Oensingen
Asylsuchende in Villa Marti: Mit Giftpfeilen gegen eine sinnvolle Lösung

Der ehemalige Besitzer der Villa Marti macht im «Blick» seinem Unmut Luft, dass aus dem Haus eine Asylunterkunft werden soll. Ein Kommentar.

Urs Mathys
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Gibt nur noch von aussen etwas her: die Villa Marti mit Swimmingpool.

Gibt nur noch von aussen etwas her: die Villa Marti mit Swimmingpool.

Rentner Franz M. hat Haus und Grundstück – eingezwängt zwischen Autobahnzubringer und SBB-Geleisen – letztes Jahr für 1,2 Mio. Franken an die Gemeinde Oensingen verkauft. Diese will das Gebäude abreissen und dort einen neuen Gemeindewerkhof bauen. Nun muss Oensingen jedoch, gemäss Vorgaben des Kantons, gegen 20 zusätzliche Asylplätze bereitstellen und für diesen Zweck soll vorübergehend das Haus von Franz M. dienen. Das hat diese Zeitung schon vor Wochen berichtet; an der Gemeindeversammlung wurde informiert und die Bevölkerung nahms nüchtern zur Kenntnis.

Am Dienstag aber zückte der «Blick» unter der Frontschlagzeile «Villa mit Pool für Asylbewerber!» die Giftpfeile. «Asylbewerber gehören nicht in eine Villa!», wird der 91-jährige Franz M. zitiert. Und: «Diese Leute, die da reinkommen, haben doch gar keinen Bezug dazu und wissen nicht, was mir der Garten bedeutet». Tatsächlich, «diese Leute» – syrische Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern – hatten in den letzten Wochen völlig andere Sorgen: bei ihnen gings ums nackte Überleben.

Die «Villa» – einfach und zweckmässig mit Kajütenbetten ausgerüstet – und der Garten von Franz M. könnten diesen Menschen vielleicht dabei helfen, die erlebten Kriegsgräuel zu verarbeiten. Dass «sein» Haus auf diese Weise vor dem Abbruch noch einmal zum Leben erwacht, darüber könnte eigentlich auch Franz M. glücklich sein. Allerdings: Mit einem Bericht dieser Art hätte der «Blick» nie so viel Aufsehen erregen und eine Schmutz-Lawine lostreten können, wie sie gestern über die Oensinger Behörden hereingebrochen ist.