Oensingen
Ärger im Roggenpark: Baumängel verderben Freude an schöner Wohnung

Ins Fassadensystem der vor fünf Jahren gebauten Roggenpark-Blöcken in Oensingen dringt Wasser. Mieter Kurt Zulauf streitet seit 2015 um den Baumangel, doch bis jetzt ist der Schaden nicht behoben. Das verärgert den ehemaligen Haustechniker.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Bauschäden Roggenpark Oensingen
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 Im Bild die am schwersten betroffene Wohnung, die ein Stockwerk unter Zulaufs Wohnung liegt.
 Doch dass die Baumängel – die feuchten Westfassaden, die zu Absprengungen des Innenverputzes führen – seit drei Jahren nicht behoben worden sind, verärgert den ehemaligen Haustechniker.
 Bereits nach einem halben Jahr Wohnen hat Zulauf die Nässe der Westwände bemerkt.
 Im Frühling 2015 hat Zulauf den Bauherrn darauf aufmerksam gemacht.
 Im vergangenen Dezember hat nun der Bauherr an die ausführende Firma der Klinker-Arbeiten eine Mängelrüge gesandt, mit dem Verweis, dass bis Ende Januar ein Sanierungskonzept für die Westfassaden der betroffenen Häuser zu erstellen sei.
 Bis jetzt ist nichts passiert. Zulauf hat die Nase voll.

Bauschäden Roggenpark Oensingen

Bruno Kissling

Der Oensinger Kurt Zulauf ist verärgert. «Stinksauer» trifft es noch besser. Und zwar auf den Bauherrn der Eigentumswohnungen im Roggenpark in Oensingen. Die markanten Wohnblöcke mitten im Dorfzentrum wurden vor gut fünf Jahren gebaut.

Zulauf zog mit seiner Frau im Juni 2014 in eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung, die sein Sohn kaufte. «Mein Sohn ist der Besitzer, ich bin der Mieter», sagt Zulauf. Es sei für ihn logisch, dass er in seinem Alter kein eigentliches Wohneigentum mehr besitzen wolle, nachdem er sein Eigenheim dem Sohn vermachte.

Doch den Ärger, der er jetzt mit seiner Wohnung hat, beschäftigt ihn, als wäre er Wohnungsbesitzer, denn sein Sohn hat ihm eine Vollmacht für alle Probleme rund um die Wohnung gegeben.

Gegenstand seines nun schon drei Jahren dauernden Missmutes ist die West-Fassade seines Wohnblocks. Es sind genau die charakteristischen Klinkersteine, mit denen alle Blöcke aufgemauert wurden, die hier zum Problem geworden sind.

Zulauf erklärt: «Man hat hier ungeeignetes Material verwendet. Die hier verwendeten Klinkersteine saugen scheinbar das Regenwasser auf, welches die Westfassaden erreicht. Das Ergebnis sind völlig durchnässte Fassaden. Und zwar so nass, dass die Bewohnerin in der Wohnung unter mir ausziehen musste, und vorübergehend eine Miet-Wohnung zugewiesen bekam. Auch in meiner Wohnung fangen die Absprengungen des Innenputzes wegen der Nässe immer mehr an.»

Korrespondenzen hin und her

Zulauf erklärt, dass er bereits nach einem halben Jahr Wohnen die Nässe der Westwände bemerkt habe. «Im Frühling 2015 habe ich den Bauherrn darauf aufmerksam gemacht. Man meinte zunächst, wenn ich eine Expertise haben wolle, soll ich die selbst bevorschussen. Doch ich stellte mich auf den Standpunkt, dass das nicht meine Sache sei.»

In der Sache gingen dann Korrespondenzen und Anschauungstermine hin und her. Zulauf schildert: «Man schickte den Klinkerbauer auf den Platz, der sich die Sache mal ansehen sollte. Der kam, besserte betroffene Stellen aus, aber das Ergebnis blieb dasselbe.»

Und Zulauf erzählt von weiteren Begebenheiten: «Einmal schickte man mir auch einen Maler vorbei, dass er die betroffenen Stellen in meiner Wohnung neu überpinseln soll. Der hat aber gleich wieder kehrt gemacht, als er sah, um was es sich da handelte».

Kein Architekturfehler

Schliesslich beauftragte der Bauherr eine unabhängige Expertisenfirma, die Probleme speziell mit Natursteinbelägen untersucht. Das Ergebnis war eindeutig. Es wurden Feuchteschäden erkannt, weil Wasser ins Fassadensystem eindringt. Die Innenseiten der Klinkerplatten seien feucht, Feuchtigkeit sei ebenfalls im Innenbereich der Wohnungen messbar.

Diese Mängel seien aufgrund von gravierenden Verletzungen der allgemein anerkannten Regeln der Baukunde entstanden, urteilten die Gutachter. Es handle sich klar um Ausführungsfehler und nicht um Architekturfehler.

Mit der Geduld am Ende

Im vergangenen Dezember hat nun der Bauherr an die ausführende Firma der Klinker-Arbeiten eine Mängelrüge gesandt, mit dem Verweis, dass bis Ende Januar ein Sanierungskonzept für die Westfassaden der betroffenen Häuser zu erstellen sei. Bis Ende Februar soll mit der erforderlichen Sanierung begonnen werden.

Werde dies nicht geschehen, so würde die Bauherrschaft «ohne weitere Anzeige Ersatzvornahmen einleiten, und die entsprechenden Aufwendungen auf dem Rechtsweg geltend machen», steht im Schreiben, welches Zulauf zur Kenntnisnahme erhalten hat.

«Jetzt ist der 10. März und noch gar nichts ist passiert», so Zulauf. Er hat die Nase voll von Hinhalten und Beschwichtigungen und ist mit seiner Geduld am Ende. «Der Bauherr schreibt mir, dass man mit Hochdruck an der Hebung des Problems arbeite, ich spüre aber nichts davon.»

Die Nachfrage dieser Zeitung beim Bauherrn wurde folgendermassen beantwortet: «Es liegen normale Baumängelerledigungsprobleme vor. Daran arbeiten Juristen, Experten, Versicherungen usw. Dies braucht Zeit. Niemand war untätig, das Problem ist aber komplex.»

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