 2002 zu feiern, kam Brosi beim Austausch mit dem Jahrgang aus dem benachbarten Hägendorf. Ob dieser Anlass zu Stande kommt, steht noch offen.

Geteilte Freude: Fest mit den nächsten Jahrgängern?

«Wir haben mit den nächsten Jahrgängen gesprochen und die haben gemeint, dass sie viel lieber getrennt feiern würden», erzählt die Präsidentin des Jahrgangs 2001. In nächster Zeit sind mehrere Sitzungen geplant, um vielleicht doch noch zu einem gemeinsamen Schluss zu kommen. «Wenn der Anlass doch in diesem Jahr stattfinden soll, dann im Herbst; wann, spielt eher keine Rolle. Hauptsache, wir halten diese Tradition am Leben», so die Egerkingerin.

Auch in Balsthal sind sämtliche Stäcklibuebe-Veranstaltungen abgesagt. Nichtsdestotrotz wird in im Thaler Hauptort zwischen dem 30. April und dem 1. Mai ein Tännli aufgestellt, wie die Organisatoren auf Anfrage bekanntgeben. Beteiligt beim Aufstellen des Baumes werden vier Mitglieder des diesjährigen Jahrgangs sein – plus ein Kranführer. Auf das «Schleipfen» müssen die Jugendlichen aber verzichten, dürfen jedoch bei der Justierung des Stammes mithelfen und die Seile befestigen wie auch den Verkehr beobachten. Die Feier soll auf ein späteres Datum verschoben werden. Ein bisschen enttäuscht seien die Jahrgänger schon.

Zu Wort meldete sich auch der Gemeindepräsident Oensingens, Fabian Gloor. Auch er findet es schade, dass der Maitännli-Anlass in diesem Jahr nicht termingerecht stattfinden kann, da es ein traditioneller Brauch ist. «Rückmeldungen gab es aber keine», versichert Gloor. «Wenn solche Anfragen kommen würden, dann geben wir sicherlich auch Ratschläge. Bisher gab es aber keine Anfragen», sagt Gloor. Für ihn ist es verständlich, dass sich noch niemand vom Jahrgang gemeldet hat.

«Durch das Versammlungsverbot ist viel an Reiz verloren gegangen. Denn wer stösst schon gerne mit jemand anderem an, wenn sich die Gruppe auf 50 Meter verteilt?», stellt der Gemeindepräsident die rhetorische Frage. Auch andere Veranstaltungen finden in der grössten Gemeinde des Gäus nicht statt – nicht bis zum 8. Juni.

In Mümliswil hat der Jahrgangspräsident Julian Hürzeler mit Gemeindepräsident Kurt Bloch Kontakt aufgenommen, um sich über die Situation der Stäcklibuebe zu beraten. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir momentan gar nichts machen», so Hürzeler. Es sei geplant, später nochmals zusammenzukommen und über das Vorgehen zu beraten. «Wir können uns frühestens im Herbst vorstellen, etwas zu organisieren. Wir werden sehen», so der Jahrgangspräsident.

Die Kantonspolizei gibt auf Anfrage an, am 1. Mai wie üblich im gesamten Kanton präsent zu sein. Sofern die vom Bund verfügten Massnahmen weiterhin konsequent eingehalten werden, sei gegen das Stellen einzelner Maitannli nichts einzuwenden.

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