Abwasserreinigung
ARA Falkenstein könnte dank Projekt in der Schweiz eine Vorreiterrolle einnehmen

23 Millionen Franken sollen in den Ausbau der ARA Falkenstein in Oensingen investiert werden. Dann sollen auch Mikroverunreinigungen gefiltert werden können. Eine Ausweitung in den Kanton Bern ist dann möglich.

Hanspeter Schläfli
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Die ARA Falkenstein in Oensingen heute. In den kommenden Jahren soll sie für 23 Millionen Franken auf den neuesten technischen Stand gebracht werden.

Die ARA Falkenstein in Oensingen heute. In den kommenden Jahren soll sie für 23 Millionen Franken auf den neuesten technischen Stand gebracht werden.

Bruno Kissling

Die Dünnern schwillt bei Starkregen jeweils rasant an, doch meistens führt sie nur wenig Wasser. Das stellt die ARA Falkenstein in Oensingen vor eine heikle Aufgabe. Sie darf das gereinigte Abwasser in die Dünnern leiten, aber beim kleinsten Fehler droht eine Überdüngung. Das neue Gewässerschutzgesetz verlangt zudem eine zusätzliche Reinigungsstufe zur präventiven Eliminierung der Mikroverunreinigungen, weil diese die Fruchtbarkeit verschiedener Wasserlebewesen beeinträchtigen können.

Heute sind wichtige Teile der Abwasserreinigungsanlage, die 1976 den Betrieb aufgenommen hat, am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Wegen des Bevölkerungswachstums in den neun angeschlossenen Gemeinden Matzendorf, Laupersdorf, Herbetswil, Aedermannsdorf, Mümliswil, Holderbank, Oensingen, Balsthal und Langenbruck muss zudem auch die Kapazität vergrössert werden. Nun hat das Zürcher Ingenieurbüro Hunziker Betatech ein Projekt ausgearbeitet, mit welchem die ARA Falkenstein in der Schweiz eine Vorreiterrolle einnehmen wird.

Sie kümmern sich um die ARA (v. l.): Steven Meister, designierter Betriebsleiter, Markus Bieli, Betriebsleiter, Ingenieur Alex Benz und Enzo Cessotto, Präsident Zweckverband ARA Falkenstein.

Sie kümmern sich um die ARA (v. l.): Steven Meister, designierter Betriebsleiter, Markus Bieli, Betriebsleiter, Ingenieur Alex Benz und Enzo Cessotto, Präsident Zweckverband ARA Falkenstein.

Hans Peter Schläfli

Kein Trinkwasser, aber zum Bewässern gut

«Es wird kein Trinkwasser sein, aber es verschmutzt den Bach nicht. Die Bauern könnten damit zum Beispiel problemlos ihre Felder bewässern.» So beschreibt Projektleiter Alex Benz die Qualität des Abwassers, wie es ab 2025 von der ARA Falkenstein in die Dünnern geleitet wird – wenn das auf knapp 23 Millionen Franken veranschlagte Projekt sämtliche politische Hürden nimmt. Bereits im nächsten Jahr dürften die Gemeindeversammlungen aller Dörfer des Zweckverbandes darüber abstimmen.

Mit der neuen Reinigungsstufe kann die Effizienz um Potenzen gesteigert werden, sagt Alex Benz. «Grosse Bündel Hohlfasermembranen werden in die Schlammbecken gestellt. Diese saugen mittels Unterdruck das gereinigte Abwasser aus dem Schlamm. Die Membranen sind so fein porös, dass nur die kleinen Wassermoleküle durchgelassen werden. Zudem geben wir Aktivkohle in den Schlamm, an welcher die Mikroverunreinigungen hängen bleiben», erklärt er das Prinzip.

Der Ingenieur, der die Anlage seit über 20 Jahren begleitet, findet anschauliche Worte: «Wir müssen jetzt reagieren und nicht warten, bis die Vögel tot vom Himmel fallen. Die Mikroverunreinigungen, die aus Reinigungsmitteln, Medikamenten und kosmetischen Produkten stammen, schädigen zum Beispiel die Wasserschnecken. Es gibt Mutationen, die Weibchen sind weniger fruchtbar.»

Für die angeschlossenen Haushalte werde sich der Preis pro Kubikmeter Abwasser um rund zehn Prozent erhöhen, sagt er. «Wenn man bedenkt, wie viel diese neue Reinigungsstufe für die Umwelt leistet, ist das ein verkraftbarer Preis».

Beim Besuch einer 15 Jahre alten Anlage in der Nähe von Düsseldorf, die seit drei Jahren dieselben Membranen in Kombination mit Aktivkohle einsetzt, konnte sich eine Delegation des Zweckverbandes bereits von der Technik überzeugen. Das Projekt hat zudem den Vorteil, dass kein Land verbaut werden muss. Dort, wo sich die jetzt die Becken befinden, in denen sich die Schwebstoffe und die Mikroorganismen aus dem Schlamm absenken, wird eine Stahl-Holzhalle gebaut. Auf dem Dach wird eine Fotovoltaikanlage installiert, die rund 40 Prozent des Stroms für den Betrieb der ARA Falkenstein liefern kann.

Niederbipp zeigt grosses Interesse

Bisher wird das Niederbipper Abwasser in der Kläranlage der Papierfabrik Kimberly-Clark aufbereitet, doch die nun geplanten Modernisierung hat das Interesse der Berner Nachbarn geweckt. Um die Kosten des Umbaus auf mehr Haushalte verteilen zu können, wäre ein Bipper Beitritt zur ARA Falkenstein auch für den Zweckverband interessant. Von der Gemeinde Niederbipp ist bereits ein offizielles Schreiben mit der Bitte um Gespräche über einen Beitritt eingetroffen.