Härkingen

Arbeitsalltag in Gärtnerei - weit weg von politischen Spardiskussionen

Gruppenleiter Benjamin Schwager (l.) erklärt dem Asylsuchenden Mezgna Kflay aus Eritrea, wie er die Efeu-Stecklinge behandeln soll.

Gruppenleiter Benjamin Schwager (l.) erklärt dem Asylsuchenden Mezgna Kflay aus Eritrea, wie er die Efeu-Stecklinge behandeln soll.

Die Gemeindearbeitsplätze in der Gärtnerei Härkingen werden auf Ende November aufgelöst. Nach den Velostationen in Olten trifft es nun die zweite Sozialinstitution, welche von der Firma Oltech betrieben wird. Ein Augenschein vor Ort.

«Das Fernziel ist die Integration in den ersten Arbeitsmarkt», erklärt Benjamin Schwager. Er als Gruppenleiter ist die wichtigste Bezugsperson der zugewiesenen Arbeitskräfte in der Gärtnerei Härkingen. Verschiedene Menschen arbeiten hier, etwas fernab der Leistungsgesellschaft. Zum Teil sind es Sozialhilfebezüger, welche in den Strukturen der Oltech GmbH untergebracht sind, zum anderen Teil sind es Menschen, die aufgrund einer Suchtproblematik hier arbeiten. Und dann gibt es noch die Gruppe der Asylbewerber. Vorläufig aufgenommene Flüchtlinge und solche mit N-Ausweis, sprich Bewerber in einem laufenden Verfahren.

Einer dieser Asylbewerber ist Mezgna Kflay aus Eritrea. Er arbeitet vornehmlich in der kleinen Holzverarbeitungswerkstatt, wo Brennholz verarbeitet wird. Am selben Ort arbeiten auch Menschen mit einer Suchtproblematik. «Die Zusammenarbeit klappt sehr gut», sagt Reno Sami, Geschäftsleiter der Suchthilfe Ost. Am Anfang seien die beiden Gruppen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms der Suchthilfe Ost und des Programms der Oltech getrennten Aufgaben nachgegangen. 

Mit dem öffentlichen Verkehr und einem Personalbus kommt die Crew der Gärtnerei die Woche hindurch nach Härkingen. Nach einem alltäglichen Begrüssungsritual werden präzise Arbeitsinstruktionen erteilt. Dafür sind die beiden Gruppenleiter zuständig. «Zum Teil ist es nicht ganz einfach, wenn Leute mit Migrationshintergrund hier arbeiten, die Verständigung sicherzustellen», sagt Schwager. Er selber ist durch den Tag dafür verantwortlich, dass alles gut läuft, kontrolliert und korrigiert wenn nötig.

Kunden informieren

Im letzten Jahr bot die Gärtnerei eine Überwinterungsmöglichkeit für Pflanzen von Privatpersonen an. An die 90 Kunden werden in der nächsten Zeit über das weitere Vorgehen informiert, damit ihre Pflanzen nicht der Kälte anheim fallen. Der Rest des Angebotes wird bis Ende November normal weitergeführt. So werden weiter Opferkerzen ausgekratzt für die Kirchgemeinden der Region, Efeustecklinge für andere Gärtnereien produziert, Kräuter angepflanzt oder Echeverien für Adventsgestecke gezüchtet.

Ein weites Tätigkeitsfeld, in welchem die Teilnehmenden behutsam auf die Aufgaben im ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Benjamin Schwager hat selber Gärtner gelernt, an derselben Stelle, an der er heute die Betreuung übernimmt. Nach der Lehre war er eine Zeit lang in Mümliswil bei der Floripac AG. «Dort habe ich gemerkt, dass viele Teilzeit angestellte Frauen mit Migrationshintergrund zu mir kamen, wenn sie etwas wissen wollten. Und mir fiel die Kommunikation mit ihnen leicht», sagt Schwager zu seinen Gründen für den Wechsel in einen sozialen Beruf. Ihm habe der Faktor Mensch gefehlt, ergänzt er. Also habe er sich während seiner Anstellung in der Gärtnerei berufsbegleitend zum Arbeitsagogen ausgebildet. Eine optimale Lösung, kann er doch sein Know-how aus seiner Berufslehre und der Weiterbildung verbinden.

Während des Tages ist ein wichtiger Teil der Arbeit Schwagers das Führen des Journals. Schliesslich muss die Kommunikation mit den zuständigen Sozialregionen gewährleistet sein. Der Arbeitsstätte zugewiesen werden Menschen von Oensingen, aus dem Thal, der Region Olten oder dem Niederamt. Die Gemeindearbeitsplätze (GAP) der Oltech fördern die Teilnehmenden in vielfältigen Bereichen. Etwa bieten sie eine Tagesstruktur, auch wenn viele Teilzeit arbeiten, sie sollen das Selbstvertrauen fördern und soziale Integration ermöglichen. «Wir sind hier die unterste Schwelle sozusagen», erklärt Schwager. Manche seien nach drei Monaten bereits wieder soweit , um in den ersten Arbeitsmarkt einbezogen zu werden, andere bleiben länger.

Neue Lösungen suchen

Momentan arbeiten in den verschiedenen Bereichen der Gärtnerei zirka 16 Teilnehmende. Für diese müssen nun neue Lösungen gesucht werden. «Klar ist, dass wir von der Suchthilfe und der Oltech darum bemüht sind, die Teilnehmenden in eigene Betriebe einzugliedern», sagt Reno Sami. Was mit den drei Mitarbeitenden passiert ist noch offen. «Ich bin nun auf der Suche, gehe aber davon aus, dass ich bald einen Job finden werde. Sicher ist, dass ich gerne im sozialen Bereich weiter arbeiten würde», sagt Benjamin Schwager.

Eigentlich eine reichlich paradoxe Situation, dass eine Institution, welche die Integration in den Arbeitsmarkt zum Ziel hat, nun selbst dichtmachen muss. Pflanzen werden wohl in Zukunft keine mehr wachsen in den Gewächshäusern der Gärtnerei.

Wachsen soll aber der Hotelbetrieb der Alten Gärtnerei nebenan. Ernst Studer, Besitzer der Liegenschaft und seit einiger Zeit Betreiber eines Bed and Breakfast möchte ausbauen. So bleibt auch nach dem Auszug der Sozialinstitutionen etwas gleich: Menschen begegnen Menschen auf Augenhöhe auf dem Areal der Gärtnerei in Härkingen.

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