Balsthal/Zermatt
Apfeltrester der Mosti Balsthal ist die ideale Winternahrung für Zermatter Wildtiere

Viktor Ackermann aus Oensingen ist seit Jahren für eine aussergewöhnliche Lieferung ins Wallis besorgt: Er führt Pressrückstände aus der Mosti Balsthal hinauf in die Nähe des Matterhorns.

Peter Wetzel
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Thomas Infanger (l.) und Georg Studer sind mit der Most-Saison 2014 sehr zufrieden. Auch zu den Most-Rückständen, dem Trester, tragen sie Sorge.

Thomas Infanger (l.) und Georg Studer sind mit der Most-Saison 2014 sehr zufrieden. Auch zu den Most-Rückständen, dem Trester, tragen sie Sorge.

Apfeltrester sind Pressrückstände, welche bei der Herstellung von Apfelsaft entstehen. In der Balsthaler Mosti im Hunzikerhof fällt während der Mostsaison eine Unmenge dieses Materials an.

Der grösste Teil des Tresters geht zu einem Landwirt, der die Rückstände als Raufutterersatz verwendet. Abnehmer sind auch die Jäger, die die ausgepressten Apfelstücklein für die Wildfütterung einsetzen.

Ein ganz spezieller Abnehmer aber ist der Oensinger Garagist Viktor Ackermann. Er pflegt eine enge Verbindung mit dem weltbekannten Ferienort Zermatt und hat dort seit zwölf Jahren eine Zweitwohnung.

Seit rund zehn Jahren fährt Viktor Ackermann einmal im Oktober mit einem Lastwagen vor die Mosti Balsthal und belädt die Ladefläche mit 14 Fässern, welche alle mit Trester gefüllt werden. Via Kandersteg–Goppenstein gelangen die Fässer nach Zermatt.

Rund 35000 Liter Apfelmost produziert

Die Mosti Balsthal kann auf ein sehr erfolgreiches Mostjahr zurückblicken. Die beiden Moster Thomas Infanger und Georg Studer bestätigten, dass sehr viel und gute Ware angeliefert worden sei. Es seien rund 35 000 Liter Most produziert worden, was rund
50 000 Kilogramm Äpfeln entspricht (2013: 23 000 Liter). Insgesamt sind seit 3. September dieses Jahres 750 Arbeitsstunden geleistet worden. Das Balsthaler Most-Team umfasst 16 Personen.
Philipp Tschan, Präsident des Obst- und Gartenbauvereins, ist begeistert von der Leistung des Teams. Er hofft, dass die Anschaffung einer neuen Siebbandpresse und einer Erhitzungsanlage schon bald in Erfüllung gehen werde. Mit den bestehenden Anlagen sei man in dieser Saison an die Kapazitätsgrenzen gestossen. (pwb)

Dort wird die Ladung von Raphael Julen, Betreiber des Restaurants Tufternalp in Empfang genommen, auf einen Schilter, ein geländegängiges Fahrzeug, geladen und auf die Tufternalp gefahren.

Julen beschickt in den Wintermonaten die Futterstelle in der Nähe seines Restaurants mit dem Balsthaler Trester, zusammen mit Heu. Dieses Futterangebot lockt in erster Linie das Rehwild an, welches von der Sonnenterrasse des Restaurants aus nächster Nähe beobachtet werden kann. Bei ganz strengen Schneeverhältnissen gesellen sich auch noch zahlreiche Gämsen dazu. Dieses Naturschauspiel gilt mittlerweile als Touristenattraktion, weiss Viktor Ackermann zu
erzählen.

Julen und Ackermann kennen sich schon seit Jahren. Sie kamen bei einem Gespräch auf die Wildfütterung mit Trester. In der Mosti in Balsthal werde sauberer, zuckerreicher und wasserhaltiger Trester mechanisch produziert, wusste Ackermann zu berichten.

Dieser Trester könne nicht verglichen werden mit demjenigen aus Grossmostereien. Er bot Julen an, jährlich eine Lieferung dieses wertvollen Stoffes unentgeltlich nach Zermatt zu liefern. Ackermann meint dazu: «Ich freue mich, etwas dazu beitragen zu können, dass die Gäste – und vor allem auch die Kinder – die Schönheit unseres Wildes vor Augen geführt bekommen.» Der lange Transport lasse sich rechtfertigen durch die grosse Freude der Leute beim Beobachten der Wildtiere. Zudem fahre er so oder so öfters nach Zermatt. Als ehemaliger Jäger habe er zudem eine enge Beziehung zu den Wildtieren aufgebaut.

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