Oensingen
Asylsuchende ziehen in Villa ein: «Das ist nicht unangemessen viel Luxus»

Ein Zeitungsartikel über den Einzug von Asysuchenden in die Villa Marti sorgt in der Gemeinde Oensingen für Unmut. Den Asylsuchenden würde nicht unangemessen viel Luxus geboten, meint Peter Saner, Leiter Verwaltung.

Erwin von Arb
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In die Villa Marti in Oensingen ziehen Asylsuchende ein
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 Luxus sieht anders aus Peter Saner, der neue Leiter Verwaltung, in der kleinen Küche der renovationsbedürftigen Liegenschaft
 Der Aufenthaltsraum
 Der modernste Raum im Haus ist das Badezimmer.
 Blick in die Dusche
 Die Flüchtlingsfamilien aus Syrien werden in Kajütenbetten schlafen.

In die Villa Marti in Oensingen ziehen Asylsuchende ein

Erwin von Arb

Den Dienstagmorgen wird der Oensinger Gemeindepräsident nicht so schnell vergessen. Sein auf lautlos eingestelltes Handy vibriert bereits in aller Frühe fast ohne Pause, während Mails aus der ganzen Welt bei ihm eintreffen.

In diesen werden er und die Gemeinde Oensingen beschimpft, weil in der von der Einwohnergemeinde für 1,2 Mio. Franken erworbenen Villa Marti an der Kestenholzstrasse schon bald Asylsuchende aus Syrien einziehen sollen, wie der «Blick» in der Dienstag-Ausgabe in grossen Lettern schreibt. Das Boulevardblatt zitiert dabei den vormaligen Besitzer. Der 91-Jährige stört sich daran, dass Flüchtlinge in seiner einstigen Villa wohnen sollen.

Niveaulose Stimmungsmache

Damit hat Markus Flury kein Problem, schliesslich habe der Mann lange in diesem Haus gelebt. Nicht zuletzt deshalb habe er ihn und seine Familie bei einem persönlichen Besuch über den Beschluss des Gemeinderates in Kenntnis gesetzt, dass die Liegenschaft entgegen früherer Aussagen nun doch als Asylunterkunft genutzt werde.

Dies, weil es in Oensingen derzeit keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten gebe und weil der Kanton die Gemeinde dazu angehalten habe, ihr mit 22 Personen nicht ausgeschöpftes Aufnahmesoll von 41 Personen zu erfüllen. Für jede nicht aufgenommene Person hätte der Kanton der Gemeinde Kosten von 1050 Franken auferlegen können, was die Gemeindekasse jährlich mit knapp 240 000 Franken belasten würde. «Der Mann war zuerst etwas schockiert über unsere Pläne, hat sich dann aber nach unseren Erläuterungen mit der Situation abgefunden», erinnert sich Flury.

«Deshalb ist das, was der ‹Blick› hier abzieht, einfach niveaulos und gehört in die unterste Schublade», meint Flury zum erwähnten Artikel. Zu diesem sei der in einem Pflegeheim lebende Mann angestiftet worden. «Dass dort plötzlich ein Reporter auftaucht, ist doch kein Zufall», sagt Flury überzeugt. Jemand wolle bewusst Stimmung gegen die Gemeinde machen. Diese müsse sich aber keine Vorwürfe machen, schliesslich sei in dieser Angelegenheit immer offen kommuniziert worden. Die Bevölkerung und mit ihr die Öffentlichkeit seien an der Gemeindeversammlung vom 23. Juni darüber in Kenntnis gesetzt worden. Widerstand sei keiner zu spüren gewesen.

Einwohner spenden Möbel

«Die Leute haben offenbar verstanden, dass auch die Gemeinde Oensingen einen Beitrag an die aktuell angespannte Situation im Flüchtlingswesen leisten muss», bemerkt dazu Peter Saner, der neue Leiter Verwaltung. Richtigstellen möchte Saner den im «Blick» entstandenen Eindruck, wonach den Asylsuchenden in der Villa Marti unangemessen viel Luxus geboten werde. Saner ist sogar überzeugt, dass viele Schweizer Familien mit dem gebotenen Standard nicht zufrieden wären.

Bei einem Rundgang durch das 1963 erbaute und schon längere Zeit leer stehende Parterrehaus wird rasch deutlich, dass das Innere der Liegenschaft mit der gefälligen Aussenansicht mit Swimmingpool nicht mithalten kann.

In den Räumen hängt eine stickige Luft und die Wände sind vergilbt. Für die 15 Personen, Flüchtlingsfamilien aus Syrien, hat die Gemeinde das Haus für 20 000 Franken notdürftig hergerichtet. In die mit jahrzehntealten Einrichtungen ausgestattete Küche wurden zwei Kochherde und ein Kühlschrank gestellt. Am modernsten daher kommt noch das Badezimmer mit Doppellavabo, obwohl auch diese Einrichtung schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Die im Haus aufgestellten Möbel wurden von Leuten aus dem Dorf gespendet. Schlafen werden die Flüchtlinge in Kajütenbetten aus Stahlrohr. Gemessen am Gebotenen ist für Saner nicht nachvollziehbar, warum nun Stimmung gegen den Einzug der Flüchtlinge gemacht wird. «Die Gemeinde kommt ihrer Pflicht nach und wird dafür auch noch an den Pranger gestellt.»

Villa wird wohl abgerissen

Der Vertrag mit dem Kanton läuft zwei Jahre, wie Gemeindepräsident Markus Flury berichtet. Danach will die Gemeinde ihre Pläne umsetzen und auf diesem und dem angrenzenden Areal einen Werkhof realisieren. Voraussichtlich wird die Villa Marti dann abgerissen.

Eine Sanierung wäre viel zu teuer und auch der Standort der Liegenschaft ist nicht ideal, um diese stehen zu lassen. Deren Verkauf an die Gemeinde wurde übrigens vom ehemaligen Besitzer angeregt, wie Flury erwähnt.